Die große Sommerhitze hat den drei besucherstärksten Festspielen in Hessen bislang kaum etwas anhaben können. Sowohl die Burgfestspiele in Bad Vilbel als auch die Bad Hersfelder Festspiele und die Brüder Grimm Festspiele in Hanau berichten von einer sehr guten Publikumsresonanz. In Hanau wurden wegen der hohen Temperaturen allerdings acht Vorstellungen abgesagt. Trotzdem liegt die Zahl der Besucherinnen und Besucher auf dem Niveau des Vorjahres.
In Bad Vilbel setzt sich der Erfolgskurs der vergangenen Jahre fort. Rund 108.000 Eintrittskarten für die laufende Saison seien bislang verkauft worden, etwa 70.000 Besucherinnen und Besucher hätten bereits die historische Wasserburg besucht, berichtet Claus-Günther Kunzmann vom Kulturamt der Stadt. Die Nachfrage erstrecke sich über das gesamte Programm – von den Abendproduktionen über den Theaterkeller bis zum Kinder- und Familientheater. Besonders stark gefragt sind nach seinen Angaben «Die Feuerzangenbowle» und die Rockoper «Jesus Christ Superstar».
Für die nächsten Wochen blickt Bad Vilbel zuversichtlich nach vorn. Auch die erst vor wenigen Tagen gestartete Produktion «Wie im Himmel» entwickle sich zu einem Publikumserfolg.
Sprühnebel und mehr Sonnenschutz
Kunzmann zufolge hat die Hitze den Publikumszulauf bislang kaum verändert. «Die hohen Temperaturen haben sich bislang erfreulicherweise kaum auf den Publikumszuspruch ausgewirkt. Einen nennenswerten Rückgang der Besucherzahlen oder ein deutlich verändertes Buchungsverhalten konnten wir bislang nicht feststellen», sagte er.
Die Festspiele haben unter anderem den Einsatz von Sprühnebel ausgeweitet und den Sonnenschutz im Tribünenbereich durch zusätzliche Schattenspender ergänzt. Bereits vor einem Jahr waren zusätzliche Ventilatoren aufgestellt worden. Schatten für alle Plätze sei wegen der baulichen Gegebenheiten der Wasserburg aber nicht machbar, erklärte Kunzmann.
«Überwältigende Resonanz» auf Shakespeare-Musical
Für die Bad Hersfelder Festspiele sei es nach einer Spielzeit von rund einem Monat noch zu früh für ein erstes Fazit, erklärt Intendantin Elke Hesse. Da in dieser Saison wegen der Abstimmung mit dem Hessentag, der im Juni in Fulda gefeiert wurde, die Festspielzeit verkürzt worden sei und weniger Produktionen aufgeführt werden, seien Vergleiche zum Vorjahr nicht möglich.
«Derzeit können wir sagen, dass wir mit dem Verlauf der Festspielsaison sehr zufrieden sind», sagte die Intendantin. Hervorzuheben sei die «überwältigende Resonanz» auf das Shakespeare-Musical «Something Rotten!», die die Erwartungen übertroffen habe.
Die Sommerhitze habe das Interesse des Publikums bislang nicht negativ beeinflusst. Rückgänge wegen der Temperaturen seien nicht zu verzeichnen. Besucherinnen und Besucher, die spontan zu den Aufführungen kommen wollten, hätten in der Zeit extremer Hitze allerdings andere Termine gewählt.
Lob für Mentalität der Ensembles
«Eine Herausforderung waren die Temperaturen allerdings für die Ensembles. Hier ist die Mentalität der Darstellerinnen und Darsteller aller Stücke hervorzuheben», betonte die Intendantin. «Wir mussten nicht eine Veranstaltung absagen und das ist in Anbetracht vieler Absagen von Events bundesweit eine herausragende Leistung.»
Stabile Zahl trotz Absagen
In Hanau erreichten die Brüder Grimm Festspiele trotz der wetterbedingten Ausfälle bereits mehr als 90.000 Zuschauerinnen und Zuschauer – und damit den Vergleichswert des Vorjahres. «Großartig», freut sich Intendant Frank-Lorenz Engel. Die Spielzeit endet an diesem Samstag. Die Zuschauer hielten den Festspielen die Treue, sagt er. Die Hoffnung sei deshalb groß, dass sich diese Entwicklung in der kommenden Saison fortsetzt.
Besonders gut angekommen ist in Hanau nach Engels Einschätzung das musikalische Familienstück «Schneewittchen». Einen deutlichen Schub nach der Premiere habe zudem das Bühnenstück «Amadeus» erhalten, das zunächst weniger bekannt gewesen sei.
Wegen der Hitze mussten die Festspiele insgesamt acht Vorstellungen absagen. Mit zusätzlichen Ersatzvorstellungen und der Verlegung von Zuschauerinnen und Zuschauern auf andere Termine seien die Ausfälle teilweise ausgeglichen worden, berichtet Engel.
Durch die Sprinkleranlage in den Zuschauerraum
Die Festspiele reagierten unter anderem mit einer Bewässerung des Zuschauerraums, um ihn abzukühlen. Für die großen und kleinen Zuschauer gab es eine Sprinkleranlage vor dem Zuschauerraum. Und: Das Publikum durfte ausnahmsweise eigenes Wasser zu den Vorstellungen mitbringen.
Zur Abkühlung der Schauspieler wurden Ventilatoren auf die Bühne aufgestellt. Hinter der Bühne gab es laut dem Intendanten eine Vernebelungsanlage. Zudem standen für die Darstellerinnen und Darsteller in den Pausen Wannen mit kühlem Wasser für Fußbäder bereit. «Und wir haben Eis spendiert», sagt Engel.
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