Wohnneuheiten
Das lässt sich gut einrichten
Von JASMIN JOUHAR
1. August 2026 · Aus Kopenhagen ins Zuhause: Zwölf Wohnneuheiten, vom Teppich über den Faltstuhl bis zum Vorhang, gesehen bei den 3 Days of Design.
PERFEKT KANN JEDER
Für ihre Kollektion Ono haben sich Birgit Krah und Franziska Reuber vom Teppichlabel Reuber Henning freiwillig selbst beschränkt: Die Teppiche sollten ausschließlich aus unbehandelten, ungefärbten Materialien wie Wolle, Mohair, Kaktusfaser, Nessel und Hanf geknüpft werden. Als Formen erlaubten sie sich nur das Rechteck des Teppichs und den Kreis. Wobei die Berlinerinnen den Kreis ziemlich frei interpretiert haben: Statt perfekten Rundungen gibt es lauter Beulen und Dellen, basierend auf Handskizzen. Doch die fein austarierten, unvollkommenen Formen wirken gerade im Zusammenspiel mit den unregelmäßigen Naturmaterialien reizvoll. Den perfekten Kreis kann ja schließlich jeder.
NAH AM HERZEN
20 Jahre alt wird die Kopenhagener Möbelmarke Muuto in diesem Jahr, das Unternehmen gehörte zur Welle von Neugründungen Anfang der Nullerjahre in Dänemark. Nach der großen Zeit des dänischen Designs in den Fünfziger- und Sechzigerjahren war Gestaltung aus dem Norden wieder angesagt. Und mit Entwürfen wie der Kink-Vase, dem Outline- Sofa, dem Nerd-Stuhl und der Tip-Leuchte eroberte sich Muuto seinen Platz in der dynamischen Designszene. Den runden Geburtstag feiert das Unternehmen nun mit einem emotionalen Statement: dem Close-to-Heart-Stuhl, entworfen vom Kopenhagener Studio Spacon. Der Stuhl besteht komplett aus stranggepressten Aluminiumprofilen in Herz-Form. Das ist typisch Muuto: ein eigenwilliges Detail, das einem Entwurf Charakter verleiht.
LICHT MIT PRÄSENZ
Die hat Gewicht: Der Schirm der mobilen Leuchte Era von Occhio wird aus einem massiven Glasblock herausgearbeitet – entweder in zylindrischer oder konisch zulaufender Form. Das verleiht ihr eine Präsenz, die man auch beim Hochheben spürt. Zudem entstehen durch die dicke Wandung des Glaskörpers schöne Lichteffekte. Im Inneren sitzt das von Occhio selbst entwickelte Leuchtmittel Fireball, das direktes und zugleich blendfreies Licht abstrahlt – Intensität und Lichtfarbe können per App oder einfach per Geste gesteuert werden. Je nach Modell gibt es Era auch mit einem Metallgitter, das das Leuchtmittel umhüllt und das Licht zusätzlich atmosphärisch streut. Der Fuß ist mit Leder bezogen.
PORZELLAN AUS DEM MEER
Wenn sie die Stücke aus der Triton-Kollektion herstellen, brauchen die Mitarbeiter der Porzellanmanufaktur Royal Copenhagen Geschick – und eine gewisse Frustrationstoleranz. Denn die von Muscheln und Meeresschnecken inspirierten Formen der Teller, Platten und Gefäße sind komplex und entsprechend aufwendig in der Produktion. Oder, wie Kreativdirektor Jasper Toron Nielsen es bei der Vorstellung in Kopenhagen lächelnd formulierte: Triton sei eine kleine Bestie. Das Design von Künstler und Goldschmied Arje Griegst kam 1976 erstmals auf den Markt, die Objekte sind bei Sammlern heute sehr begehrt. Mit dem Relaunch ist das Geschirr in den drei Farbtönen Sand, Meerblau und Seladon erhältlich.
CHARMANTER MECHANISMUS
Es würde einen nicht wundern, wenn der Bascule-Sessel seine Benutzer ab und an kurz umarmen würde, so knuffig und einladend, wie der Entwurf von Studio OE für Vitra aussieht. Doch erst beim Reinsetzen entfaltet sich der ganze Charme von Bascule (Französisch für Wippe): Denn unter seinem losen Bezug versteckt sich eine ausgeklügelte, seitlich an beiden Seiten des Rahmens aufgehängte Mechanik, dank der sich der Sessel lediglich unter Einsatz des eigenen Körpergewichts stufenlos ganz nach hinten klappen lässt, in eine liegende Position. Für ein kurzes Schläfchen, zum Musikhören oder einfach zum gepflegten Nichtstun. Der Bezug lässt sich zum Reinigen oder Austauschen abnehmen, optional gibt es eine Version mit Kopfstütze und zwei verschiedene Fußhocker dazu.
REGAL ALS RAHMEN
Es gibt Regale, die müssen meterweise Abstellfläche bieten, für Bücher, Schallplatten, Spielsachen. Und es gibt Regale, bei denen es nicht auf maximale Flächenausbeute ankommt, sondern auf das Gesamtbild. Auch sie geben den Dingen ein Zuhause, rahmen sie aber mehr, als sie nur aufzubewahren. Alima von Note Design Studio (&Tradition) ist so ein Regal: Auf den hölzernen Borden mit den hochgezogenen Kanten sehen jede Vase, jeder Lautsprecher, jeder Bücherstapel und jede Hausbar noch einmal so schick aus. Dass Alima bei Bedarf auch Lasten verträgt, dafür sorgt das Gestell aus gebogenem Stahlrohr. Alima gibt es in drei Varianten, zudem als Trolley mit Rollen und Nachttisch.
