Die Königin der Lüfte ist der Jumbo. Die Boeing 747 verbraucht im Reiseflug zehn bis elf Tonnen Kerosin je Stunde. Das sind zwischen Frankfurt und Los Angeles je nach Wind und Gewicht 120 bis 140 Tonnen. Auf einem Flug. Nun kommt Lufthansa Technik daher und erzählt uns was vom heldenhaften Hai, mit dessen Hilfe Treibstoff eingespart werden soll. Und zwar mehr als bisher gedacht. An 22 Flugzeugen der Konzernflotte, also Boeing 777 der Swiss und Austrian Airlines, 777-Frachter der LH Cargo und eine 747-400 der Lufthansa, klebt schon Haifischhaut zur Probe. Künstlich hergestellte, selbstredend. Damit würden 19 Tonnen Kerosin eingespart, äquivalent 60 Tonnen CO₂. An einem Tag.
Der Fortschritt in der Luftfahrt ist einer in kleinen, beharrlichen Schritten. Ins Auge fallen die gebogenen Enden der Tragflächen, die Verwirbelungen minimieren und so die Effizienz steigern. Eher unsichtbar ist die Haifischhaut, die als transparente Sticker aufgeklebt wird. Und dort auch halten muss, weswegen sie an besonders umströmten Stellen bislang keine Chance hat. Das wollen wir doch mal sehen, sagen die technischen Lufthanseaten und nehmen jetzt einen Airbus A319 der Tochtergesellschaft City her.
70 Sticker auf der Starnberg
Die D-ABGK mit dem Taufnamen Starnberg wird mit 70 Stickern unterschiedlicher Façon zu je 20 mal 20 Zentimetern beklebt, auf den Rumpfseiten sowie innen und außen an der Triebwerksverkleidung. Die nächste Generation soll dann derart anhänglich sein, dass sie auch auf den Tragflächen und am Höhen- und Seitenleitwerk angebracht werden kann. Dortselbst weht noch mal ein ganz anderer Wind, korrekter: In diesen Bereichen wirken höhere aerodynamische Kräfte.

Die Idee ist immer gleich. Die Haut von Haien weist feine, in Strömungsrichtung ausgerichtete Rillen auf. Diese Riblets reduzieren den Reibungswiderstand und verbessern die Strömungseigenschaften im Wasser. Dass die Kerle was können, was wir nicht können, haben wir während eines Schnuppertauchgangs erlebt. Da stand ein Hai in entgegengesetzter Richtung scheinbar regungslos in der Strömung, während unsereins in vielleicht fünfzehn Meter Abstand so schwungvoll wie machtlos vorbeitrieb. Ins Beuteschema passten wir offensichtlich nicht, sonst wäre es ja schwierig mit diesen Zeilen.
Hai und Albatros
Das Marketing der Lufthansa gibt dem Effekt den Namen Aeroshark. Der zusammen mit der ehemaligen BASF Coatings, die nun recht eingängig Surventis heißt, entwickelte Oberflächenfilm hat Riblets von nur 50 Mikrometer Höhe, die entlang des Luftstroms ausgerichtet sind. Der reduzierte Luftwiderstand spart nach Angaben der Protagonisten rund
ein Prozent Treibstoff und CO₂ je Flug. Gesucht wird jene Materialzusammensetzung, die besonders robust ist, sich einfach auftragen, reinigen und später rückstandsfrei wieder entfernen lässt. Der eierlegende Wollmilchhai eben.
Allein ist das schwimmende Vorbild derweil nicht. Tiere spielen eine gehörige Rolle in der Luftfahrt. Neben dem Hai macht der Albatros Karriere, der mit seinem besonderen Schultergelenk Airbus beflügelt. Erprobt wird eine lange, dünne Tragfläche mit Gelenk für die äußersten Meter, womit arretiert im Reiseflug Kraftstoff eingespart werden soll und hochgeklappt Platz beim Parken am Terminal.
Zunächst bis Februar 2027 läuft Lufthansas hailige Testreihe an der grundsätzlich zwischen Hamburg und München pendelnden Starnberg. Passagiere erkennen den Probanden an einem Aufkleber neben der Tür, der im Gegensatz zu seinen übrigen klebenden Kumpels gut sichtbar ist, gelb nämlich.
