
Zu den meisten Menschen ist durchgedrungen, dass es für die Sicherheit im Straßenverkehr nicht förderlich ist, am Lenkrad SMS zu tippen, zu telefonieren oder genervt auf Google Maps herumzuwischen. Doch auch von Musikern wie Taylor Swift, Bad Bunny, Kanye West und Harry Styles scheint im Auto eine gewisse Gefahr auszugehen.
Eine aktuelle Studie in einem medizinischen Fachjournal zeigt: Am Tag, wenn neue Hit-Alben dieser Stars erscheinen, gibt es in den USA mehr schwere Verkehrsunfälle. 15,1 Prozent mehr Autofahrer verunglücken – weil sie derart von den Trompeten in „Music for a Sushi Restaurant“ von Harry Styles vereinnahmt sind? Die Forscher mutmaßen, dass die Autofahrer durch das Herumklicken auf Spotify auf der Suche nach den neuen Songs abgelenkt sind. An diesen Tagen wurde auf der Musikplattform 43 Prozent mehr gestreamt als gewöhnlich.
187 Millionen Streams an einem Tag
Die Mediziner haben daraufhin eine Top-10-Liste der Alben erstellt zwischen 2017 und 2022, die am häufigsten an einem Tag angehört wurden: Die größte Bedrohung im Verkehr stellt demnach Taylor Swift dar, deren Album „Midnights“ 187 Millionen Mal am ersten Tag gestreamt wurde und die insgesamt mit drei Werken in der Unfall-Hitliste vertreten ist, ebenso wie der Rapper Drake.
Was folgt nun daraus? Sollte über Warnhinweise nachgedacht werden? „Don’t Drake and Drive“? Im Gegenzug könnten sich dann andere Künstler rühmen: Garantiert verkehrstauglich! Sicherlich ist noch niemand gegen eine Leitplanke gerast, weil er verzweifelt „Self Portrait“ von Bob Dylan auf seinem Smartphone gesucht hat, vom „Rolling Stone“ auf Platz drei der „enttäuschendsten Alben aller Zeiten“ gewählt. Ebenso TÜV-tauglich ist zweifelsohne Barbra Streisand, deren Album „Release Me 2“ nur knapp sieben Millionen Mal bei Spotify angeklickt wurde – in den fünf Jahren seit der Veröffentlichung.
Womöglich sind Hörer dieser Generation ohnehin in gewissem Maße vor Unfällen gefeit durch exzessives Training: Wer den größten Teil der 1970er damit verbracht hat, bei 130 km/h nach Musikkassetten im Handschuhfach zu kramen und später durch CD-Mappen voll kryptisch bekrikelter Selbstgebrannter zu blättern, dem kann eine App schon vergleichsweise bedienungsfreundlich erscheinen. Die demographische Einordnung der Forscher zeigt: Die verunglückten Fahrer waren um die 44 Jahre alt und meist männlich. Nicht die typischen Swifties, mag man an dieser Stelle einwenden.
Tatsächlich belegt die Studie nicht, dass die Unglückseligen tatsächlich Fans kontemporärer Popmusik waren. Es wurden lediglich Unfallzahlen mit Streamingzahlen korreliert. Es könnten also auch andere Erklärungen dahinterstecken. Wir sind jedenfalls froh, dass Taylor Swift bis heute keine Fotos ihrer bereits sagenumwobenen Hochzeit im Juli veröffentlicht hat – Massenkarambolagen wären zu befürchten.
