
Das „Saturday Night Fever“ und der letzte Tanz mit dem Lover, Erinnerungen an die Kindheit am Strand, der Tod von engen Freunden – lässt sich all dass im Vokabular der Abstraktion malen? Mary Heilmann konnte es. Linien waren in ihren Bildern immer auch Lebenslinien, Farben unbedingt Emotionen, Flächen stets biographische Resonanzräume, und niemals bedeutete irgendetwas in ihrer Malerei nur sich selbst. Das wäre ihr zu wenig gewesen.
Das Vokabular der Moderne übersetzte sie in einen lässigen Slang
Ihren Kompositionen schrieb die 1940 in San Francisco geborene Künstlerin durchweg eine doppelte Erinnerung ein: an die Avantgarden im Ausgang von Piet Mondrian und Otto Freundlich bis hin zu Ellsworth Kelly und Cy Twombly, deren Werke sie zitierte und in einen lässigen Slang übersetzte; Erinnerung zugleich aber auch an Wegmarken des eigenen Lebens als begeisterte Schwimmerin in Kalifornien und als ehrgeizige Künstlerin, als die sie 1968 nach New York gegangen war und hier später zu einer der vitalsten Stimmen der Postmoderne avancierte.
Auch bei dieser Künstlerin dauerte es, bis sich der gebührende Erfolg einstellte mit wegweisenden Ausstellungen 1997 in Zürich oder 2007 in Houston und New York. Jener Erfolg wiederum konnte einfach nicht ausbleiben: Von Beginn an waren Heilmanns Bilder üppig, kontrastreich und sinnlich, kaum jemand wusste auf der Leinwand so selbstverständlich das Geplante mit dem Zufall, das Konstruktive mit dem Expressiven zu koppeln. Daraus resultierte eine völlig eigene Form von autobiografischer Abstraktion – und ein Œuvre, das nachdrücklich auf die Generation folgender Malerinnen gewirkt hat.
Tatsächlich hat niemand das „Nebeneinander von Kitsch und Stil in Fashion, Werbung, Film, Literatur und Architektur“ so zwanglos vorgeführt, wie es seinerzeit die Zürcher Kuratorin Elisabeth Grossmann beschrieb. Es hatte etwas Beglückendes, mit Mary Heilmann in Austausch zu treten und sie in ihrem mit eigenen Möbeln ausgestatteten, farbenfrohen Atelier im Greenwich Village zu besuchen. Am Freitag ist sie in Riverhead im Bundesstaat New York im Alter von 86 Jahren gestorben.
