Man freut sich darüber – und erzählt so ziemlich allen Leuten davon, die man im Freibad trifft und die eine Arschbombe machen.
Muss man für eine gute Arschbombe Schmerzen in Kauf nehmen?
Nein, nicht unbedingt. Wenn man mit Körperspannung und kontrolliert springt, sollte die Landung nicht wehtun. Man setzt sich ja einfach nur in der Luft hin und zieht die Beine an. Im Gegensatz zum Köpper gibt es bei der Arschbombe deutlich weniger Möglichkeiten, falsch aufzuschlagen. Schmerzen entstehen ja nur, wenn man ungünstig auf dem Rücken oder zu weit hinten landet.
Einfach hinsetzen und Beine anziehen? Damit gewinnt man doch keinen Wettbewerb, oder?
Es wurde auch Stimmung und Auftreten bewertet. Ich bin beispielsweise in einem Gefangenenkostüm gesprungen und habe außerdem noch einen kleinen Clou eingebaut.
Jetzt kommt der Geheimtipp?
Kurz nach dem Eintauchen macht man sich lang: Die Schultern gehen nach hinten, die Füße werden durchgestreckt, und die Hüfte geht nach vorn. Dadurch wird das Wasser zusätzlich nach oben gedrückt.
Und das ist erlaubt?
Wenn man es gut macht, sieht es ja keiner.
Wie wichtig ist die Flugphase für eine gute Arschbombe?
Sehr wichtig. Man kann sich schon in der Luft auf die Landung vorbereiten, sich etwas weiter nach hinten lehnen und den Körper anspannen. Wer möchte, kann zusätzlich noch eine kleine Bewegung oder einen Gag einbauen, um das Publikum mitzunehmen.

Wer eine Arschbombe macht, hat einfach nicht mehr drauf. Was sagen Sie zu dem Vorurteil?
Ich schaffe noch einen Kopfsprung mit Drehung oder einen Salto. Aber was die richtig krassen Sprünge angeht, ist mein Bruder einfach besser. Ich musste auf die Arschbombe setzen, um neben ihm noch irgendwen beeindrucken zu können.
Zurück zur perfekten Bombe. Was zählt mehr: eine hohe Fontäne oder ein lauter Aufprall?
Beides. Bei einer richtig guten Arschbombe macht es auch automatisch ein schönes Geräusch.
Ab wann ist eine Arschbombe eigentlich keine Arschbombe mehr?
Wenn genau das, was der Name besagt, nicht mehr im Mittelpunkt steht. Wenn zwar ein Sprung hoch spritzt, aber nicht, weil man mit dem Hintern voran im Wasser landet. Gerade kommen viele Jugendliche ins Freibad, die neue Sprünge ausprobieren, die sie auf Tiktok gesehen haben. Das Level ist gestiegen. Sie machen dann so etwas wie das Entchen oder die Katze. Da gibt es viele Namen. Das sieht erst aus, als würden sie einen Bauchplatscher riskieren. Kurz vor dem Aufprall ziehen sie die Arme und Beine vor den Körper und strecken sie dann unter Wasser wieder weit von sich. Das macht schon einen ordentlichen Platscher.
Sollte der Platscher, oder wie es in der Ankündigung so schön heißt, der Splash, besser nach oben gehen oder breit streuen?
Das kommt darauf an, was man erreichen möchte. Wer möglichst viele Menschen nass machen möchte, sollte breit spritzen. Wer das Publikum beeindrucken will, zielt eher auf einen hohen Splash. Es hat schon einen Wow-Effekt, wenn das Wasser höher als das Dreimeterbrett spritzt.
Wie haben Sie sich auf die Titelverteidigung vorbereitet?
Ich bin, immer wenn ich mal freihatte, im Freibad teilweise eine Stunde am Stück gesprungen. Dabei habe ich ausprobiert, wie weit ich mich in der Luft nach hinten lehnen kann, dass es noch eine Arschbombe bleibt, aber bei der Landung noch nicht weh tut.
Und wie gelingt jetzt die perfekte Arschbombe? Mit Anlauf oder ohne Anlauf.
Mit. Man will ja eine epische Flugkurve.
Mit Brüllen oder ohne Brüllen?
Da kommt es auf die Stimmung an – aber tendenziell eher mit.
Mit Kostüm oder ohne Kostüm?
Mit – zumindest im Wettkampf. Ich setze diesmal auf ein Raketenkostüm. Das schützt schon die Haut, wenn man doch mal falsch aufkommt.

Und wie entscheidend ist die Höhe, um einen guten Splash-Effekt zu erzielen?
Eine gute Arschbombe vom Einer kann einen besseren Splash-Effekt erzielen als eine schlechte vom Dreier. Aber generell ist vom Dreier mehr Wucht dahinter.
Wieso dann nicht gleich vom Zehner springen?
Ich bin in Österreich einmal mit einem Neoprenanzug von einer zwölf Meter hohen Klippe gesprungen. Es war verkraftbar. Aber ohne Schutz würde ich höchstens von einem Fünfmeterbrett eine Arschbombe machen.
Sie hatten im vergangenen Jahr keine weibliche Konkurrenz. Woran liegt das?
Ja, das war schade. Frauen machen durchaus auch Arschbomben. Da gibt es keine Grenze beim Alter oder Geschlecht. Arschbomben sind einfach für jedermann. Aber was ich schon beobachte: Irgendwie sind Frauen ein bisschen vernünftiger dabei – sie gehen nicht ohne Rücksicht auf Verluste rein.
Noch einmal zur Wettkampfstrategie: Bleibt es bei einer klassischen Arschbombe?
Ja. Ich konzentriere mich aufs Wesentliche. Ich trete mit dem klassischen Kniesprung an: Beide Knie werden angezogen, die Hände gehen an die Knie. Am Ende des Tages ist es ein Arschbomben- und kein Saltowettbewerb.
Arschbombenmeisterschaft in Eltville
Am Samstag, 22. August, wird die zweite Arschbombenmeisterschaft im Freibad in Eltville ausgetragen. Gesprungen wird ausschließlich vom Dreimeterbrett. Bewertet werden unter anderem die Sprungtechnik, Kreativität sowie die Größe der erzeugten Wasserfontäne. Der Eintritt zum Freibad ist an diesem Tag unentgeltlich. Anmeldungen unter www.eltville.de/arschbombenmeisterschaft. Kurzentschlossene können sich, je nach verfügbaren Kapazitäten, auch am Veranstaltungstag melden. Teilnehmer müssen mindestens zwölf Jahre alt sein, Minderjährige benötigen aber eine Einverständniserklärung ihrer Erziehungsberechtigten.
