
Liebe Leserin, lieber Leser, zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten hat sich unser Feuilleton eine hochinteressante Serie ausgedacht: Unter der Überschrift „Amerika, wie es im Buche steht“ stellen die Kollegen 40 Bücher vor, die das Selbstverständnis des Landes geprägt haben. Und „The Catcher in the Rye“ ist neben „Huckleberry Finn“ und „The Great Gatsby“ ganz gewiss Teil des großen Trios amerikanischer Literatur – und vermutlich das einzige Weltbuch, das nie verfilmt, dramatisiert oder fortgeschrieben wurde.
Billy Wilder, Elia Kazan, Spielberg, DiCaprio: Alle scheiterten an der Ablehnung des Autors J. D. Salinger, zu Lebzeiten und auch danach. Sandra Kegel erinnert daran, dass hinter der Coming-of-Age-Fassade des Inhalts tatsächlich ein Kriegstrauma steckt: Salinger kämpfte im Hürtgenwald, erlebte die Befreiung von Konzentrationslagern und verarbeitete das nie überwundene Trauma in der Romanfigur des Holden Caulfield. Das Werk, seit 1951 schon rund 65 Millionen Mal verkauft, zeigt, wie Depression und Vereinsamung in der Masse funktionieren. Und das ist ein Thema, das bis heute nichts an Aktualität verloren hat: eine Wiederentdeckung, der Serie sei Dank.
Alles nicht so einfach mit der Geldanlage – und erst recht nicht mit den Prognosen dazu. Schon 1989 prophezeiten die Ökonomen Greg Mankiw und David Weil einen dramatischen Preisverfall am US-Immobilienmarkt, sobald die Babyboomer in Rente gehen: Die Nachfrage werde einbrechen, hieß es. Das Schlagwort dafür war schnell gefunden, der „Asset-Meltdown“ drohe. Die Realität widerlegte die These. Und wie: Amerikanische Häuserpreise legten zwischen 1987 und 2007 real um mehr als 70 Prozent zu. Selbst die Finanzkrise brachte sie nicht auf das prophezeite Niveau.
Nun kursiert die Idee aber wieder. Eine RWI-Studie (schon aus dem Jahr 2024) will zeigen, dass der demographische Wandel die Wohnungspreise dämpft. Eine aktuelle IW-Studie wiederum prognostiziert für Deutschland bis zum Jahr 2035 nur noch ein reales Immobilien-Preiswachstum von knapp einem Prozent jährlich. Das wäre halb so schnell wie zwischen 2010 und 2025, mit deutlichen Unterschieden zwischen wachsenden Metropolen und alternden ländlichen Regionen. Bis 2050 könnten Wohnungen laut RWI real sogar bis zu 30 Prozent, Häuser bis zu sechs Prozent an Wert verlieren. Ob man das glauben soll? Vermögensverwalter raten zum Verkauf, während Immobilienökonomen das selbst genutzte Eigenheim weiterhin als sinnvolle Altersvorsorge sehen. Wer hätte das gedacht! Vielleicht sollte man der Analyse vor allem seine eigenen Interessen voranstellen, nicht die von Menschen, die mit ihren Ratschlägen Geld verdienen.
Sinneswandel im MAGA-Lager?
Manchmal wechseln Meinungen zudem schnell. Die rechte amerikanische Podcasterin Laura Loomer, bekannt für ihre enge Bindung an den Präsidenten Donald Trump und noch mehr für ihre bislang russlandfreundlichen bis ukrainefeindlichen Positionen, hat mit einem Kiew-Besuch für Aufsehen gesorgt. Sie ließ sich vor einem beschädigten McDonald’s im beschossenen Kiewer Nordwesten filmen. Und Loomer traf ranghohe ukrainische Regierungsvertreter, sie besuchte das Höhlenkloster, führte gar ein Interview mit dem ukrainischen Präsidenten. Bemerkenswert ist Loomers Eingeständnis, die Not der Ukrainer jahrelang heruntergespielt und Russlands Informationskrieg unterschätzt zu haben. Ob dies für eine außenpolitische Kurskorrektur in Washington steht, bleibt abzuwarten. Doch dass Trump einen Ausschnitt des Interviews mit „Very good!!!“ auf Truth Social bewarb, dürfte in Kiew als diplomatischer Erfolg gewertet worden sein.
Ihr
Carsten Knop
Herausgeber
Frankfurter Allgemeine Zeitung
