
Die Zahl der angezeigten Angriffe auf Zugpersonal in Hessen ist zuletzt deutlich gestiegen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sei im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 eine Zunahme um 40 Prozent zu verzeichnen, teilt die Bundespolizei auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.
Im ersten Halbjahr 2025 seien 143 Gewaltdelikte zum Nachteil von Bahnmitarbeitern verübt worden, darunter fallen Mitarbeiter der Deutschen Bahn sowie weiterer Eisenbahnunternehmen. Genaue Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 könnten noch nicht mitgeteilt werden, erklärt die Bundespolizei.
In die Statistik eingeflossen sind bei der Polizei angezeigte und in Hessen verübte Körperverletzungs- sowie Raubdelikte, zudem Straftaten gegen die persönliche Freiheit wie Nötigung und Bedrohung. Bei welcher Tätigkeit die Mitarbeiter angegriffen wurden, wird nicht erfasst. Vier von fünf Verdächtigen hätten nach den Taten identifiziert werden können.
Die Vergleichszahl aus dem ersten Halbjahr 2025 habe bei 68 verletzten Bahnmitarbeitern gelegen, von Januar bis Juni 2026 waren es laut Bundespolizei rund 30 Prozent mehr Verletzte. „Eine Differenzierung des Schweregrads von Verletzungen der Opfer wird bei uns statistisch nicht erfasst“, so die Behörde. Die Zahlen stammen aus der Polizeilichen Eingangsstatistik (PES), sie erfasst die bei der Bundespolizei angezeigten Delikte. Die Angaben könnten sich beispielsweise aufgrund von Nacherfassungen künftig geringfügig ändern, teilt die auch für Hessen zuständige Bundespolizeidirektion Koblenz mit. Inwiefern auch die Bereitschaft der Angestellten, Beleidigungen, Rempeleien oder Schläge zur Anzeige zu bringen, gestiegen ist, bleibt offen.
Im Regionalverkehr stieg die Zahl der Delikte den Angaben zufolge um knapp 25 Prozent. Im ersten Halbjahr 2025 waren in dem Bereich 42 Delikte festgestellt worden.
Tödliche Attacke vor einem halben Jahr
Vor einem halben Jahr, Anfang Februar, starb ein 36 Jahre alter Zugbegleiter nach Faustschlägen gegen den Kopf bei einer Ticket-Kontrolle in Rheinland-Pfalz. Der Täter wurde Anfang Juli zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Als Konsequenz aus diesem Ereignis haben Bahnunternehmen ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Bei der Deutschen Bahn können nun mehr Beschäftigte mit Kundenkontakt eine Bodycam tragen, es wurden zudem Pilotprojekte mit zwei Zugbegleitern pro Zug und mit Sicherheitspersonal im Zug gestartet. Angekündigt wurden auch mehr Deeskalationstrainings und Selbstbehauptungsschulungen.
Am 18. Juli stürzte ein Sicherheitsmitarbeiter der Bahn in Baden-Württemberg nach einer Auseinandersetzung aus dem Zug und wurde dabei schwer verletzt, inzwischen ist der MAnn außer Lebensgefahr.
