Fast 30 Jahre nach den tödlichen Schüssen auf den amerikanischen Rapper Tupac Shakur hat in Las Vegas (Nevada) der Strafprozess gegen den mutmaßlichen Auftraggeber des Mordes, Duane „Keffe D“ Davis, begonnen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung befragten am Montag einige Dutzend mögliche Geschworene zu einer eventuellen Bandenvergangenheit und Musikgeschmack, um vorgefasste Meinungen auszuschließen.
Shakur, der bis heute zu den bekanntesten Musikern der Hip-Hop-Branche gehört, hatte am 7. September 1996 nach einem Boxsieg seines Freundes Mike Tyson eine Jubelfahrt auf dem Strip in Las Vegas unternommen, als an einer Ampel aus einem weißen Cadillac das Feuer auf den seinen Wagen eröffnet wurde. Der damals 25 Jahre alte Musiker starb einige Tage später im Krankenhaus. Der Fahrer seiner schwarzen Limousine, der Musikproduzent Marion „Suge“ Knight, erlitt leichte Schussverletzungen.
„Es ging darum, die Regeln der Straße einzuhalten“
Polizei und Staatsanwaltschaft gelang es damals nicht, das Verbrechen aufzuklären. Das Las Vegas Metropolitan Police Department ging aber von einer Auseinandersetzung rivalisierender Gangs aus, der kalifornischen South Side Compton Crips und Mob Piru Bloods. Shakurs Fahrer Knight, der Mitgründer des Musiklabels Death Row Records, gilt als Vertrauter der ebenfalls aus Compton bei Los Angeles stammenden Mob Piru Bloods.

Der Angeklagte Davis war vor drei Jahren nach der Veröffentlichung seiner Erinnerungen „Compton Street Legend“ verhaftet worden. Der frühere Führer der South Side Compton Crips gab in dem Buch zu, an der Ermordung Shakurs beteiligt gewesen zu sein. In Gesprächen mit der Polizei sagte der Dreiundsechzigjährige auch aus, den Sänger („All Eyez On Me“) und Knight in der Nacht des 7. September 1996 nach deren Auseinandersetzung mit seinem Neffen Orlando Anderson in einer Hotellobby verfolgt zu haben.
Der inzwischen verstorbene Anderson soll später die Schüsse auf Shakur abgegeben haben, während Davis am Steuer saß. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten auch vor, den Anschlag orchestriert und die Pistole bereitgestellt zu haben. „Es ging darum, die Regeln der Straße einzuhalten“, fasste Davis den mutmaßlichen Racheakt später in einem Interview zusammen.
Bei dem für die kommenden vier Wochen geplanten Mordprozess wird auch Knight im Gerichtssaal erwartet. Der Musikproduzent, der nach dem Überfahren eines Geschäftsmannes in Kalifornien eine Haftstrafe wegen vorsätzlicher Tötung verbüßt, zählt zu den wenigen noch lebenden Zeugen des Anschlags auf Shakur. Bei einem Schuldspruch droht seinem ehemaligen Widersacher Davis eine lebenslange Gefängnisstrafe.
