Der Vogelsberg wirbt seit einigen Jahren mit dem Prädikat des „größten Vulkans Europas“. Illustriert mit Fotomontagen lavaspeiender Kegel, weiß man die Vorstellung eines hessischen Ätnas phantasievoll zu bedienen. Tatsächlich ist dieser Feuerkopf aber ein friedlicher Geselle. Weniger, weil er vor Jahrmillionen erlosch und nichts auf neuerliche Aktivitäten deutet, vielmehr hinterließ er mit seinen nicht explosiven Massenergüssen aus Schloten und Spalten eine eher gefällige, von der Erosion gestaltete Topographie.
Statt eines zentralen Auswurfkraters dominieren den 2500 Quadratkilometer großen Basaltpanzer weite, nach drei Seiten sanft auslaufende Hochflächen. Als Ganzes schützt der vor 70 Jahren gegründete Naturpark Hoher Vogelsberg – jetzt mit Zusatz „Vulkanregion“ – den Kern und bedeutende Geotope und Biotope die Ausweisung als Naturschutzgebiete (NSG). Dazu gehören die 64 Hektar große Breungeshainer Heide oder das Obere Niddatal, welches stellvertretend für den Wasserreichtum steht. Das Zentralmassiv ist nicht nur Wetter-, sondern auch Wasserscheide.

Im naturkundlich-touristischen Informationszentrum am Hoherodskopf erhellt ein Modell per Knopfdruck die 16 radial entwässernden Bäche. Die eine Hälfte strebt gen Rhein, die andere zur Weser. Ebenso können Gefache unterschiedlichen Basaltgesteins erleuchtet werden, dabei ist grau nicht die einzige Farbgebung. Von hellen über bräunliche bis zu rosaroten Tönen reicht die Skala. Dabei wird erläutert, warum Basalt so etwas Wundervolles wie mehrkantige Säulen bildet. Gleichsam als Orgelpfeifen wurden einige vor dem Gebäude aufgestellt.
Nahe liegend beginnt hier ein acht Kilometer langer „Höhenrundweg“, der die schönsten und spektakulärsten Landschaftsformen im sogenannten Oberwald umfasst. Er berührt das Basaltfeld um den 773 Meter hohen Taufstein, wo der Legende nach Bonifatius die Chatten bekehrte, erreicht mit kurzem Abstecher den bizarr verwitterten Felszug Geiselstein – Relikt einer der vielen Ausbruchsschlote – , berührt Moore der Breungeshainer Heide, passiert zwei Quellen, von Landgrafenborn und Nidda, und ermöglicht zum Abschluss weite Blicke über die Kulturlandschaft der durch Hecken und Lesesteine gemusterten Wiesen bis zum Taunus.
Vorherrschend ist allerdings Wald, namentlich die Buche, der karge Böden und feucht-kühles Klima behagen. Seit der rückläufigen Bedeutung holzwirtschaftlichen Einschlags entzieht man immer größere Flächen der mit Eichen, Bergahorn oder Eschen durchmischten Bestände der Verwertung. Nurmehr einige Jahrzehnte, und der Oberwald dürfte sich zu einem Urwald gewandelt haben.
Wegbeschreibung
Start ist auf dem auch per Bus erreichbaren Hoherodskopf. Den verstärkten Zuspruch durch touristische Einrichtung wie einen Baumkronenpfad, „Naturminigolf“ und Sommerrodelbahn nutzt die Gemeinde Schotten für Parkgebühren. Kostenlos sind die Stellflächen „Steinbruch“ an der Zufahrtsstraße (fünfminütiger Fußweg hinauf) sowie am Taufstein. Hat man sich im Infozentrum über Geologie und die belebte Welt des Vogelsbergs kundig gemacht, ist das grüne H des Höhenrundwegs aufzunehmen. Vom oberen Parkplatz führt es – neben weiteren Zeichen – an einem zerklüfteten Basaltmassiv vorbei und in dunklem Buchenforst abwärts. Unten quert man die Straße und läuft halb rechts ebenen Weges zum Zugang auf den Taufstein.
Allerdings ist der wuchtige Bismarckturm auf dem mit 773 Meter höchsten Vogelsberg-Gipfel aktuell wegen Baufälligkeit geschlossen, obwohl er erst 2010 zum hundertjährigen Bestehen saniert wurde. Das Basaltfeld ringsum und eine ausgemauerte Vertiefung, das vermeintliche Taufbecken von Bonifatius, lohnen dennoch den Abstecher.
Das Zeichen H verharrt ohnedies unten. Bei seinem ausholenden Rechtsbogen bilden grünbemooste Felsbrocken die Begleitkulisse, bevor sie jüngerer Nadelwald bis zum Parkplatz „Heide“ ablöst. Nach rechts, kündet er das NSG Breungeshainer Heide an, das aber nur zum geringeren Teil aus Offenland besteht. Zwei größere Flächen folgen dann im Abstand von wenigen Hundert Metern. Der zuerst sichtbare Teil erinnert eher an eine Graslandschaft, während der nächste, genannt Goldwiese, dank Wollgras- und Seggeninseln optisch einem Moor näher kommt.
