Die Urhütte ist nicht mehr da. Das Modell der vermutlich ersten menschlichen Behausung, die vor rund 400.000 Jahren entstanden sein könnte, wurde nicht in die neue Dauerausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt übernommen. „Sie war nicht mehr zeitgemäß“, sagt Direktor Peter Cachola Schmal. Die in den Achtzigerjahren entstandene Darstellung beruhe auf Hypothesen, die wissenschaftlich nicht haltbar seien.
Die am Freitag eröffnete neue Dauerausstellung, die den Titel „Geschichten über das Bauen“ trägt, beginnt deshalb mehrere Tausend Jahre später mit Hügelhäusern, die um 6200 vor Christus entstanden sind. Elf der 23 Dioramen aus der alten Ausstellung, die in den Neunzigerjahren lange hinter Sperrholzplatten verborgen war, werden im zweiten Stock des Museums in neuer Form präsentiert.
Sie sind Zeugnisse der analogen Modellbauästhetik und erinnern wegen ihrer detailverliebten Gestaltung zum Teil an die Wimmelbilder in Kinderbüchern. Drei Motive stammen aus Hessen: die mittelalterliche Stadt Büdingen, das Residenzschloss Arolsen und die in der Ära des Neuen Frankfurts entstandene Siedlung Bruchfeldstraße, besser bekannt als Zickzackhausen.

Die Dioramen, die größtenteils von den Modellbauern Ivor und Sigrid Swain direkt im Museum erstellt wurden, sind so groß, dass sie auseinandergesägt werden mussten, um sie während der Sanierung auslagern zu können. Nur bei dem größten Schaukasten, der das New York der Achtzigerjahre mit Chrysler Building und Panam-Hochhaus zeigt, funktionierte das nicht; er musste gut verpackt auf der Baustelle bleiben.
Frankfurter Küche und Fachwerk vom Römerberg
In der früheren Dauerausstellung „Von der Urhütte bis zum Wolkenkratzer“ bildete das New-York-Diorama den Abschluss. Doch das DAM will auch Geschichten des Bauens der jüngeren Zeit zeigen. Zu sehen sind deshalb Modelle, Fotos und Zeichnungen aus 42 Ausstellungen des Architekturmuseums. Darunter befinden sich einige Exponate mit Frankfurt-Bezug, etwa ein Modell der Frankfurter Küche oder Faller-Bausätze der Fachwerkzeile auf dem Römerberg. Auch das lange verschollene Modell des von Oswald Mathias Ungers entworfenen Architekturmuseums selbst ist wieder ausgestellt.
Eine Besonderheit ist die Wechselausstellung im Zentrum der Etage. Dort ist für etwa ein Jahr lang eines der Dioramen zu sehen, die nicht Bestandteil der Dauerausstellung sind. Es zeigt Slums in London um 1870 und steht frei im Raum, sodass Besucher die besondere Konstruktionsweise mit dem Trick perspektivischer Verkürzung erkennen können.
Mit der Wiedereröffnung der Dauerausstellung ist die fünf Jahre dauernde Sanierung des Museums endgültig abgeschlossen. Das Gerüst über dem Glasdach des Foyers habe nichts mit Bauschäden zu tun, versichert Schmal. Es sei nötig, um das aus rot-weiß gestreiften Windsäcken bestehende Kunstwerk „Schwarm“ zeigen zu können. Es ist Bestandteil der Ausstellung „Too hot – heiße Städte, neue Wege“.
