Ungarn hat das Atomkraftwerk Paks wegen sinkender Pegelstände der Donau durch die anhaltende Trockenheit vollständig heruntergefahren. Dies teilte Ministerpräsident Péter Magyar mit. Aufgrund des »weiteren Rückgangs des Wasserstands der Donau« werde die Anlage am Sonntag zum ersten Mal seit fast einem halben Jahrzehnt nicht funktionieren. Noch am Vortag hatte Magyar eine Abschaltung für die kommende Woche angekündigt.
Hohe Temperaturen und ausbleibender Regen haben die Pegelstände der Donau an mehreren Stellen auf historisch niedrige Werte sinken lassen. Der Betreiber hatte eine Abschaltung deswegen zuletzt als »unvermeidlich« bezeichnet. Die Leistung der Anlage, die fast die Hälfte des Stroms des Landes erzeugt, war bereits gedrosselt worden.
Magyar rief die Industrie auf, ihren Stromverbrauch zu verringern, und kündigte Energiesparmaßnahmen an. Unter anderem soll die Beleuchtung öffentlicher Gebäude abgeschaltet werden, um Strom zu sparen und eine Energiekrise zu vermeiden. Der Wassermangel durch die anhaltende Trockenheit hat zudem die Schifffahrt behindert und den Tourismus in Ungarn belastet.
Rumänien und Frankreich ebenfalls betroffen
Auch in anderen europäischen Ländern waren Reaktoren wegen der hohen Temperaturen in der vergangenen Wochen abgeschaltet worden. In Frankreich wurde am Mittwoch einer der zwei Reaktoren des Kernkraftwerks Golfech aufgrund der hohen Temperaturen abgeschaltet. Wegen der Hitzewelle im Juni war zudem das Atomkraftwerk Beznau in der Schweiz vorübergehend abgeschaltet worden.
Rumänien schaltete diese Woche ebenfalls zum ersten Mal beide beide Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavodă wegen des niedrigen Pegelstandes der Donau ab. Dies ist »im Fall schwerer Dürre« vorgesehen, wie der Betreiber Nuclearelectrica mitteilte.
An der rumänischen Grenze führte die Donau am Dienstag noch 1.650 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Der Juli-Durchschnitt liegt bei 4.750 Kubikmetern. Bis zum 4. August wird ein weiterer Rückgang auf 1.500 Kubikmeter erwartet. Der historische Tiefststand von 1.400 Kubikmetern wurde 1985 gemessen.
