
Thomas Krüger: „The snows of Kilimanjaro“
Dem Leoparden, der – in seiner Grundsubstanz
zum Gipfel ausgerichtet, tiefgefroren – still
und starr gen Himmel blickte, schmolzen Fleisch und Fell.
Es blieb vom Ganzen nur ein kritisch weißer Glanz.
Und was heißt Glanz? Skelett! Vom Schädel bis zum Schwanz
blieb bleich ein Strich am Hang, kaum mehr. Vielleicht ein Pfeil,
gelandet in Nicht-Ankunft. Knochenteil für -teil
Zerbrochenes – nicht mal ein Hauch von Panthertanz.
Da geht kein Gang. Rien. Perdu. Kein Beinchen hobs:
Das hohe Tierchen gleicht fast einem Line-chen Koks,
und Restlicht schleicht zur Nacht aus kleinen Dramen.
Das Weltall schnupft ein letztes Weiß – was suggeriert:
Am Berg der Läuterung ist schnuppe, was passiert.
Was aufging, wird geklärt in Schwärze. Amen.
In: „Lesebuch Thomas Krüger“. Zusammengestellt von Walter Gödden. Nylands Kleine Westfälische Bibliothek im Aisthesis Verlag, Bielefeld 2026. 163 S., br., 10 ,- €.
Von Joachim Sartorius ist zuletzt erschienen: „Die besseren Nächte“. Gedichte. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2026. 80 S., geb., 22,- €.
Redaktion Hubert Spiegel
Gedichtlesung Thomas Huber
