Wenn Herr F. über den Busenfreund des verstorbenen Hausherrn spricht, gerät er in Wallung: „Was war das bitte für ein Mensch? Der hat seine Frau auf dem Sterbebett noch nicht einmal besucht. Als ich das gehört habe, war er bei mir unten durch!“ Wir überlegen noch, was wir zur Verteidigung des Gescholtenen anführen können, aber Herr F. setzt seine Schimpftirade schon fort. „Ein abgehobener Typ war der, total arrogant. Der hatte es gar nicht nötig zu arbeiten, kam aus reichen Verhältnissen und hat später vom Geld seines Gönners gelebt.“
„Der Schiller hingegen“ – Herr F. macht eine Pause – „musste sich alles selbst erarbeiten. Halb tot hat er noch geschrieben, um seiner Frau das Haus schuldenfrei zu hinterlassen. Jetzt wechselt Herr F. von einem aufgebrachten in einen verächtlichen Ton: „Für den Goethe war die Schreiberei doch nur ein Hobby“, sagt er, macht eine wegwerfende Handbewegung und dreht sich um, um seinem Job nachzukommen und einem neuen Besucher zu zeigen, wo der Rundgang durchs Schillerhaus beginnt.

Viele Besucher kommen nach Weimar, um genau diese Nähe zu spüren, um die Menschen hinter den übermächtigen Mythen zu entdecken. Wir haben die Zahlen nicht überprüft, aber die Empirie des Augenscheins legt nahe, dass die Altersverteilung in der Stadt einer Sanduhr gleicht: Wir begegnen auf den Straßen vielen jungen Menschen, Studenten von der Bauhaus-Universität und Schülern auf Klassenfahrt. Und es gibt viele alte Leute. In den Museen treffen beide Gruppen aufeinander: die Jugendlichen, die mit stoischem Blick darauf warten, dass der Lehrer aufhört, im Schillerhaus über Kabale und Liebe zu referieren oder im Goethehaus über die Leiden des jungen Werther, damit sie sich endlich wieder den wirklich interessanten Dingen widmen können: den amourösen Verstrickungen ihrer eigenen Klassenkameraden. Oder Tiktok. Und es kommen die älteren Besucher, von denen nicht wenige Ehrfurcht im Blick haben, wenn sie Goethes Sterbezimmer betreten.
Auch wenn das Wohnhaus suggeriert, es sei am Todestag des Dichters praktisch eingefroren worden, so erzählt es in Wirklichkeit doch mehr darüber, wie die Nachwelt Goethe sah und sehen sollte, als darüber, wie der berühmte Bewohner tatsächlich gelebt hat. Besucht man das Haus, gewinnt man den Eindruck, in ihm müsse ein einsames Genie gelebt haben, das von nichts als seinen Gedanken lebte, schließlich gibt es weder eine richtige Küche noch eine Toilette.
Christoph Orth ist bei der Klassik Stiftung für die Dichterhäuser verantwortlich und hat die schwierige Aufgabe, in Goethes Wohnhaus am Frauenplan beide Gruppen gleichermaßen für diesen Ort zu interessieren – und dabei sowohl der historischen Figur als auch dem Mythos gerecht zu werden, ohne dabei die unterschiedlichen Formen des Goethekults in Kaiserreich, Nationalsozialismus und DDR zu verdrängen. Schließlich hatte der verstorbene Dichter im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Regimen zu dienen, und jedes dieser ideologisch gefärbten Goethe-Bilder hat wiederum Spuren im Gebäude hinterlassen.

Dabei sah die Realität ganz anders aus: „Es war ein großer, bürgerlicher Haushalt, hier wohnten und arbeiteten viele Menschen“, sagt Orth. Es sei lebhaft zugegangen und laut gewesen. Im Hof gab es Enten und Gänse, die Weberei in der Nachbarschaft machte Lärm. Auch der Dichter selbst arbeitete keineswegs allein, sondern in einer Werkstatt mit mehreren Schreibern. Das war zentral für sein Werk, denn nur indem er viele Aufgaben delegierte, konnte er derart produktiv sein.
