
Verkohlte Kiefern, schwarze Asche: Viel mehr ist von knapp 30 Hektar Wald im hessischen Rodenbach nicht übrig geblieben, nachdem dort Brandstifter am Montag an drei Stellen Feuer gelegt hatten. Am Donnerstag hat sich Forstminister Ingmar Jung (CDU) angesehen, was der größte Waldbrand seit drei Jahrzehnten in Hessen angerichtet hat, und zusammengefasst, wie das Land gegen die Gefahren durch Feuer im Forst vorgeht. Dabei stellte er klar, dass es keinen absoluten Schutz vor den Flammen geben kann.
Aus Sicht Jungs sind noch weit schlimmere Schäden durch das gute Zusammenspiel der Einsatzkräfte verhindert worden. Ein gutes Beispiel dafür ist der für Rodenbach zuständige Revierförster Nils Koch: Er war nicht nur für Hessenforst im Einsatz, sondern als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Rodenbach auch als einer der Ersten am Brandort. Schnell und entschlossen hätten die Wehrleute verhindert, dass sich das Feuer ausbreite.
Neue Bäume und mehr Wasser im Wald
Jung erläuterte während seines Besuchs des etwa 25 Kilometer östlich von Frankfurt gelegenen Gebiets, was in Hessen für den „vorbeugenden Brandschutz“ getan wird. Dazu gehöre vor allem der Umbau der Wälder: Ein artenreicher Mischwald berge eine geringere Brandgefahr als von Nadelbäumen geprägter Forst. Die neu gesetzten Bäume müssten möglichst resistent gegen Trockenheit sein. Als Beispiel nennt Jung die Roteiche, eine ursprünglich in Nordamerika heimische Art. Um den Förstern generell einen größeren Spielraum zu gewähren, habe man die streng regulierte Bewirtschaftung des Staatswalds nach der sogenannten FSC-Zertifizierung 2024 ausgesetzt, berichtet Jung.
Als zweites Standbein der Brandprävention nennt das Forstministerium, den Wasserrückhalt des Walds zu stärken. Dabei können zum Beispiel neu angelegte Mulden und Teiche helfen. Aber auch das stößt in extremen Hitzeperioden an Grenzen, wie sich in Rodenbach gezeigt hat: Nach Angaben von Koch sind dort in den vergangenen zwei Jahre 40 solcher Mulden angelegt worden – aber auch sie können trockenfallen, „wenn die Ressource Wasser einfach fehlt“. Man werde in extremen Sommern nicht alles verhindern können, sagt auch Jung.
Übungen und Schulungen für den Notfall
Um für den Fall der Fälle möglichst gut gewappnet zu sein, setzt das Land auf die enge Kooperation von Forst und Feuerwehr. Dazu zählen gemeinsame Übungen mit den örtlichen Feuerwehren und regelmäßige Schulungen. So besuchen Führungskräfte aller Forstämter Fortbildungen in der Landesfeuerwehrschule. In Rodenbach hat sich die gute Abstimmung bewährt, als der Einsatz von – Ablösungen eingerechnet – mehr als 1000 Frauen und Männern im Wald koordiniert werden musste. Zur Vorbereitung auf den Ernstfall gehören aber auch digitale Karten, in die zum Beispiel Daten zum Zustand der Zufahrtswege und geeignete Standorte für den Aufbau von Wasserbehältern eingepflegt werden.
Bisher hat es in diesem Jahr nach Angaben des Forstministeriums etwa 140-mal im Wald gebrannt. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass fahrlässige und vorsätzliche Brandstiftung dabei eine der häufigsten Ursachen sind. Laut einer Erhebung für ganz Deutschland entstanden im vorigen Jahr 46 Prozent der Waldbrände aus ungeklärten Ursachen, auf Platz zwei folgten Fälle von Fahrlässigkeit mit 27 Prozent. Knapp jeder fünfte Waldbrand sei vermutlich vorsätzlich gelegt worden, heißt es in einer Mitteilung des Bundeslandwirtschaftsministeriums.
