
Die Quartalsergebnisse aus der amerikanischen Technologieindustrie haben für größere Kursausschläge an der Börse gesorgt – in beide Richtungen. Die Finanzmärkte sahen Microsoft und Amazon als Gewinner der Berichtssaison, Apple, Meta und den Google-Mutterkonzern Alphabet als Verlierer.
Diese Spreizung ist nicht ganz leicht zu erklären, denn die Geschäftszahlen aller Unternehmen waren solide. Aber Künstliche Intelligenz und die massiven Investitionen in die dafür benötigten Computerkapazitäten dürften ein wesentlicher Faktor sein. Mit Ausnahme von Apple stocken alle großen Techkonzerne ihre Investitionen in diesem Jahr dramatisch auf.
An der Börse wird dies mit zunehmender Nervosität verfolgt, und immer mehr rückt die Frage in den Vordergrund, ob sich dies auch lohnt. Ein Warnsignal sind die billigen chinesischen KI-Systeme, die im Moment auf den Markt drängen und als Bedrohung für die Geschäftsmodelle hoch bewerteter amerikanischer Rivalen wie Open AI und Anthropic gelten.
Microsoft vermittelte offenbar am besten die Botschaft, seine Investitionen in zählbare Erfolge ummünzen zu können.
Apple spürt die Chip-Engpässe
Das Umsatzwachstum der mit vielen KI-Anwendungen ausgestatteten Cloud-Plattform Azure hat sich beschleunigt, der KI-Assistent Copilot hat immer mehr zahlende Kunden. Amazon und Alphabet haben für ihre Cloud-Sparten ebenfalls rasantes Wachstum ausgewiesen, aber bei ihnen war das Bild nicht ungetrübt. Sie wiesen beide einen negativen Mittelzufluss (Cashflow) aus, auch wenn das Amazon nicht verübelt wurde. Meta kann sich bislang nicht auf ein Cloud-Geschäft stützen, wenngleich Vorstandschef Mark Zuckerberg angekündigt hat, in diesen Markt einsteigen zu wollen. Insofern fällt es ihm auch schwerer, Fortschritte im KI-Geschäft vorzuweisen und damit die Investitionen zu rechtfertigen.
Apple wiederum bekommt einen ganz anderen negativen KI-Effekt zu spüren. Die branchenweiten KI-Investitionen sorgen im Moment für einen Engpass bei Speicherchips, die auch Apple für seine Geräte braucht. Deshalb sieht sich der Konzern zu Preiserhöhungen gezwungen und erwartet eine Abschwächung seines Wachstums.
Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass der Erwartungsdruck höher geworden ist. An der Börse gibt es keinen Freibrief für KI-Investitionen mehr. Die Techkonzerne müssen einen glaubhaften Weg aufzeigen, wie sie daraus ein echtes Geschäftsmodell machen können.
