Stefan Thumann, der Chef des deutschen Rüstungsunternehmens Donaustahl, soll ins Visier des russischen Geheimdienstes geraten sein. Ein womöglich geplantes Attentat sei von deutschen Sicherheitsbehörden verhindert worden, berichtet die Wochenzeitung „Zeit“. Auch im Kanzleramt soll der Fall regelmäßig besprochen worden sein. Das Start-up produziert Kamikazedrohnen für die Ukraine.
Es dürfte nicht das erste Mal gewesen sein, dass Sicherheitsbehörden ein Attentat auf den Chef eines deutschen Rüstungsunternehmens vereitelten. US-amerikanische Geheimdienste hatten 2024 aufgedeckt, dass Russland die Ermordung von Armin Papperger, dem Vorstandsvorsitzenden des deutschen Rüstungsunternehmens Rheinmetall, geplant hatten. Deutsche Geheimdienste schützten Papperger. Rheinmetall hatte der F.A.Z. damals mitgeteilt, sich regelmäßig mit deutschen Sicherheitsbehörden abzustimmen.

Von russischem Agenten offenbar ausspioniert
Unklar sei laut der „Zeit“ indes, ob die Ermordung des Donaustahl-Chefs bereits geplant war oder Vorbereitungen liefen. Thumanns Haus wurde offenbar von einem russischen Agenten ausspioniert. Der Hinweis kam wie bei Papperger über einen ausländischen Nachrichtendienst. Thumann und sein Unternehmen, das die Ukraine mit Kampfdrohnen beliefert, hielten sich am Freitag bedeckt. Auf eine Anfrage der F.A.Z. zur Unternehmensentwicklung sagte eine Sprecherin. „Wir geben keine Auskunft.“
In den vergangenen Jahren hatte Thumann sich aber regelmäßig in der Öffentlichkeit geäußert, zumal sein Unternehmen, das in Hutthurm im niederbayerischen Landkreis Passau sitzt, im vergangenen Jahr eine Anleihe begeben hat. Damit soll die nach eigenen Angaben massive Ausweitung der Produktionskapazitäten in Deutschland und der Ukraine finanziert werden. Die Anleihe hatte ein Volumen von acht Millionen Euro. Die Verzinsung von anfangs 5,9 Prozent wurde wegen der Verdreifachung des Umsatzes auf 8,4 Prozent angehoben. Doch wie hoch der Umsatz ist, darüber ist vom Unternehmen und auf der Website nichts zu erfahren.
In einem Firmenprofil der amerikanischen Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet wird für das vergangene Jahr ein Umsatz von 100 Millionen Euro genannt. Ende 2024 soll die Bilanzsumme dem Unternehmensregister zufolge 163 Millionen Euro betragen haben, nach 74 Millionen Euro Ende 2023. Das spricht für ein kräftiges Wachstum. Hatte sich das Start-up anfangs noch auf Sportschützenausrüstung konzentriert, vollzog Thumann, der auf der Kurznachrichtenplattform X aktiv ist, eine strategische Neuausrichtung auf den Verteidigungssektor.
„Zu langsam, zu komplex und zu abhängig“
Diese Transformation habe auf der Vision, kosteneffiziente und technologisch fortschrittliche Drohnensysteme, -komponenten und -bewaffnungen für europäische Streitkräfte zu entwickeln und zu produzieren, basiert, heißt es in dem Wertpapierprospekt zur Anleihe. Der 39 Jahre alte Thumann wählt in seiner Darstellung im Internet deutliche Worte: „Die etablierte Rüstungsindustrie ist zu langsam, zu komplex und zu abhängig. Sie verwaltet den Status quo, anstatt ihn herauszufordern.“
Er beschreibt sich selbst als patriotischen Disruptor und sieht sich nicht als typischen Vorstandschef eines Rüstungsunternehmens: „Ich verachte Unternehmensberater, Schaumschläger und Buzzword-Jongleure. Mein unkonventioneller Werdegang prägt die Kultur von Donaustahl.“ Sein Hintergrund ermögliche ihm, Probleme aus einzigartigen Perspektiven zu betrachten und Lösungen zu finden, die in traditionellen Strukturen undenkbar wären.
Sein Werdegang ist in der Tat ungewöhnlich: Nach Informationen der „Zeit“ hat Thumann vor der Gründung von Donaustahl schon theologische Fachliteratur, Sportwaffenzubehör und ausgemusterte Bundeswehrkleidung verkauft. Er soll Solarparks geplant und zwischendurch von Hartz IV gelebt haben. Dass er innovationsfreudig ist, zeigt die offenbar erfolgreiche Emission der Anleihe: Sie wurde über die Plattform Tacct begeben. Diese Plattform hat das von Luftwaffenexperten gegründete Start-up Ecrop entwickelt und dient als Beispiel für die privatwirtschaftliche Organisation der Rüstungsfinanzierung. Donaustahl emittierte die Anleihe als Kryptowertpapier nach dem Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG).
Gegenüber dem „Bitcoinblog“ sagte Thumann im vergangenen Jahr, dass er gute Angebote von amerikanischen Risikokapitalgebern erhalten hat, die den europäischen Rüstungsmarkt für sich entdeckt haben. „Das Geld wäre verfügbar, aber ich bin Patriot. Ich will kein Geld von Anlegern bekommen, die aus dem Umfeld von JD Vance oder Peter Thiel kommen.“ Das dürfte ein Seitenhieb auf den Drohnenkonkurrenten Stark Defence gewesen sein, in den Thiel investiert hat.
