Wer wirklich Lust auf Abenteuer hat, seine Freizeit in Feld, Wald und Wiese verbringt oder von Berufs wegen ins Abseits muss, fährt deshalb wahlweise einen betagten Gebrauchten, einen der letzten Suzuki Jimmys oder einen Pick-up. Und bekommt jetzt eine neue Alternative.
Aus China holt der mit rund 250 Händlern verbandelte Importeur Indimo seit ein paar Wochen den BAW 212. Mit kantiger Karosserie, kreisrunden Kulleraugen und außen angeschlagenem Ersatzrad sieht der 4,71 Meter lange Viertürer aus wie ein Best-of von Defender, Wrangler, Grenadier und G-Klasse, ist aber kein Kumpel aus dem Copyshop. Sondern er geht zurück auf den Beijing Jeep von 1965, mit dem schon Mao durch den Matsch gefahren wurde.

Seitdem rollt er millionenfach in Olivgrün und in Zivil durch die Volksrepublik. Und zwar genauso traditionell wie seine europäischen Spielkameraden mit Leiterrahmen, Starrachsen, zuschaltbarem Allradantrieb und Differenzialsperren. Die machen den 212er zu einem Auto für Macher, die über Möchtegern-Abenteurer in einem Mini Countryman nur verächtlich lachen.
Mehr Werkzeug für Schaffer als Spielzeug für Selbstdarsteller
Zwar haben die Chinesen das Auto vor zwei Jahren komplett erneuert, doch hat sich am Aufbau nichts geändert. Dafür allerdings an der Ausstattung, zu der jetzt neben dem üblichen digitalen Gedöns hinter dem Lenkrad und auf der Mittelkonsole ein halbes Dutzend USB-Buchsen, eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone und sogar klimatisierte Massagesitze gehören. In einer Welt immergleicher Space-Shuttle-SUV mit Tesla-Cockpits, nackt und nüchtern wie Klosterzellen, bleibt der 212 trotzdem eine charakterstarke Ausnahme, weil es zum großen Touchscreen noch reihenweise Taster und Schalter gibt und rustikale Haltegriffe, denen man zur Not auch mal sein Leben anvertrauen kann.

Unter der Haube allerdings wollen sie bei Beijing Automobile Works vom Hier und Heute wenig wissen. Während fast alles, was derzeit aus China kommt, rein elektrisch ist oder zumindest mehr oder minder stark elektrifiziert, knurrt hinter den markanten LED-Augen ein guter alter Diesel. Zwei Liter Hubraum hat er, 166 PS und, wichtiger noch, 410 Newtonmeter leistet er, die von einer überraschend modernen Achtgangautomatik erst mal an die Hinterachse geschickt werden.
Auf Knopfdruck verteilt das Getriebe die Kraft auch auf alle viere, und wenn’s wirklich dicke kommt, zieht eine Geländeuntersetzung den Charakterdarsteller durch tiefen Schlamm und über hohe Bodenwellen. Die Wattiefe jedenfalls liegt bei knapp 70 Zentimetern, die Bodenfreiheit beträgt rund 25 Zentimeter. Weil sie es ernst meinen mit der Abenteuerlust, gibt’s zudem auch sonst noch ein bisschen Offroadausstattung. Ein Suchscheinwerfer auf der Motorhaube rückt den Chinesen ins rechte Licht, und wenn dem Fahrer das Talent oder die Traktion ausgehen, zieht ihn eine serienmäßige Seilwinde wieder aus dem Schlamassel.
Natürlich gibt es Autos, die besser abgestimmt sind, die feiner federn und präziser lenken. Und wirklich handlich ist der BAW 212 mit dem Wendekreis eines Kleinlasters auch nicht. Doch für Tempo 160 reicht der Fahrkomfort allemal, und mehr ist mit dem Diesel nicht zu machen.
Aber mehr als jeden anderen Geländewagen zieht es den 212er tatsächlich ins Gelände, und anders als Defender, G-Klasse und Co. ist er sich dafür auch nicht zu fein. Nicht umsonst kostet er mit allem Drum und Dran gerade mal 41.850 Euro und ist damit eher ein Werkzeug für Schaffer als ein Spielzeug für Selbstdarsteller.
