Bei dem Versuch, auf die spanische Exklave Ceuta zu
langen, sollen Menschenrechtsorganisationen zufolge deutlich mehr Menschen
gestorben sein, als bisher offiziell bestätigt. Die marokkanische Menschenrechtsorganisation
AMDH und eine Vereinigung in Europa ansässiger marokkanischer Organisationen
sprachen von mindestens 141 Toten.
AMDH-Vertreter Achraf Mimoun sagte bei einer
Pressekonferenz in der marokkanischen Hauptstadt Rabat, die Zahl der Toten
werde vermutlich noch steigen. »Man kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht von
endgültigen Zahlen sprechen.« Die Organisationen berufen sich bei ihren
Zahlen auf offizielle Angaben, Medienberichte und eigene Recherchen.
1.000 bis 2.000 Menschen noch in Ceuta
Zahlen der spanischen Regierung zufolge hatten in der vergangenen Woche rund 72.000 Menschen die neben Marokko gelegene spanische Exklave Ceuta auf dem Landweg oder schwimmend erreicht. Nach spanischen Angaben kamen 80 Menschen ums Leben. Die marokkanischen Behörden sprachen von elf Toten auf ihrem Gebiet. Der Regierungschef der Exklave, Juan Jesús Vivas, sprach zuletzt von etwa 100 Toten.
Die Angaben unterscheiden sich auch bei den Zahlen zu den sich noch in Ceuta befindenen
Menschen. Es sollen zwischen 1.000 und 2.000
Menschen sein, die meisten davon Kinder und Jugendliche. Sie haben in Ceuta kaum
Zugang zu Wasser, Lebensmitteln oder sicheren Schlafplätzen.
Marokko bestraft Taxifahrer für Fahrten an die Grenze
In Marokko sind indes sieben Taxifahrer zu Freiheitsstrafen bis zu sechs Monaten verurteilt worden, weil sie Menschen an die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta gefahren hatten. Außerdem müsse jeder von ihnen umgerechnet etwa 930 Euro Geldstrafe zahlen, heißt es in Auszügen des Urteils, das auf der Website des Justizministeriums veröffentlicht wurde. Ein Fahrzeug wurde beschlagnahmt. Das Ministerium und die Staatsanwaltschaft reagierten zunächst nicht auf Bitten um Stellungnahme.
Das Urteil gegen die Taxifahrer erging den Angaben
zufolge bereits am Montag. Die Richter in Tetouan hätten sie für schuldig
befunden, »die illegale Ausreise von Marokkanern und Ausländern über nicht
zugelassene Grenzübergänge erleichtert« und »Fahrgäste ohne Lizenz befördert«
zu haben.
Die Taxifahrergewerkschaft kritisierte die Urteile als
»schockierend und hart«, zumal es offiziell keine Beschränkungen für den
Personentransport gegeben habe. »Die Taxifahrer können nicht für das Geschehene
verantwortlich gemacht werden«, sagte der örtliche Gewerkschaftssekretär Ali
Younes der Nachrichtenagentur AP. »Sie wurden lediglich dafür bestraft, dass
sie eine öffentliche Dienstleistung erbracht haben.«
Die marokkanische Menschenrechtsvereinigung teilte am
Freitag mit, nach den Ereignissen in Ceuta säßen 111 Personen in
Untersuchungshaft. Ihnen würden unter anderem Massenrebellion, tätlicher
Angriff auf Amtsträger und Verkehrsbehinderung vorgeworfen.
