
Es klingt plausibel, wenn Karoline Leavitt ihren Rückzug mit ihren familiären Umständen begründet. Sprecherin des Weißen Hauses zu sein ist ein 24/7-Job, unter Trump noch dazu ein höchst volatiler. Selbst Leute, die nicht Mutter von zwei kleinen Kindern waren, haben da oft nicht die ganze Legislaturperiode durchgehalten.
Für den Präsidenten ist es allerdings ein Abgang zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Im November stehen die Zwischenwahlen an, und seine Umfragewerte sind im Keller. Trumps erster Pressesprecher war schon immer er selbst, aber keiner kann seinen Stil und seine Botschaft so unverfälscht und so wirkungsvoll verstärken wie Leavitt. In der Endphase seiner Präsidentschaft, die bereits begonnen hat, wird es nicht leichter, Trumps (Schlangen-)Linien zu folgen, für seine Verbündeten wie seine Gegner.
Aggressiv und respektlos
Zu Leavitts Erbe gehören die Aggressivität und die Respektlosigkeit im Umgang mit den etablierten Medien. Ähnlich wie in Deutschland ist die Arbeit von Amerikas Journalisten nicht ganz so fehlerfrei und nicht ganz so unparteiisch, wie viele von ihnen glauben. Die Grundidee, dass die „vierte Gewalt“ die Exekutive kritisch begleiten sollte, bleibt aber richtig.
Leavitt war eine Vorreiterin der rechtspopulistischen Vorstellung, dass die Medien entweder auf Linie zu liegen haben oder wie Gegner zu behandeln sind. Das ist ein Irrtum, der am Ende auf Kosten der Demokratie geht. Leider verbreitet er sich auch in Deutschland.
