
Die Grundannahme der Wiesbadener Wohnungsbörse, die seit Mittwoch online ist, ist simpel. Da sind auf der einen Seite ältere Menschen, die gerne eine kleinere Wohnung hätten, weil die seit Jahrzehnten, früher noch mit Kindern bewohnte Wohnung inzwischen zu groß geworden ist. Auf der anderen Seite ist da das jüngere Paar, das ein Kind hat oder erwartet, aber in einer dafür eigentlich zu kleinen Wohnung lebt. Ein Tausch könnte die Wünsche beider Seiten erfüllen. Was liegt also näher, als eine Tauschbörse für Wohnungen im Internet einzurichten? Daher ist nun auch die Landeshauptstadt Wiesbaden dem Beispiel anderer Großstädte in Deutschland gefolgt, die Wohnungstauschbörsen mit Erfolg betreiben, wie Patricia Becher, Dezernentin für Wohnen, Soziales und Bildung, am Mittwoch vor der Presse sagte.
Persönliche Beratung als Ergänzung zur digitalen Tauschbörse
Becher hob zugleich hervor, dass eine solche Börse als Ergänzung des bestehenden Beratungsangebotes zu verstehen sei. „Wiesbaden greift diesen Ansatz nun auf und kombiniert die digitale Plattform mit einer persönlichen Beratung durch die Wohnberatung des Amtes für Soziale Arbeit“, führte Becher weiter aus. Der Prüfauftrag für den Magistrat stammt aus dem Jahr 2021. Zur Betreuung der Börse, die in Zusammenarbeit mit einem kommerziellen Anbieter für digitale Tauschbörsen aufgesetzt wurde, sind den Angaben zufolge anderthalb Stellen im Amt geschaffen worden. Genau beziffert wurden die Kosten am Mittwoch nicht, sie könnten aber wohl im sechsstelligen Bereich liegen, hieß es.
Die Stadt stelle mit der Tauschbörse ein Instrument zur Verfügung, das Menschen dabei unterstütze, eine Wohnung zu finden, die nach Größe und Ausstattung besser zu ihrer aktuellen Lebenssituation passe als das bislang genutzte Domizil, sagte Becher weiter. Sie sieht in der Börse zudem eine Möglichkeit für die Stadt, Wohnraum effizienter zu nutzen und die Fehlallokation von Wohnraum abzubauen, wie die Dezernentin weiter sagte. Die Börse sei ein Baustein zur Lösung der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt, das Förderprogramm zum Bau von bezahlbarem Wohnraum für niedrigere und mittlere Einkommen ein weiterer. Abgesehen davon arbeite die Stadt inzwischen gemeinsam mit anderen Kommunen an einer Leerstandsatzung, nachdem die Landesregierung dafür die Voraussetzungen geschaffen habe.
Tausch nicht ohne Vermieter möglich
In die neue Tauschbörse dürfen grundsätzlich alle Wiesbadener Mieter ihre Mietwohnung einstellen, seien es Wohnungen aus dem Bestand von Wohnungsbaugesellschaften oder auch Wohnungen in Häusern im Privatbesitz. Doch was im ersten Moment einfach klingt, birgt mögliche Konflikte. Daher rät Martin Vaché, Leiter der Abteilung Wohnen im Amt für Soziale Arbeit, allen in der Stadt, die die Tauschbörse nutzen wollen, dies mit der jeweiligen Vermieterin oder dem Vermieter zu besprechen. Zudem bietet die Stadt eine persönliche Beratung für Menschen, die gerne annoncieren möchten, aber noch Fragen zum Vorgehen haben.
Grundsätzlich haben sich Wohnungstauschbörsen Becher zufolge bereits in zahlreichen deutschen Städten als sinnvolle Ergänzung auf den angespannten Wohnungsmärkten erwiesen. Gedacht ist zudem daran, dem baden-württembergischen Modell zu folgen und der Vermieterseite eine Prämie von etwa 2000 Euro zu zahlen. Das soll diese davon abhalten, den üblichen Weg einer Neuvermietung zu beschreiten.
Die neue Wiesbadener Wohnungstauschbörse findet sich im Internet unter www.wiesbaden.de/wohnungstausch. Für Wiesbadenerinnen und Wiesbadener ist die Nutzung kostenfrei. Interessierte können ihre aktuelle Wohnung und ihre Wohnwünsche einstellen und nach Tauschmöglichkeiten suchen.
