
Auf dem italienischen Bankenmarkt wechseln sich die Übernahmeangebote fast so schnell ab, wie ein Gelato in der Augustsonne schmilzt. Kaum hat Banco BPM eine Fusion mit Monte dei Paschi di Siena (MPS) vorgeschlagen, übertrumpft dies Intesa Sanpaolo mit einem höheren Angebot für MPS. Jetzt will sich die älteste Bank der Welt aus der Toskana aus der Umklammerung befreien und bietet in einem gewagten Schachzug ihrerseits für BPM sowie zusätzlich für Banca Generali, dem Bankhaus des gleichnamigen Versicherers. Makroökonomisch und wettbewerbspolitisch spräche in Italien viel für den Aufbau einer dritten Bankengruppe hinter den Riesen Unicredit und Intesa, doch der nun versuchte Befreiungsschlag des MPS-Vorstandsvorsitzenden Luigi Lovaglio trägt Züge einer Verzweiflungstat. Er hat die Integration der im vergangenen Jahr übernommenen Investmentbank Mediobanca noch gar nicht abgeschlossen, da sollen gleich zwei weitere Banken dazu kommen. Die Regierung in Rom verfolgt seine Initiative mit Wohlwollen, doch ob das reicht, ist fraglich. Nicht zuletzt muss Lovaglio den BPM-Großaktionär Crédit Agricole überzeugen, der zuvor schon mal die Tür zugeschlagen hat.
Wie auch immer die Schlacht ausgeht, die Konsolidierung auf dem italienischen Markt schreitet voran. Die Zahl der Bankengruppen ist seit 2015 von 500 auf 129 zusammengeschrumpft, berichtet die italienische Zentralbank. Nachdem die italienischen Häuser in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts vollgesogen mit faulen Krediten noch reihenweise wackelten, sind sie nun ein Pfeiler der italienischen Wirtschaft geworden und expandieren ins Ausland, siehe Unicredit und Commerzbank.
Die staatliche Unterstützung durch Garantien beim Verkauf fauler Kredite vor rund einem Jahrzehnt war gut angelegtes Geld. Heute erfreuen sich neben den Kunden die Aktionäre an der Stabilität. Rund 40 Prozent des kumulierten Börsenwerts im Vorzeigeindex FTSE-MIB gehen auf acht italienische Banken zurück. Das Verhältnis von Aktienkursen und Eigenkapital hat sich seit 2022 mehr als verdreifacht und liegt nun über dem Durchschnitt im Euroraum. Weniger und dafür stärkere Banken ist eine Lehre, die auch andere Länder prüfen sollten, nicht zuletzt Deutschland.
