Die Augustsonne brennt noch um 19 Uhr, als das Gitarrenriff von „Schwarz-weiß wie Schnee“ über das Stadion am Brentanobad hallt. 3050 Zuschauer, schwüle Luft, ein bisschen Champions-League-Feeling im Frankfurter Westen. Und mittendrin: der Neuzugang Hanna Bennison. 180 Sekunden – so lange brauchte die Schwedin in der Partie beim Vierer-Turnier gegen Omonia Nikosia aus Zypern, um zu zeigen, warum Eintracht Frankfurt sie geholt hat: Sie setzte zu einer Halbfeldflanke an, präzise in den Strafraum – die Australierin Hayley Raso vollendete den Angriff und köpfte das 1:0. Willkommen in Frankfurt.
Tatsächlich kennt Bennison – oder „Benni“, wie sie ihre Teamkolleginnen nennen – diesen Rasen schon. Im September 2025 stand sie hier noch auf der anderen Seite im Trikot von Real Madrid in der dritten Qualifikationsrunde zur Champions League. Damals siegte ihr Team 2:1 gegen die Adlerträgerinnen. An diesem Abend trägt auch Bennison den Adler auf der Brust. Es ist ihr fünfter Verein. Für eine 23 Jahre alte Spielerin eine bemerkenswert lange Liste. Auf dem Rasen steht sie schon seit ihrem fünften Lebensjahr.
„Mir war schon früh bewusst, dass ich professionell Fußball spielen wollte“, sagt Bennison heute. Ihren Traum formte sie früh: Mit zwölf wechselte sie zum FC Rosengård im südschwedischen Malmö. Hier traf sie auf eines ihrer ersten Idole, die brasilianische Fußballlegende Marta. Weitere Vorbilder waren Ramona Bachmann und Caroline Seger. Mit Letzterer spielte sie später gemeinsam für die schwedische Nationalmannschaft.
Was folgte, war eine Karriere im Schnelldurchlauf. Mit 15 debütierte sie in der Champions League, mit 17 für die Nationalmannschaft. 2021 wurde sie von der UEFA als eine der zehn vielversprechendsten Fußballspielerinnen Europas ausgezeichnet und gewann den „GOAL NXGN Award“ als beste junge Fußballerin der Welt.
Im selben Jahr holte sie mit Schweden Olympia-Silber in Tokio. „Das war natürlich wunderschön, und ich war sehr glücklich darüber“, sagt Bennison über die Auszeichnung. „Aber im Fußball gibt es immer Höhen und Tiefen, und davon hatte ich seitdem einige. Mein Ziel ist es jetzt einfach, zurückzukommen, Fußball zu genießen, viel zu spielen und mich auf dem Platz gut zu fühlen. Und dann schauen wir, wie weit ich kommen kann.“
Der Druck von außen, aber auch von sich selbst, ist für Bennison ein Thema, das sie ernst nimmt. Um damit umzugehen, hole sie sich professionelle Unterstützung von außen.
„Dafür spielt man schließlich Fußball“
Es folgte 2021 der Wechsel zum englischen Erstligateam Everton FC. Dann hießen die Stationen Juventus Turin und kurz Real Madrid – beide Male ein Drei-Jahres-Vertrag, beide Male nach einer Saison wieder weg. „Ich würde nicht sagen, dass es mein Plan war, so viel zu wechseln“, sagt Bennison. „In Turin hatte ich ein wirklich gutes Jahr, sowohl fußballerisch als auch mit der Mannschaft. Für Real Madrid zu spielen, war eine große Chance für mich. Aber leider ist es nicht so gut gelaufen, wie ich erhofft hatte.“
Der Grund ist schnell benannt: Spielzeit. Nur 15 Einsätze und ein Tor stehen für sie zu Buche – zu wenig für eine ambitionierte Spielerin. „Jeder Spieler möchte eingesetzt werden, denn dafür spielt man schließlich Fußball“, sagt sie. „Und dann ist es natürlich ein großer Verein mit vielen guten Spielerinnen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich dort weiterentwickeln würde.“

Warum dann Frankfurt? Die Antwort klingt simpel und ehrlich: „Ich hatte von Anfang an ein wirklich gutes Gefühl – beim Team, dem Klub, wie sie Fußball spielen wollen. Und natürlich auch, dass sie mich wollten.“ Dazu kannte sie Rebecka Blomqvist und Amanda Ilestedt bereits aus der Nationalmannschaft. „Ich habe mit ihnen gesprochen, und sie haben nur Gutes gesagt.“
Ob sie sich als ihren nächsten Verein einen ebenso erfolgreichen ausgesucht hat, bleibt abzuwarten. Immerhin befindet sich das Team abermals im Wiederaufbau: Acht Spielerinnen haben den Verein in diesem Sommer verlassen, darunter Leistungsträgerinnen wie Géraldine Reuteler, Nicole Anyomi und Elisa Senß – die ihrerseits den umgekehrten Weg nach Madrid genommen hat.
Auch im Spielstil erwartet Bennison eine Umstellung. „Die Intensität ist der größte Unterschied“, sagt sie. „Es ist körperbetonter, es gibt mehr Zweikämpfe, das Spiel ist generell schneller. Wir wollen viel nach vorne spielen, Chancen kreieren und aggressiv pressen.“ Und dann fügt sie hinzu, fast als Warnung an zu hohe Erwartungen: „Aber wir haben auch eine ziemlich neue Mannschaft, das braucht Zeit.“
Puzzleteil in der Kaderplanung
Sportdirektorin Babett Peter bezeichnet Bennison als wichtiges Puzzleteil für die Kaderplanung. Druck? „Ich würde sagen, eher Ansporn“, antwortet Bennison. „Ich finde es schön, dass sie mich so sehen und dass sie mir vertrauen und an mich glauben. Dann liegt es natürlich an mir, das zu beweisen.“
Und beweisen will sie sich diese Saison auf jeden Fall. Was die Fans am Ende der Saison über sie denken sollen, weiß Bennison genau: eine Spielerin, die alles gibt, die kämpft, die dem Team hilft, aber eben auch eine, die mit dem Ball etwas anzufangen weiß. Tore schießen gehört nicht zur klassischen Jobbeschreibung einer Mittelfeldspielerin, aber es ist etwas, das sie sich vorgenommen hat. Sie ist überzeugt, dass in ihr noch mehr steckt, als bisher zu sehen war. Frankfurt soll der Ort sein, wo das rauskommt.
Für ein Tor reichte es an diesem Abend noch nicht ganz. In der 28. Minute verfehlte sie das Ziel aus der Distanz knapp. Trotzdem gelang es den Frankfurterinnen, das Team aus Zypern zu übertrumpfen, 8:0 zu gewinnen und damit das erste kleine Etappenziel zu meistern. An diesem Samstag geht es an gleicher Stelle weiter gegen Malmö FF.
Nur der Sieger zieht in die dritte Qualifikationsrunde der Champions League ein. Diese wird am 26. August und 2. September gespielt. Die Auslosung für die letzte Hürde, die in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, erfolgt am 11. August (13.00 Uhr). Dann ist auch Bennisons ehemaliger Verein Real Madrid im Lostopf.
