
Das Logistik-Unternehmen Contargo hat wegen des Niedrigwassers Container-Transporte mit Binnenschiffen stark eingeschränkt. Von den Häfen Frankfurt-Ost, am Industriepark Höchst, in Mainz-Gustavsburg und Koblenz würden keine Containerschiffe mehr losgeschickt, sagte der für das Rhein-Main-Gebiet zuständige Contargo-Regionaldirektor Kawus Khederzadeh am Mittwoch. Die Container würden stattdessen mit Lastwagen nach Neuss oder Emmerich gebracht, wo anders als auf dem Mittelrhein noch Containerschiffe fahren und die Fracht zu den Seehäfen weiterbefördern könnten. Je Container bedeute das Mehrkosten von mehr als 1000 Euro.
Die Entscheidung von Contargo bedeutet nicht, dass zwischen Frankfurt und Mainz gar keine Binnenschiffe mehr unterwegs sind. „Großvolumige flüssige Rohstoffe“ beispielsweise würden auch bei Niedrigwasser noch auf dem Wasserweg transportiert, wenn auch in geringeren Mengen als sonst, teilte die Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst, Infraserv, auf Anfrage mit. „Diese Mengen können in der Regel über andere Transportwege sowie durch Pufferkapazitäten im Tanklager von Infraserv Logistics ausgeglichen werden.“ Der Anteil der Containerware am Gütervolumen des Industrieparks sei vergleichsweise gering.
Contargo-Regionaldirektor Khederzadeh sagte, vom Frankfurter Osthafen und vom Hafen im Industriepark gebe es jede Woche auch fünf Güterzug-Verbindungen nach Hamburg, Rotterdam und Antwerpen. Diese Züge seien aber „bis Mitte August ausgebucht“. Die Einrichtung von „Landbrücken“ mit Lastwagen habe sich in der Vergangenheit bewährt, während des Niedrigwassers 2018 habe Contargo sogar von April bis September Container auf diesem Weg befördern lassen.
Unbefriedigend sei das dennoch, sagt der Logistiker: „Unsere Binnenschiffe sind ökologisch und ökonomisch betrachtet der beste Verkehrsträger.“ In den Containern befänden sich Waren aller Art, die Mehrkosten für den Transport bekämen deshalb früher oder später auch die Verbraucher zu spüren: „Diese Kosten zahlen wir alle.“ Und angesichts der aktuellen Wetterprognosen sei mit einer schnellen Rückkehr zum Schiffstransport nicht zu rechnen.
Die Frankfurter Reederei Primus-Linie bietet überwiegend Fahrten auf dem Main an. Wegen der Staustufen habe man dort selbst 2018 jederzeit anlegen können, sagte Geschäftsführerin Marie Nauheimer auf Anfrage. Eines der fünf Schiffe des Unternehmens sei allerdings auch bei Mainz und Wiesbaden auf dem Rhein unterwegs, dort müsse die Lage kontinuierlich neu bewertet werden.
