DIE ZEIT: Die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat Studierende in Deutschland als »sehr privilegiert« bezeichnet. Wer von Ihnen unterschreibt das?

Torben Hundsdörfer: Ich.

Jasmin Al Osman: Studieren ist ein Grundgut, das zur demokratischen Gesellschaft gehört. Es darf kein Privileg sein.

Hundsdörfer: Aber es ist doch eins: Ein Studium führt im Schnitt zu deutlich höherem Einkommen, weniger Arbeitslosigkeit und einer höheren Lebenserwartung.

Al Osman: Für die Zeit nach dem Studium mag das stimmen, für das Studium selbst überhaupt nicht. Das Bafög deckt oft nicht einmal die Miete. Im Höchstsatz von 992 Euro sind 380 Euro für die Wohnpauschale vorgesehen, dabei kostet selbst in Bochum ein WG-Zimmer bis zu 500 Euro. Dazu kommen Semesterbeitrag, Lebensunterhalt und das Studium selbst. Ich studiere Jura und konnte mir bisher vielleicht zwei oder drei Fachbücher kaufen, die kosten etwa 50 Euro.