Wir gehen gemeinsam mit Orth die Treppe hinauf, die Goethe gerne zur Selbstinszenierung genutzt hat: Seinen Freund und Gönner, Herzog Carl August, holte er in Ehrerbietung stets am Fuß der Treppe ab, andere überraschte er mit einem Auftritt aus der Seitentür im Zwischengeschoss – und wessen Besuch er nicht schätzte, den ließ er oben an der Treppe stundenlang warten.
Wir betreten die Sammlungszimmer, die mit ihren ordentlich bestückten Vitrinen, leeren Tischplatten und vielen Büsten seltsam steril wirken – eher wie ein Heimatmuseum als wie ein Haus, in dem gelebt und gearbeitet wurde. „In Wirklichkeit waren diese Räume viel voller, sie hatten eher den Charakter eines Depots, überall standen und lagen Dinge, die Goethe sammelte, die ihn inspirierten“, sagt Orth. Der Majolika-Schrank, der heute in seiner Präsentation schwer an die Sammelteller in Großtantchens guter Stube erinnert, sah in Wirklichkeit nicht bieder aus, sondern war eine prall gefüllte Wunderkammer, vollgepackt mit bunten Keramiken, deren Farben Goethe faszinierten.
Als habe Goethe noch schnell den Sperrmüll bestellt
Dass die Räume radikal entleert und die Objekte neu angeordnet wurden, hat etwas mit dem Bild zu tun, das die Deutschen von ihrem Nationaldichter bekommen sollten: Ein lebendiges Chaos passte nicht zu dem Marmorsockel, auf den man ihn als allerersten Vertreter der deutschen Kulturnation stellte. Die postume Imagepflege führte so weit, dass man sogar die rot lackierten Schränke hellgrau übermalte, um einen noblen Eindruck der Weimarer Klassik zu vermitteln, zu der das bunte Mobiliar nicht gepasst hätte.
Bis heute prägt, abgesehen von seinem Werk und seinen Briefen, nichts so sehr das Bild Johann Wolfgang von Goethes wie dieses Haus am Frauenplan, das er nicht nur fast 50 Jahre lang bewohnte und in dem er arbeitete, sondern das er auch nach seinen Bedürfnissen gestaltete und ständig umräumte.
In diesem Haus bildet das Arbeitszimmer den Nukleus der Marke Goethe. Einsam ruht dort eine Feder im Tintenfass auf einem fast leeren Schreibtisch vor leeren, dunklen Möbeln, ganz so, als habe der Schriftsteller schnell noch alles aufgeräumt und den Sperrmüll bestellt, bevor er seine letzte Zeile schrieb. Dieses Zimmer ist keine Zeitkapsel eines realen Arbeitsplatzes, sondern eine Inszenierung, die nur darauf zielt, ein Gefühl beim Betrachter hervorzurufen: Ehrfurcht vor Goethes Genie.

Dinge, die ihn allzu menschlich hätten erscheinen lassen, wurden bewusst entfernt, um diesen Eindruck nicht zu stören. Seine Waschschüssel und der Schwamm, mit dem er sich wusch, sind erhalten, aber lagern im Depot.
Bei vielen jetzigen, vor allem jungen Besuchern, die daran gewöhnt sind, Berühmtheiten via Instagram und Co. ins Fitnessstudio und zur Darmspiegelung zu begleiten, ruft diese Mythisierung keine Ehrfurcht, sondern Unverständnis hervor. „Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist, wo sich denn in diesem Haus die Toilette befand“, sagt Orth. Wie hoch die Miete war, wo die ganzen Menschen schliefen: All diese praktischen Fragen bleiben bislang unbeantwortet.
Vielleicht schafft man es, Goethe durch seine Entmythisierung einem jungen Publikum wieder näherzubringen. Bislang wird der Anschluss der Lebenswelt des 18. Jahrhunderts an die Generation Z vor allem dadurch versucht, dass Besucher mit Brille und Joystick wie in einem Videospiel virtuell die Schränke in Goethes Arbeitszimmer öffnen können, das für Besucher sonst nicht zugänglich ist.
