Ein weiterer hochrangiger Mitarbeiter der Fifa hat wegen der Investorenpläne schwere Vorwürfe gegen den Verbandspräsidenten Gianni Infantino erhoben. Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Beschäftigten hintergangen zu haben. Sie hätten Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung, heißt es in einem Schreiben, aus dem die Nachrichtenagentur AP zitierte.
»Es ist das Projekt einer Person«, schrieb Lamour und forderte indirekt Konsequenzen. »Nicht nur darf dieses Projekt nicht weitergehen. Nun ist die Zeit gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen.«
Infantino-Berater zurückgetreten
Sein Amt, das er seit dem 1. November 2024 ausübt, wolle Lamour indes nicht aufgeben. Er begründete das mit der Verpflichtung seinen Kolleginnen und Kollegen gegenüber. Der Franzose, der auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, rechnet allerdings mit Folgen: »Falls das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es so. Ich werde diese Entscheidung verstehen und respektieren. Zumindest werde ich nachts ruhig schlafen.«
Zuvor war Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater Infantinos, aus Protest gegen dessen Vorhaben zurückgetreten und hatte den Schritt mit deutlicher Kritik verbunden. Auch er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein.
Uefa droht mit Boykott
Infantinos Plan sieht vor, dass private Geldgeber rund ein Fünftel der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise (FFE) erwerben können. Dessen Wert soll zunächst auf 20 Milliarden Dollar festgelegt werden. Im FFE will der Verband die kommerziellen Rechte an seinen Wettbewerben bündeln, darunter die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen sowie die Club-WM.
Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bliebe die Fifa. Sie würde eigenen Angaben zufolge auch die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks behalten.
Trump will mit Infantino nicht über Pläne gesprochen haben
Ein Fifa-Sprecher bestätigte, dass der Fonds Thrive Eternal die Führung der geplanten Investorengruppe übernehmen soll. Hinter dem Fonds steht der Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit Ivanka Trump verheiratet ist, der Tochter des US-Präsidenten. Die Idee zum FFE entstand laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg im vergangenen Jahr in privaten Gesprächen zwischen Infantino und Joshua Kushner. Bei ihren Plänen arbeitet die Fifa laut dem Sprecher mit der Investmentbank JPMorgan zusammen.
US-Präsident Donald Trump sagte auf eine Journalistenfrage hin, er habe mit Infantino nicht über das Vorhaben gesprochen. Weiter äußerte er sich nicht dazu.
Ob sich eine Mehrheit der weltweit 211 Verbände für die Pläne ausspricht, ist derzeit fraglich: Die Europäische Fußball-Union (Uefa) drohte mit einem Boykott der Fifa-Wettbewerbe durch ihre 55 Mitgliedsverbände. Zudem sind der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Kontinentalverband Concacaf und der asiatische Dachverband AFC deutlich auf Distanz zu Infantino gegangen.
