
Sloweniens Staatspräsidentin Nataša Pirc Musar ist durch Berichte über Reisen und Kontakte nach Russland in Erklärungsnöte geraten. Die Berichte, die am Montag von der österreichischen Nachrichtenagentur APA und der slowenischen Zeitung „Dnevnik“ veröffentlicht wurden, beziehen sich auf die Zeit, bevor die Quereinsteigerin in die Politik ging.
Pirc Musar, die Jura studierte und als Nachrichtenmoderatorin für verschiedene Fernsehsender arbeitete, war 2022 als erste Frau in Sloweniens höchstes Staatsamt gewählt worden. Bekannt war sie in ihrer Heimat jedoch schon vorher. Unter anderem trat sie als Rechtsanwältin der amerikanischen Präsidentengattin Melania Trump beim Schutz von deren Markennamen auf und wurde ihren Landsleuten so zu einem Begriff. Innenpolitisch gilt sie als Gegnerin des konservativen Regierungschefs Janez Janša, der seit wenigen Monaten wieder das Land führt.
Pirc Musar reiste als Touristin nach Russland
Eine Reise der späteren Präsidentin fällt auf den Jahreswechsel von 2021 auf 2022, als die russischen Vorbereitungen für die Vollinvasion der Ukraine bereits derart weit fortgeschritten waren und die drohende Kriegsgefahr längst öffentlich diskutiert wurde. Damals galt Pirc Musars Einstieg in die Politik bereits als möglich, war aber noch nicht offiziell verkündet. Insofern waren ihr Flug nach Moskau und der Aufenthalt in Russland vom 26. Dezember 2021 bis zum 7. Januar 2022 eine Privatsache.
Fragen werfen laut den Recherchen von APA und „Dnevnik“ aber die Reisebegleitung sowie deren Kontakte in Russland auf. Demnach soll Pirc Musar mit der russisch-slowenischen Doppelstaatsbürgerin Victoria K. unterwegs gewesen sein. Die aus Krasnojarsk stammende K. hatte Pirc Musar zwischen 2015 und 2022 offenbar bei zumindest sechs weiteren Flügen nach Moskau oder St. Petersburg begleitet.
Die häufigen Russlandreisen als Privatperson bestreitet die Präsidentin auch nicht. „Bevor sie das Amt des Präsidenten der Republik antrat, hat sie Russland mehrfach besucht, immer als Touristin und in Begleitung von Familie und Freunden“, zitierte die APA einen Sprecher des Präsidialbüros in Ljubljana. Die Präsidentin bestätigte zudem ausdrücklich, dass K., mit der sie zusammen Bowling spielt, seit 20 Jahren ihre „beste Freundin“ sei.
Auch das ist alles Privatsache, doch sind die möglichen Verbindungen der besten Präsidentenfreundin in Russland zumindest bemerkenswert. Denn laut den erwähnten Recherchen soll an K.s früherer Meldeadresse in Krasnojarsk auch ein einstiger slowenischer Geheimdienstchef gemeldet sein. Roman Jeglič, Jahrgang 1951, war zu Beginn der Neunzigerjahre stellvertretender Leiter des slowenischen Geheimdienstes.
Die Rolle des früheren Geheimdienstmanns
Einen wenig rühmlichen Namen hatte sich Jeglič bereits 1988 in der Spätzeit des sozialistischen Jugoslawiens gemacht. Damals unterschrieb er eine Strafanzeige, die dazu führte, dass der heutige Ministerpräsident Janša ins Gefängnis kam. Janša war zu jener Zeit journalistisch tätig und erregte mit einem Text über Korruption in der Jugoslawischen Volksarmee Aufsehen. Kritik an der Armee war im sozialistischen Jugoslawien eigentlich ein Tabu. Wegen des angeblichen Verrats von Militärgeheimnissen wurden Janša und mehrere Mitangeklagte seinerzeit verurteilt.
Das Verfahren in Ljubljana spielte eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung der slowenischen Öffentlichkeit gegen die Jugoslawische Volksarmee, die in Slowenien in wachsendem Maße als Besatzungstruppe empfunden wurde. Aus der Ablehnung der Armee entwickelte sich in kurzer Zeit eine Ablehnung gegen Jugoslawien insgesamt, die zur slowenischen Unabhängigkeitsbewegung führte. Diese endete im Juni 1991 mit der Abspaltung Sloweniens von Jugoslawien und dem Zerfall des jugoslawischen Staates.
Dass Jeglič im neu gegründeten Staat Slowenien dennoch zum Vizedirektor des Nachrichtendienstes aufsteigen konnte, zählte zu den für Ausländer oft undurchschaubaren Besonderheiten der slowenischen Politik. Nachdem es Jeglič durch eine Intrige gelungen war, die Entlassung seines damaligen Vorgesetzten beim Nachrichtendienst einzufädeln, und nachdem sein Name noch später mit einem Investitionsbetrug in Verbindung gebracht wurde, verliert sich seine Spur, um erst in Russland wieder sichtbar zu werden.
„Die Präsidentin ist nicht in der Lage, das Privatleben von Frau K. zu kommentieren. Sie ist sich jedoch bewusst, Frau K. und Roman Jeglič zu einer Zeit getroffen haben, als Jeglič für slowenische Firmen in Russland tätig war“, teilte das Präsidialbüro in Ljubljana zu den Verbindungen mit. Aus alldem ergibt sich nicht, dass Pirc Musar etwas Illegales getan hat. Doch dürften die Berichte Slowenien noch länger beschäftigen.