WIE IM ALTEN ROM
Gitternetze und Mäander: Studioutte hat sich für Dedalo (CC-Tapis) Motive aus der klassischen Architektur abgeguckt. Man wandle gedanklich durchs alte Rom oder das klassizistische Frankreich und denke an Kassettendecken, Friese oder Parkettfußböden. In drei Teppichentwürfen loten die Mailänder Guglielmo Giagnotti und Patrizio Gola aus, wie die schematischen, repetitiven Muster mit den lebendigen Texturen der geknüpften und teilweise bestickten Oberflächen harmonieren. Die Farbpalette ist gedeckt zwischen Schwarz und Naturtönen. Bei aller Strenge erlaubten sich Studioutte auch ein kleines Augenzwinkern: Der schwarze Mäander läuft an beiden Enden in einen kleinen Schlangenkopf mit rausgestreckter Zunge aus.
VERSPIELTES SILBER
Verfeinerung ist eine ernste Aufgabe, und gerade bei den handwerklich arbeitenden Traditionsmanufakturen findet man besondere Objekte, die einen für ein paar Augenblicke aus den Niederungen des Alltags erheben. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Spielwürfel- Set aus Silber und farbigem Naturstein wie Obsidian und Jaspis? Oder einem Kreisel und einem Jo-Jo, ebenfalls aus dem Edelmetall? Die dänische Manufaktur Georg Jensen, bekannt für Besteck und andere Tafelausstattungen, für Schmuck und Dekorationsobjekte, hat sich unter dem Titel „At Play“ dem freien Spiel zugewandt. Und aus dem für Georg Jensen typischen Material Sterlingsilber kleine Objekte entwickelt, die einen Moment der Freude stiften können und sich auch als Geschenk für besondere Anlässe eignen.
TRAGENDE ROLLE
Am Anfang war die Vase. Und die Schale. Und der Krug. Das dänische Unternehmen Raawii startete 2017 mit farbenfrohen Keramikobjekten, hergestellt in Portugal. Auch wenn zuletzt Möbel zum Sortiment dazukamen, etwa von Erwan Bouroullec und dem Schweizer Duo Panter Tourron, bleibt die Keramik zentral für die Marke. Bisweilen verlässt man allerdings die typischen Anwendungsgebiete zwischen Tisch und Dekoration, so mit Console von Daniel Rybakken. Das Mini-Regal besteht aus einem Holzboard, getragen von zwei Stützen aus Keramik. Typisch für das Material sind die weiche Form mit den abgerundeten Kanten – und die vielen kräftigen Glasurfarben, in denen Console erhältlich ist.
STUHL MIT AHA
Welche Frage Möbeldesignern am häufigsten gestellt wird? Wahrscheinlich: Braucht es überhaupt noch einen weiteren Stuhl? Der Subtext: Es gibt schon so viele, was ließe sich da noch verbessern? So einiges, wie der isländische Designer Gudmundur Ludvik mit dem Klappstuhl Backflip für Hay zeigt. Die Typologie des platzsparend zu verstauenden Bonusstuhls wird meistens über die Sitzfläche zusammengeklappt – was gelegentlich zu kleinen Unfällen führt. Ludvik hat mehrere Jahre mit dem Entwicklungsteam von Hay an einer anderen Lösung getüftelt: Bei Backflip wird die Rückenlehne nach oben umgeklappt, um den Stuhl zusammenzufalten. Die Rolle rückwärts erzeugt einen Aha-Effekt und funktioniert im Übrigen reibungslos.
SOFA PER POST
Dieses Sofa bringt die Post, in handelsüblichen Versandkartons, die durch jede Tür passen und von denen keiner mehr als 15 Kilogramm wiegt. Keine Spedition nötig, auch kein Wuchten und Hieven in engen Treppenhäusern. Denn der Entwurf des Berliner Designers Justus Hilfenhaus für Folke kommt ohne inneren Rahmen aus und ist entsprechend leichter als die meisten anderen Polstermöbel. Die insgesamt vier Module bestehen lediglich aus Schaumstoff, umhüllt vom Bezug, und werden einfach gestapelt und zusammengeschoben. Das Sofa ist das erste Produkt des 2025 gegründeten dänischen Unternehmens, die Entwicklung hat Folke unter anderem mit einer Crowdfunding- Kampagne auf Kickstarter finanziert, Unterstützer aus 34 Ländern bestellten sich vorab das Polstermöbel.
Oft sind Vorhänge altmodisch, also mehrlagig, buntgemustert, etwas verstaubt. Oder sie sind, aus Angst vor dem verstaubten Image, sehr minimal. Dann aber lassen sie das dekorative wie atmosphärische Potential von Stoffen ungenutzt. Auch schade. Genau in diese Lücke hängt Kvadrat die Kollektion Three von Isa Glink, Kreativdirektorin der Heimtextilsparte der dänischen Marke. Die Stoffe sind uni oder sachte gemustert, bei vielen Varianten liegt der Reiz in der Textur des Materials. Manche sind leicht und fluffig, andere schwerer, strukturiert oder netzartig. Wichtig: Natürliche Materialien und Kunststoffe werden nicht gemischt, damit die Textilien besser recycelt werden können.