Doch das soll sich bald ändern, denn ab November dieses Jahres steht die größte Sanierung von Goethes Wohnhaus seit Jahrzehnten an. Bis 2029 soll das Haus nicht nur denkmalgerecht instand gesetzt werden, sondern auch ein neues museales Konzept bekommen. „Das Haus wird wieder mehr so aussehen wie zur Zeit, als Goethe darin lebte“, sagt Orth. Der Zustand zum Todeszeitpunkt sei sehr gut dokumentiert. Das Haus wird voller werden, chaotischer, lebensnäher. Künftig soll es mehr um das Individuum gehen und nicht so sehr um den Dichterkult. Auch das ist ein Ausdruck des Zeitgeistes – des heutigen.
Solvente Käufer in herausgeputzten Geschäften
Den Menschen hinter dem Mythos sichtbar zu machen: Das gelingt im Schillerhaus besser, da müssen wir dem dortigen Mitarbeiter, Schiller-Freund und Goethe-Verächter, Herrn F., zustimmen. Auch wenn die meisten Möbel keine Originale aus seinem Haushalt mehr sind, haben wir den Familienmenschen Friedrich Schiller vor Augen, wie er im Wohnzimmer mit seinen Kindern spielt und im Arbeitszimmer schwer krank noch nachts am Schreibtisch sitzt, während seine Frau Charlotte nebenan die Kinder zu Bett bringt.

Berührt von Schillers Familiensinn, treten wir aus seinem sonnengelben Wohnhaus hinaus auf die Straße und stehen mitten in der kleinstädtischen Fußgängerzone zwischen einer Confiserie und einem Geschäft für Barfußschuhe. Wir laufen durch die Altstadt, deren sommerlich-heitere Atmosphäre die sonnige Farbe des Schillerhauses spiegelt: In den Straßencafés sitzen viele Menschen, vor allem die Eiscafés sind bei der Hitze sehr gut besucht. In den Geschäften hinter den herausgeputzten Fassaden herrscht kein Leerstand wie in anderen thüringischen Städten, sondern die angebotenen Waren lassen auf solvente Käufer schließen, die auch gerne ein paar Euros mehr ausgeben, wenn die Produkte fair gehandelt und biologisch angebaut sind.
Wir passieren kaum eine Straße, in der kein Museum liegt, in der keine Plakette an einer Hauswand daran erinnert, welche Weltberühmtheit hier einst schrieb, philosophierte, komponierte oder malte. Die Stimmung in ganz Weimar erinnert uns an die Atmosphäre im Rokokosaal der Anna-Amalia-Bibliothek, in dem wir am Morgen am sonnendurchfluteten Fenster standen: eine 260 Jahre alte, weiß-goldene Schatzkammer des Wissens, in der fast ebenso viele Gelehrtenbüsten stehen wie Bücher. Dieser dreigeschossige Raum hat trotz seiner kulturellen Bedeutung etwas Beschwingtes und Leichtes, das zum Verweilen einlädt – eine Kombination, die auch Weimar ausmacht und viele Besucher dazu bringt, immer wiederzukommen, auch wenn sie schon jedes Museum kennen.

Wir bleiben am Theaterplatz vor dem Goethe-Schiller-Denkmal stehen, um das gerade drei Kinder toben. Hinter den Statuen erhebt sich ein klassizistisches Gebäude, das Deutsche Nationaltheater, in dem vom 6. Februar bis 11. August 1919 die Nationalversammlung tagte. An wohl keinem anderen Ort in Deutschland verdichten sich kulturelle Größe und geistiger Wagemut so sehr wie hier – ebenso wie Unkultur und Barbarei. „Weimar ist Deutschland in nuce“, hat Bundespräsident Roman Herzog gesagt, als Weimar 1999 Kulturhauptstadt Europas wurde. In dieser Stadt mit nur 60.000 Einwohnern konzentriere sich vieles von dem, was das Land, seine Kultur und Tradition ausmache.
