Das Niedrigwasser im Rhein zwingt Unternehmen dazu ihre Transporte auf die Schiene oder den Lkw zu verlagern. Unter anderem gaben die Konzerne ThyssenKrupp Steel Europe, BASF, Evonik und Lanxess bekannt, dass sie ihre Logistik aufgrund des niedrigen Pegelstands umstellen mussten.
Der Stahlproduzent ThyssenKrupp Steel Europe teilte mit, dass sich »die
anhaltende und sich verschärfende Niedrigwassersituation« mittlerweile auf die Rohstoffversorgung des Duisburger Werks auswirke. »Unsere
eigene Schubschifffahrt wurde aufgrund der niedrigen Pegelstände
eingestellt«, teilte das Unternehmen mit. »Derzeit nutzen wir
vorsorglich angemietete, externe Schiffe, die wegen ihres niedrigeren
Tiefgangs auch bei den aktuellen Wasserständen eingesetzt werden
können.«
Evonik spricht von »große Herausforderungen«
Auch der Chemiekonzern BASF mit Sitz in Ludwigshafen setzte eine »größere
Anzahl an Niedrigwasser-Schiffen« ein, um den Binnenschifftransport
weitestgehend aufrechtzuerhalten. Zudem werde die Versorgung mit
wichtigen Rohstoffen durch alternative Transportmittel wie Lkw und
Schiene gestützt. In »Einzelfällen« komme es angesichts sinkender Pegel
zu Lieferengpässen.
Der Chemiekonzern Evonik mit Sitz in Essen teilte mit, dass die
niedrigen Wasserstände im Rhein die Logistik- und Versorgungsketten vor
»große Herausforderungen« stellten. »Die Transportmengen der Schiffe
müssen reduziert werden«, teilte das Unternehmen mit. Dies habe sich in einzelnen Fällen bereits auf die Produktion von Evonik im
Chemiepark Marl ausgewirkt sowie auf andere Unternehmen, die Vorprodukte an Evonik
liefern. Das Unternehmen verlagere einen Teil der Gütertransporte auf die
Schiene oder die Straße.
Ein Sprecher des Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess teilte mit: »Da einzelne Lade- und Entladestellen nicht mehr erreichbar sind, stellen wir möglichst auf Bahn- und Straßentransporte um.« Die Lieferungen mit dem Schiff seien stark eingeschränkt. Bislang könne die Produktion »ohne größere Einschränkungen« laufen.
Umweltsekretär nennt Niedrigwasser »Weckruf«
Umweltstaatssekretär
Jochen Flasbarth (SPD) hat das derzeitige Niedrigwasser in deutschen
Flüssen als Weckruf bezeichnet. Im RBB-Inforadio sagte Flasbarth, die
extremen Wetterlagen zeigten, dass es einen enormen Klimawandel zu
bewältigen gebe.
Bundesverkehrsminister Steffen
Bilger (CDU) rief eine Fachkonferenz ein mit Vertretern der betroffenen Industrien. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael
Ebling (SPD) forderte zudem von der Bundesregierung mehr Tempo bei der
Rheinvertiefung am Mittelrhein.
Klimawandel sorgt für extreme Dürre und Niedrigwasser
»Wir befinden uns gerade in einer extremen Dürre«, sagte Markus Weitere
vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ). Aktuell sei
der Süden Deutschlands sehr stark betroffen, auch das Ursprungsgebiet
des Rheins in der Schweiz etwa. Das mache sich an den Pegeln von Rhein
und Donau bemerkbar.
»Das sind zwei Flüsse, die sehr, sehr stark
betroffen sind. Da haben wir extremes Niedrigwasser, teils jetzt schon
mit historischen Tiefstständen«, sagte er. Der Klimawandel macht Extremwetterereignisse wie Dürren häufiger und extremer.