Dschungelpfad durch eine urwaldartige Szenerie
Zwischen den beiden ist eine Stichstrecke zum Geiselstein angezeigt. Der Name lässt kaum vermuten, was sich nach 300 Metern zwischen den Bäumen erhebt – ein mächtiges Trumm von 50 Meter Länge, auf das ein gesicherter Kraxelpfad führt. Eine Besonderheit ist das magnetisch aufgeladene Gestein; abzulesen an der Ausrichtung von Kompassnadeln auf den Fels und nicht nach Norden.
Retour zum Zeichen H, schimmert bald das braungelbe Gras der Goldwiese durch den umgebenden Heckengürtel. Der Rundweg wendet sich allerdings links vom Biotop ab. Ersatzweise kann mit dem dort auftretenden blauen Kreuz ein Abstecher angefügt werden. Unversehens entpuppt er sich als Dschungelpfad durch eine urwaldartige Szenerie umgestürzter Bäume und dicht geflochtener Vegetation. Nach Belieben kann man dem Weg 500 Meter bis zu seinem Ende folgen (das Kreuz entschwindet rechts hinaus).

Wieder retour, läuft das H die nächste Station, den Landgrafenborn, an. Er gilt als eigentliche Niddaquelle, da ihn die hessischen Landgrafen im 17. Jahrhundert verlegten, um die Rhein-Weser-Grenzlinie – zum Lauterbacher Adelshaus derer von Riedesel – wegen reicherer Wildbestände zu ihren Gunsten zu verändern. Wenn man vor dem Born links abbiegt, ist das nahe, als Beginn der Nidda angezeigte Gewässer mithin nur bedingt ihr hydrographischer Ursprung.
Die Umleitung war nur einer von mehreren Eingriffen. Das Flüsschen wurde begradigt und schon im Mittelalter aufgestaut, wie nach Passieren der westlichen Seite des Moores und Queren der Straße zu sehen. Ursprünglich zum Flößen und dann lange der Fischzucht dienend, wandelten sich diese „Forellenteiche“ unterdessen gleichfalls zu geschützten Biotopen. Am größten führt das Zeichen vorbei.
Auf der anderen Seite, nach Rechtsabzweig, weist das H links direkt gen Hoherodskopf ein. Schöner ist es, von erhöhter Warte am Waldrand auch die weiteren Gewässer zu verfolgen. Buschwerk und Schilf machen sie zu farbenfreudigen Vegetationsinseln. Da erübrigt sich fast die Begleitung des hinzugetretenen Vulkanrings (grün-rot), zumal er nach knapp einem Kilometer mit dem gelben Strich, scharf links abbiegend, zurückbleibt.
Der Wald gibt bald den Hoherodskopf frei, über dem der charakteristische, 144 Meter hohe Fernmeldeturm emporwächst. Hinter der „Taufsteinhütte“, einem Café-Restaurant, das nach Interieur und Speisekarte das gastronomische Angebot am Gipfel ergänzt, entschwindet er aus dem Blickfeld. Dahinter werden Parkplatz und Straße gekreuzt, und am Baumrand geht es hinan, wobei sich nun großartige Aussichten quasi mit dem Niddaverlauf über Schotten und die Wetterau bis zu den Frankfurter Hochhaustürmen eröffnen.
Anfahrt
Aus Süden über die A 5, Abfahrt Friedberg, und weiter auf der B 455 bis Schotten. Im Norden ist die zehn Kilometer lange Zufahrt auf den Hoherodskopf angezeigt. Bei schönem Wetter empfiehlt sich, (kostenfrei) unterhalb des Gipfels zu parken. Per Bahn und Bus bestehen gute Verbindungen, allerdings über verschiedene Bahnhöfe: Friedberg, Wächtersbach, Gelnhausen oder Bad Vilbel/Stockheim.
Sehenswert
Der Vulkanismus formte über Jahrmillionen die Topographie des Vogelsbergs. Die Blockfelder am Taufstein und zahlreiche Basaltschlote des 2500 Quadratkilometer großen Gebietes zeugen von den vor sieben Millionen Jahren endenden Eruptionen. Eines der bedeutendsten Geotope ist der – magnetische – Geiselstein zwischen zwei Hochmooren der 64 Hektar großen Breungeshainer Heide. Hier nimmt auch die Nidda ihren Lauf. Ein acht Kilometer langer „Höhenrundweg“ verbindet die vielgestaltigen Landschaftsformen. Er startet am naturkundlich-touristischen Infozentrum auf dem aussichtsreichen Hoherodskopf. Auf dem Gipfel des Hoherodskopfs gibt es mehrere Freizeit- und gastronomische Einrichtungen wie Baumkronenpfad, „Naturminigolf“ und –Sommerrodelbahn.