Gefördert von den weitsichtigen Herzögen und Herzoginnen von Sachsen-Weimar wurde die Stadt zum Nährboden für Literatur, Philosophie, Musik und Kunst. Hier komponierten Johann Sebastian Bach und Franz Liszt, hier gründete Walter Gropius im Geburtsjahr der Weimarer Republik das Bauhaus. Doch auch ein Schauplatz der schlimmsten Barbarei liegt direkt vor ihren Toren: Im Konzentrationslager Buchenwald, dem größten seiner Art auf deutschem Boden, starben 56.000 Menschen zwischen 1937 und 1945.
Geistesgröße und Zivilisationsbruch – in Weimar sind sie untrennbar miteinander verbunden, nicht nur, weil man den mehr als 50 Meter hohen Glockenturm von Buchenwald, ein Mahnmal aus DDR-Zeiten, aus vielen Ecken der Stadt erblickt. Überall stoßen wir auf Linien, die sich kreuzen: Der Bauhausschüler Franz Ehrlich gestaltete die Inschrift „Jedem das Seine“ für das schmiedeeiserne Tor des Buchenwalder Häftlingslagers. Dessen Insassen mussten Repliken der Möbel aus Schillers Wohnhaus anfertigen, als die Originale im Krieg eingelagert wurden. Das teilweise zerstörte Goethehaus wurde nach Kriegsende mit Bauteilen aus dem aufgegebenen KZ ausgebessert.
Das war nicht immer der Fall, nicht nur das Naziregime, auch die DDR haderte mit dem Erbe, wie wir während des Großen Bauhaus-Spaziergangs erfahren. Er beginnt dort, wo auch das Bauhaus seinen Anfang nahm, im Innenhof des Ateliergebäudes, das Henry van de Velde in reduziertem Jugendstil für die Großherzoglich Sächsische Kunstschule entwarf. Heute ist das Gebäude nicht nur Teil des UNESCO-Welterbes, sondern auch Sitz der Architekturfakultät. Einerseits geht es hier zu wie fast überall sonst auch an deutschen Unis: Im Studentencafé gibt es Bio-Saftschorle und veganen Kuchen, vor der Tür hängen Solidaritätsadressen an Palästina und iranische Frauen, Aufkleber auf der Toilette fordern „FCK AfD“. Im Inneren hängen Pläne von studentischen Entwürfen an den Wänden, und auf den Tischen stehen Architekturmodelle.
DDR haderte mit dem Bauhaus-Erbe
„Wieso gerade hier?“, fasst ein niederländischer Tourist bei einem Gespräch die Frage in Worte, die viele Weimar-Besucher umtreibt. Warum waren gerade in dieser Puppenstube der deutschen Hochkultur, am Geburtsort der ersten deutschen Demokratie, die Menschen so anfällig für die Ideologie der Nazis, dass Hitler diese Stadt auserkor, um die NSDAP nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wieder aufzubauen?
Vielleicht lag es an der grundsätzlichen Offenheit der Bewohner gegenüber neuen Ideen – im Guten wie im Schlechten. Es ist kein Zufall, dass Walter Gropius in dieser Stadt seine Kunstschule aufbaute, die alles radikal anders machte und deren Ideen Architektur und Design bis in die Gegenwart prägen. Heute vertritt und vermarktet Weimar das Erbe der Institution mit Stolz, die es 1925 nach Dessau vergraulte: Die Universität nennt sich seit 1996 wieder Bauhaus-Universität und seit 2019 zeigt Weimar seine Bauhaus-Sammlung auch in einem eigenen Museum.

Und doch hat dieser Ort eine Aura, die ihn von den meisten anderen Fakultätsgebäuden unterscheidet. Wer den Bau betritt, setzt sich zwangsläufig den Blicken von Walter Gropius und Henry van de Velde aus, deren Büsten sich zwar gegenüberstehen, die aber etwas melancholisch aneinander vorbeischauen – vielleicht, weil beide aus Weimar vertrieben wurden. Wir laufen an Auguste Rodins bronzener Eva vorbei eine Wendeltreppe hinauf, bis wir in Walter Gropius’ Direktorenzimmer stehen, dessen farbiger Kubismus auch nach hundert Jahren noch das Auge herausfordert.
