
Die erlösende Nachricht kam am Samstagabend. Gegen 20.30 Uhr entschied der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU), dass die Bewohner von Hürtgenwald-Gey in ihre Häuser zurückkehren können. Die rund 1800 Bewohner hatten ihren Ort in der Nacht auf Freitag wegen des Waldbrandes in der Nordeifel verlassen müssen – dem nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Landesregierung bisher größten Waldbrand in der Geschichte des Bundeslands.
Die Flammen waren bis auf 250 Meter an Grundstücke herangerückt. Unter Hochdruck arbeiteten Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischen Hilfswerk, Bundeswehr und anderer Organisationen daran, ein Übergreifen des Feuers auf bewohntes Gebiet zu verhindern. Das sei gelungen, sagte Nolten.
Insgesamt habe sich die Lage im Hürtgenwald deutlich entspannt, auch wenn der Waldbrand nicht komplett gelöscht sei. An zwei Stellen gebe es noch sichtbare Flammenbildung. Die Löscharbeiten müssten auch in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.
Im Hohen Venn brennen Torfschichten
Derweil spitzte sich die Lage rund 30 Kilometer entfernt im deutsch-belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn auf belgischer Seite zu. Auf dem von Moor geprägten Hochplateau ist mittlerweile eine Fläche von rund 3000 Hektar von dem Feuer betroffen. Das ist zehnmal mehr als im Hürtgenwald.
Wie zuvor dort facht auch im Hohen Venn starker wechselnder Wind die Flammen an, die sich dann in der ausgetrockneten Vegetation rasch voran fressen können. Der WDR zitierte Yves Pieper, den Forstamtsleiter von Verviers, mit den Worten: „Wenn wir uns auf einen Ort konzentrieren, können wir ein bis zwei Stunden arbeiten – dann dreht der Wind und wir müssen eine ganz andere Front anfangen.“
Verschärft wird die Situation dadurch, dass mittlerweile auch Torfschichten in dem Hochmoor brennen – was vermutlich noch wochenlange Löscharbeiten notwendig macht. Denn auch wenn Flammen an der Oberfläche gelöscht scheinen, glimmt der Brand in unterirdischen Glutnestern oft weiter. Einen ähnlichen Brand gab es zuletzt vor 15 Jahren.
Feuerfront nur drei Kilometer von deutscher Grenze entfernt
Weil sich der Brand von Belgien in Richtung Deutschland ausbreitet, ist die Lage auch für die Menschen in der nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angespannt. Die Eifelstadt mit rund 12.000 Einwohnern, die wegen ihrer von imposanten Fachwerkhäusern geprägten Altstadt ein Touristenmagnet ist und auch oft als Filmkulisse dient, liegt direkt am Hohen Venn.
In der Nacht zu Sonntag teilte die Monschauer Verwaltung mit, die Feuerfront im Hohen Venn befinde sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Auf der Webseite der Stadt wurden die Bewohner auf deutscher Seite dazu aufgerufen, sich auf das Verlassen ihrer Häuser vorzubereiten. Auf belgischer Seite sei bereits die Evakuierung von Ortschaften angeordnet worden.
„Die Feuerwehr Monschau ist im Vollalarm und erkundet fortlaufend den eventuell betroffenen Bereich, insbesondere in und um Kalterherberg“, teilte die Verwaltung mit. Die Kräfte hielten sich parat, um im Falle eines Überspringens der Flammen auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten beginnen zu können. Man rechne jedoch nicht mit einem baldigen Einsatzfall.
Von der Feuerwehr hieß es, unterstützt durch Kräfte des THW seien Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert worden, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Die Feuerwehr der Gemeinde Roetgen habe das Hohe Venn auf deutscher Seite erkundet.
Dank günstiger Winde breiten sich die Flammen zunächst nicht weiter aus
Um kurz vor fünf Uhr am Sonntagmorgen warnte die Stadt Monschau dann vor möglichen „erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen“ durch den Brand in Belgien und empfahl Bürgern von drei Ortsteilen, ihre Häuser und Wohnungen vorübergehend zu verlassen, da gesundheitliche Gefahren nicht ausgeschlossen werden könnten. Die Einwohner der Ortsteile Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg westlich des Messewegs sollten versuchen, bei Verwandten und Freunden unterzukommen. Die Empfehlung gelte zunächst bis 18 Uhr.
Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich, hieß es in der Nacht. Eine Sprecherin der Stadt sagte der Nachrichtenagentur dpa, betroffen seien rund 5000 Menschen. Sie betonte, es handle sich um Vorsichtsmaßnahmen. Zum aktuellen Zeitpunkt rechne man nicht damit, dass eine Evakuierung angeordnet werden müsse. Am Morgen hieß es, dank günstiger Windverhältnisse breiteten sich die Flammen nicht weiter Richtung deutscher Grenze aus.
