
Der bekannte Frankfurter Bäcker Eifler geht in einer Bäckereikette unter Leitung von Private Equity auf. Das geschieht in einer Dreiertransaktion, welche der norwegische Finanzinvestor FSN Capital am Freitag verkündete: Seine schon erworbenen Ketten Bäcker Görtz aus Ludwigshafen und Bäckerei Pappert aus Eichenzell fusionieren zu einer Gruppe mit dem Namen Brotwert. Brotwert übernimmt, finanziell unterstützt von FSN, eine Mehrheit an Bäcker Eifler mit seinen 95 Filialen in Frankfurt und Umgebung.
So entsteht ein Verbund dreier familiengeführter Bäckerunternehmen mit rund 500 Filialen: laut FSN „die umsatz- und ertragsstärkste Bäckereigruppe Deutschlands“. Konkreter äußerte sich der Investor nicht. Aus Kreisen, die mit der Transaktion vertraut sind, war aber zu hören, der kombinierte Umsatz solle im laufenden Jahr über 400 Millionen Euro liegen und das operative Ergebnis (Ebitda) bei knapp 100 Millionen Euro.
Damit greift Private Equity weiter in eine Branche ein, die nach Angaben ihres Verbandes in Deutschland gut 18 Milliarden Euro schwer ist. Im vergangenen Jahr erwarb der Investor Egeria die Lübecker Gesellschaft „Junge die Bäckerei“, die nach Investorenangaben mit mehr als 200 Filialen 274 Millionen Euro umsetzt. Argos Wityu übernahm 2024 die Bäckerei Schmidt und baute sie unter anderem mit der Kette Kamps aus, wodurch eine Bäckereigruppe mit bundesweit mehr als 400 Filialen entstanden ist. Der Investor Afinum ist in die Kette „Zeit für Brot“ und damit ins teure Segment eingestiegen.
Zersplitterte Branche und damit ideal für Private Equity
Der Markt ist zersplittert, was Beteiligungsgesellschaften die Chance zur klassischen Strategie des „Buy and Build“ gibt: Dabei erwirbt ein Investor zunächst ein erstes Unternehmen und nimmt es als Ausgangspunkt (Plattform), um mit Zukäufen einen Großanbieter zu formen. Im vorliegenden Fall erwarb FSN im Jahr 2022 eine Mehrheit an Bäcker Görtz mit 200 Filialen und 142 Millionen Euro Jahresumsatz. Der Plattformansatz war explizit eines der Motive für die Entscheidung: „Das Wachstum über ergänzende Akquisitionen im großen und fragmentierten deutschen Markt beschleunigen“, so lautete eines der damals geäußerten Ziele. Im vergangenen Jahr kam die Kette Pappert hinzu, schon damals mit Blick auf eine Verschmelzung zu einer neuen Gesellschaft – zu jenem Unternehmen, das nun den Namen Brotwert bekommt.
Was Private Equity in der Branche ebenfalls helfen dürfte: Inhaberfamilien finden keine Nachfolger, sie laden dann Beteiligungsgesellschaften ein, wobei oft das Management an Bord bleibt. Aus einer Acht-Jahres-Statistik des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks geht hervor, dass die Branchenerlöse beinahe kontinuierlich gestiegen sind – mit der Ausnahme einer Delle im ersten Corona-Jahr 2020. Der Umsatz (ohne Mehrwertsteuer) stieg demnach von 14,7 Milliarden Euro 2018 auf 18,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Dagegen schrumpfte die Zahl der Betriebe seitdem ohne Unterbrechung, von 10.925 auf zuletzt 8659 (mit insgesamt 35.000 Filialen).
Jahr für Jahr zurückgegangen ist im selben Zeitraum auch die Zahl der Beschäftigten, nämlich von 270.400 auf 232.000. Aus den Zahlenreihen lässt sich errechnen, dass ein Durchschnittsbetrieb im vergangenen Jahr mit 27 Mitarbeitern knapp 2,1 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete. Fast alle deutschen Haushalte – 975 von 1000 – haben nach Verbandsangaben im vergangenen Jahr mindestens einmal Brot gekauft, und von denen erwarb jeder Haushalt im Schnitt 38 Kilogramm.
Eifler, 1921 gegründet, bezeichnet sich als Familienunternehmen in vierter Generation und beliefert von seiner Frankfurter Produktionsstätte die 95 Filialen mit Brot und Kuchen. Es lockt Privatunternehmer damit, „Familienpartner“ zu werden und ohne Eigenkapital eine eigene Filiale zu gründen. Die Bäcker verkaufen die Ware nicht nur über die Theke zum Mitnehmen, sondern bieten auch Frühstück, Snacks und Getränke für den Verzehr vor Ort an. FSN sieht in diesem Zweig des Geschäfts eine besondere Chance: „Auswärts zu essen, ist ein Makrotrend im Verbraucherverhalten, der für viele Jahre das Marktwachstum treiben wird“, so hatte der Investor schon bei der Görtz-Übernahme eines der Motive beschrieben.
Die Familie Eifler geht den Angaben zufolge eine Rückbeteiligung ein, Gerhard und Michael Eifler sollen das Unternehmen unverändert als Geschäftsführer leiten; die Produktionsstätte in Frankfurt-Fechenheim und die bestehenden Filialen bleiben erhalten. Eifler erhalte mit der Brotwert-Gruppe einen Partner für weiteres organisches Wachstum, stellt FSN in Aussicht. „Dieses soll insbesondere durch die Eröffnung weiterer Verkaufsstellen getrieben werden.“ Dazu sieht der Investor die Chance, die Herstellung effizienter zu gestalten. Die Produktionsstandorte der drei Unternehmen lägen unweit voneinander entfernt, und so „können Produktionsmengen perspektivisch flexibler verteilt und vorhandene Kapazitäten besser genutzt werden“.
