
Die Industriegewerkschaft IGBCE hat das Mainzer Biotechnologieunternehmen Biontech aufgefordert, einen vollständigen Verkauf oder Teilverkäufe des Produktionsstandorts Marburg in Erwägung zu ziehen. Die Verunsicherung unter den Beschäftigten in Marburg wachse, heißt es in einer Mitteilung von der Gewerkschaft, immer neue Gerüchte machten die Runde. Gleichzeitig fehlten klare und verlässliche Informationen des Unternehmens.
„Für uns gilt: Verkauf vor Schließung. Bevor Arbeitsplätze abgebaut werden und ein leistungsfähiger Standort aufgegeben wird, muss Biontech zeigen, dass wirklich alles für eine Weiterführung getan wird“, erklärt Sabine Süpke, Leiterin des IGBCE-Landesbezirks Hessen-Thüringen. Nach derzeit öffentlich bekannten Plänen wollen die Mainzer den erst 2021 eröffneten Produktionsstandort Marburg bis Ende 2027 schließen. Davon wären rund 540 Arbeitsplätze betroffen. Als Gründe nannte das Unternehmen eine zu geringe Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen.
Aus Sicht der Gewerkschaft eröffnet das öffentlich bekannt gewordene Interesse von Moderna an deutschen Biontech-Produktionskapazitäten neue Möglichkeiten. Gerade deshalb müsse Biontech jetzt sagen, ob aktiv nach Käufern gesucht werde, ob Gespräche laufen und ob neben einem Gesamtverkauf auch Teilverkäufe geprüft werden, fordern die Vertreter der Industriegewerkschaft.
„Wo ein Unternehmen nicht klar kommuniziert, entstehen Gerüchte“, so Süpke. Die Beschäftigten hätten ein Recht darauf, zu erfahren, welche Zukunftsmöglichkeiten tatsächlich geprüft würden. „Biontech darf nicht erst den Standort schwächen und anschließend erklären, es habe sich kein Käufer gefunden“, so Süpke. Die Beschäftigten am Standort seien hoch qualifiziert, verfügten über wertvolles Wissen und beherrschten anspruchsvolle pharmazeutische Produktionsprozesse. „Wenn Biontech diese Fähigkeiten selbst nicht mehr nutzen will, darf das Unternehmen sie nicht einfach liegen lassen. Dann muss ein neuer Eigentümer die Chance bekommen, mit diesen Beschäftigten eine Zukunft aufzubauen.“
Die IGBCE fordert deshalb einen transparenten und nachvollziehbaren Verkaufsprozess. Bis alle realistischen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, dürften keine unumkehrbaren Entscheidungen getroffen werden, die den Wert des Standorts oder seine Attraktivität für mögliche Investoren schwächten.