In den verglasten Ateliers im ersten Stock, in denen Lyonel Feininger, Paul Klee und Wassily Kandinsky unterrichteten, bauen Studenten heute noch Modelle und zeichnen Pläne – auch wenn sie wohl nicht mehr dem Dogma unterworfen sind, dass ein Kreis blau, ein Quadrat rot und ein Dreieck gelb sein muss. Auf genau diese Kombination aus Farbe und Form bestand Kandinsky so vehement, dass sein Schüler Peter Keler selbst eine Babywiege nach diesen Vorgaben gestaltete.
Durch den Ilmpark, an Goethes Gartenhaus vorbei, laufen wir hinauf zum Haus am Horn, dem Mustergebäude, mit dem das Bauhaus zum ersten Mal aussah wie das, was die Welt heute mit ihm verbindet: quadratisch, weiß, mit Flachdach. Radikal reduziert und mit seinem Glimmerputz und den feinen Details doch ein Tempelchen der Moderne. Viele Zeitgenossen fanden das Gebäude furchtbar, verspotteten es als „Haus für Marsmenschen“ oder „öffentliche Bedürfnisanstalt“.

Etwas weiter oben am Hang liegt ein kleines Wohngebiet. Hier wurden die in den Zwanzigerjahren gescheiterten Ideen einer Bauhaus-Siedlung viele Jahrzehnte später auf einem aufgelassenen Kasernengelände in die Tat umgesetzt. In nach bekannten Bauhäuslern benannten Straßen stehen Kuben, viele weiß, manche farbig, immer in Fortsetzung der Bauflucht. Hinter hohen Hecken dringt Kinderlärm gedämpft hervor, ein Elektroauto surrt vorbei. Hier wirkt nichts radikal und neu, sondern sehr arriviert. Dass diese braven Einfamilienhäuser heute Abscheu oder Entrüstung auslösen könnten, ist kaum vorstellbar. Die Siedlung zeigt, wie sehr sich in den vergangenen hundert Jahren die Formensprache des Bauhauses durchgesetzt hat, dass die Avantgarde zum Mainstream geworden ist.
Doch was bedeutet der Mythos Bauhaus für Weimar heute noch, abgesehen davon, dass er sich touristisch vermarkten lässt? Vor dem Ateliergebäude treffen wir zwei Personen, die es uns vielleicht erklären können, schließlich studieren sie an der Hochschule, die in der Tradition von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe steht – zumindest dem Namen nach. Gord von Campe und Johannes Damm sind Architekturstudenten an der Bauhaus-Uni. Sie haben das Modell ihres aktuellen Entwurfs vor sich stehen. Es ist kein weißer Kubus. „In der Architekturlehre spielt das Bauhaus keine besondere Rolle. Seine Ideen prägen aber unsere Herangehensweise ans Entwerfen“, sagen die beiden. In Weimar würden Freude an Kreativität und interdisziplinäre Arbeit besonders gefördert, beides zentrale Elemente der Kunstschule. Und auch dessen zentrale Frage „Wie wollen wir leben?“ sei für ihr Studium maßgeblich.
Heute wird sie jedoch ganz anders beantwortet. Der Studentenentwurf nimmt sich gegenüber dem Bestand maximal zurück, es ist ein Holzbau, damit der ökologische Fußabdruck des Gebäudes möglichst klein ausfällt. Einen größeren Unterschied zur Glas- und Beton-Ästhetik des Bauhauses kann man sich kaum vorstellen. Und doch steckt in beidem derselbe Kern: Eine gestalterische Antwort auf die drängendsten Fragen der Zeit zu finden, ob es damals die Einheit von Kunst und Technik war, oder heute der Klimawandel ist.
www.klassik-stiftung.de/goethe-nationalmuseum/
Bisher erschienen: Neuschwanstein (25. Juni), Heidelberg (9. Juli), Loreley (23. Juli); Bayreuth (6. August)
