Allein zehn TOre in Hälfte eins :
Frankfurt feiert in Krefeld Rekordsieg im DFB-Pokal

dpa
Nach zuletzt schwacher Vorbereitung feiert Frankfurt in der ersten Pokalrunde einen Kantersieg. Oberligist St. Tönis liegt schon nach der ersten Hälfte 0:10 hinten, steigert sich aber dann.
In der 39. Spielminute setzte sich Adi Hütter, der am Spielfeldrand am liebsten steht, auf seinen Platz auf der Bank. 6:0 für die Eintracht – was in diesem Moment rechts oben von ihm gesehen auf der Anzeigentafel im Krefelder Grotenburg-Stadion stand, sorgte am Freitag für reichlich Entspannung beim Frankfurter Trainer. Und für Freude über die Torgier seiner abschlussstarken Mannschaft vor knapp 11.000 Zuschauern, davon rund 6000 aus Frankfurt.
Der SC St. Tönis, ein Oberligaklub vom Niederrhein, war in der ersten Runde des DFB-Pokals kein Maßstab für die hoch überlegene Bundesligamannschaft vom Main. Sie wurde vielmehr im Fußball zum Spielball der Eintracht. Knapp eine Woche nach dem blamablen 0:7 im abschließenden Testspiel gegen den Premier-League-Klub Brentford feierte Frankfurt seinerseits im ersten Pflichtspiel der Saison ein Schützenfest.
Zum Schluss hieß es beim Kantersieg 11:0. Bereits zur Halbzeit hatte der Pokalsieger von 2018 zweistellig mit 10:0 vorne gelegen. Dementsprechend lang war die Torschützenliste: Auf ihr fanden sich dreimal Jonathan Burkardt, zweimal Can Uzun, Robin Koch, Ayoube Amaimouni, Younes Ebnoutalib, Elias Baum, Mario Götze und Fares Chaibi wieder. Mit ihrem Torfestival stellte die Eintracht einen neuen Rekord im DFB-Pokal auf; 1977 besiegte sie Hertha Zehlendorf 10:2.
„Das war ein absolut verdienter Sieg – auch in dieser Höhe“, bilanzierte Trainer Hütter nach der Partie und fügte an: „Die Mannschaft hat das heute sehr souverän gemacht.“
Ähnlich sah es Götze. „Unsere schnellen Standardtore waren Gold wert“, erklärte der SGE-Routinier. Übermäßig euphorisch war er nach der Torshow gegen den deutlich unterlegenen Gegner allerdings nicht – ebenso wenig wie Mitspieler Ansgar Knauff. „Es war eine gute und wichtige Leistung von uns heute“, verdeutlichte der 24-Jährige. Wirkliche Schlüsse für die Zukunft könne man daraus aufgrund des Leistungsunterschieds aber nicht ziehen.
Für Frankfurts unter dem Strich bemitleidenswerten Gegner war die Gangart schon vor dem ungleichen Pokalaufeinandertreffen klar. „Wir wollen das Spiel genießen, anschließend hat uns der Alltag schnell wieder. Die Oberliga ist unser Zuhause und unser Hobby nach der Arbeit“, sagte Tönis-Trainer Bekim Kastrati.
Er stuft sein Team als „Feierabendtruppe“ ein, die „in der Regel zwei- bis dreimal in der Woche“ trainiere. Trotz des 1:4 im Landespokalfinale gegen Duisburg hatte sich der Klub, der 1700 Mitglieder – davon 900 in der Fußballabteilung – zählt, für die erste DFB-Pokalrunde qualifiziert, weil der MSV Vierter in der dritten Profiliga geworden war. Die Begegnung gegen die Eintracht war die bisher größte in der Vereinsgeschichte. Sie war trotz des niederschlagenden Ergebnisses ein besonderes Erlebnis für den Underdog.
Nach ihrem Pflichtsieg wird es für die Frankfurter, die in Krefeld auf Hugo Larsson und Ritsu Doan (beide muskuläre Probleme) verzichten mussten, am 29. August ernst, wenn sie bei Union Berlin in die neue Bundesligasaison starten.
Die Zukunft von Kaua Santos bleibt spannend
Ob Kaua Santos, der in einer Spielszene stark verunsichert wirkte, dann noch einmal im Tor stehen wird, bleibt eine spannende Frage. Die Eintracht sucht nach einer neuen Nummer eins, die im Hinblick auf ihr Leistungsvermögen über jeden Zweifel erhaben ist.
Skhiri verlässt die SGE
Auch in der Innenverteidigung wollen sie sich mit einem flinken und routinierten Profi verstärken. Im Gespräch ist nun der 26 Jahre alte Franzose Lilian Brassier von Stade Rennes. Aus seiner Zeit als Trainer der AS Monaco kennt Adi Hütter den französischen Spielermarkt bestens; er schätzt die in Frankreich ausgebildeten Spieler sehr. Außerdem soll noch ein neuer Stürmer kommen. Ließe sich der Transfer von Arnaud Kalimuendo realisieren, wäre der Angreifer am Main ein Altbekannter.
Ellyes Skhiri hingegen hat die Eintracht am Freitag abgegeben. Der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler wechselt nach 82 absolvierten Erstligapartien für die Hessen zurück zum Ligarivalen 1. FC Köln; im Sommer 2023 hatte sich der tunesische Nationalspieler den Frankfurtern angeschlossen. Die Ablösesumme für Skhiri soll rund zwei Millionen Euro betragen.
456.377 Euro für die Klubkasse
Für das Erreichen der zweiten Runde im DFB-Pokal nimmt die Eintracht 456.377 Euro ein. In Gefahr geriet das von der Eintracht einkalkulierte Geld nie. Schon mit der zweiten Ecke ging die Eintracht 1:0 (4.) in Führung. Eine Hereingabe von Can Uzun brachte Jonathan Burkardt mit dem Kopf im Tor von St. Tönis unter. An erfolgreichen Kopfbällen fanden die Frankfurter Gefallen. In der zehnten Minute erhöhte Robin Koch auf 2:0, diesmal hatte Can Uzun die Ecke von der rechten Seite geschlagen. Stürmer Younes Ebnoutalib verpasste sechs Minuten später das 3:0.
Teamkollege Ayoube Amaimouni-Echghouyab, der Doan ersetzte, machte es besser und schoss das 3:0 (17.). Spannung kam in der Partie nicht auf. Burkardts zweiter Kopfballtreffer bedeutete das 4:0 (29.). Über sein erstes Erfolgserlebnis zum 5:0 freute sich Uzun in der 34. Minute, kurz darauf ließ der türkische Nationalspieler das 6:0 folgen. Abermals Burkardt (41.), Baum (44.) sowie Ebnoutalib und Götze (jeweils 45. Minute) hießen die weiteren Torschützen zum 10:0-Pausenstand.
In der zweiten Halbzeit war es mit der Frankfurter Torherrlichkeit vorbei. Nur Chaibi traf in der 87. Minute zum 11:0. Die Eintracht verpasste in einigen Situationen ein noch höheres Ergebnis. Aber auch so war es ein haushoher Sieg gegen den großen Außenseiter, über den die Frankfurter nach dem Abpfiff mit Zufriedenheit urteilten.
