Die Sonne ist gerade aufgegangen, als auf der ostindonesischen Insel Flores die Erde wackelt. Panisch laufen die Menschen aus ihren Häusern. Einige Gebäude stürzen ein. Viele Häuser zeigen nach dem Erdbeben der Stärke 7,7 Risse und andere Schäden. „Ich habe noch nie ein so starkes Erdbeben gespürt“, berichtet Yulian Juita Ekalia aus Ruteng der Agentur AFP. Der 37 Jahre alten Universitätsdozentin zufolge fühlte es sich an, als habe sie auf einem schwingenden Trampolin gestanden. „Als ich nach draußen eilte, fiel alles im Haus um: der Fernseher, die Pokale meines Sohnes, die Geschirrkörbe, die Koffer auf den Kleiderschränken.“
Nach Angaben der Behörden sterben infolge des Erbebens am Samstag mindestens 51 Menschen, Dutzende werden verletzt. Die Zahlen könnten weiter steigen, da die Rettungskräfte in den Trümmern weiter nach eingeschlossenen Menschen suchen. Auf Flores werden zahlreiche starke Nachbeben registriert. Im Touristenort Labuan Bajo, wo die meisten Touren auf die Insel Komodo beginnen, die für ihre einzigartigen Riesenechsen berühmt ist, werden Hotels beschädigt. Die Touren sollen fortgeführt werden. Die indonesische Presse berichtet von verunsicherten Urlaubern.

Die schwersten Zerstörungen sind weiter im Norden der Insel zu verzeichnen. Die Region Nagekeo, die dem Epizentrum am nächsten liegt, ist zunächst von der Außenwelt abgeschnitten. Viele Anwohner übernachten im Freien. Sie fürchten unter anderem, dass ein Nachbeben einen Tsunami auslösen könnte. Die entsprechende Warnung wird aber nach drei Stunden aufgehoben. An den Küsten werden Wellen unter einem Meter Höhe registriert. Anwohner sollen sich in den umliegenden Hügeln in Sicherheit gebracht haben.
Erdrutsche versperren den Weg in das Katastrophengebiet
Die Straßen in das Katastrophengebiet sind teilweise durch Erdrutsche versperrt. Die Behörden kündigen den Einsatz von zwei Hubschraubern und einem Flugzeug an. Zudem sollen Soldaten bei den Rettungsarbeiten helfen. Im Internet werden Spendenaufrufe gestartet. Helfer melden Bedarf an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten. Die Erschütterungen sind auch deshalb so stark, weil das Beben mit einer Tiefe von 15 Kilometern relativ flach ist. Sie sind nicht nur in der Provinz Ost-Nusa-Tenggara, in der Flores liegt, sondern auch in mehreren Nachbarprovinzen zu spüren.
Rund zwölf Stunden später bebt in Indonesien noch einmal die Erde. Diesmal ist die westindonesische Insel Sumatra betroffen, Tausende Kilometer von Flores entfernt. Dort gibt es zunächst keine Berichte über Schäden oder Opfer. Durch seine Lage auf dem Pazifischen Feuerring ist Indonesien besonders von Erdbeben bedroht. Vor der Nordküste Flores’ verläuft eine aktive Verwerfung. Im Jahr 1992 hatte dort ein Beben der Stärke 7,7 einen Tsunami ausgelöst und rund 2500 Todesopfer gefordert.
