Lange Zeit habe ich mich gefragt, warum mir die Leute auf dem Trottoir nie ausweichen. Die Leute? Die Berliner? Die Deutschen? Warum, fragte ich mich, muss immer ich zur Seite treten, damit der andere ohne einen gefährlichen Zusammenstoß mit mir weiterkommt, egal wie eilig er es hat, wie müde er seine Beine senkt und hebt? Wieso habe ich als guter Ausländer und Fußgänger auf der Straße immer die ganze Situation im Blick, hellwach und respektvoll, während mein Gegenüber in Gedanken meist ganz woanders ist, irgendwo in den verborgenen Ecken seines narzisstischen Eingeborenen-Gehirns? Zuweilen durchbohrt mich der andere aber auch kampflustig mit seinem knallharten Preußenblick und marschiert unbeirrt weiter. Oder er hält wegen einer Pushnachricht von Elon Musk, Bild oder Mytheresa gerade den Kopf viel zu tief gesenkt, der arme moderne Teufel, und merkt gar nicht, dass ich auch noch da bin. Ende der Proust-Parodie.