
Für den Flugzeughersteller Airbus laufen die Geschäfte prächtig. Die am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Halbjahreszahlen übertreffen die Erwartungen der Analysten deutlich. Der konsolidierte Umsatz des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns legte innerhalb eines Jahres um zwölf Prozent, der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern um 24 Prozent und der Reingewinn sogar um 47 Prozent zu.
Der Vorstandsvorsitzende Guillaume Faury begründete die guten Ergebnisse vor allem mit den gestiegenen Auslieferungszahlen bei Zivilflugzeugen sowie der starken Leistung im Bereich Verteidigung und Raumfahrt. Tatsächlich hat Airbus zuletzt geliefert. In den Monaten April bis Juni hat der Konzern mit 237 Maschinen so viele Zivilflugzeuge ausgeliefert wie nie zuvor in einem zweiten Quartal.
Das erfreut nicht nur die Airlines, die mit Ende der Corona-Pandemie Rekordbestellungen aufgegeben haben – und wegen knapper Flugzeuge ihre Flotten nicht so modernisieren und ihr Angebot nicht so ausweiten können, wie sie gerne würden. Auch für Geschäftsführung und Aktionäre sind die Auslieferungszahlen von großer Bedeutung, da im Flugzeugbau traditionell erst mit der Auslieferung der Großteil des Kaufbetrags fließt.
Im ersten Halbjahr hat Airbus 351 neue Maschinen ausgeliefert. Am Konzernsitz in Toulouse sieht man sich damit auf einem guten Weg, das Jahresziel von 870 Auslieferungen zu erreichen – was eine symbolisch wichtige Marke wäre. Airbus würde damit einen Rekord aufstellen, erstmals das Vor-Corona-Niveau von 863 Auslieferungen überspringen und seine Stellung als Weltmarktführer im Zivilflugzeugbau unterstreichen.
Zuversicht an der Börse
Wiederholt hat Airbus wegen Lieferketten- und Produktionsproblemen in den vergangenen Jahren seine Ziele nach unten korrigieren müssen. Das verspielt viel Vertrauen auf Airline-Seite, zumal auch der krisengeplagte US-Rivale Boeing nur eingeschränkt liefern konnte. Im Gespräch mit Journalisten betonte Faury am Mittwoch, dass der Hochlauf der Flugzeugproduktion in allen Programmen oberste Priorität bleibe.
Das mittelfristige Produktionsziel für die mit Abstand wichtigste Baureihe, die A320-Familie, hat die Geschäftsführung allerdings abermals leicht aufgeweicht: Bislang sollten bis Ende kommenden Jahres 75 im Monat gefertigt werden, nun ist nur noch eine Erhöhung auf 70 bis 75 geplant; anschließend soll sich die Produktionsrate bei 75 stabilisieren.
An der Börse überwog zuletzt die Zuversicht, dass Airbus weiter liefern werde. Der Aktienkurs legte in den vergangenen Wochen zu. Mit rund 210 Euro ist das im Januar erreichte Allzeithoch von 221,30 Euro in Reichweite. Mit knapp 168 Milliarden Euro ist Airbus im deutschen Aktienleitindex Dax derzeit das drittwertvollste Unternehmen hinter Siemens und SAP.
Die Aussichten könnten schlechter sein: Vergangene Woche erklärte Airbus im Rahmen seines mittelfristigen Ausblicks, im Jahr 2029 ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Zinsen von zwölf bis 13 Milliarden Euro anzustreben – was deutlich mehr als die zuletzt im Jahr 2025 erreichten 7,1 Milliarden Euro wären. Dass Airbus verteilt über drei Jahre fünf Milliarden Euro für den Rückkauf eigener Aktien ausgeben will, erfreut Aktionäre zusätzlich; üblicherweise wirken solche Maßnahmen kursbelebend.
Über mangelnde Nachfrage wird Airbus über Jahre nicht klagen können. Im Gegenteil, neue Aufträge haben die Zahl der nicht abgearbeiteten Zivilflugzeugbestellungen auf mehr als 9200 getrieben. Zugleich läuft die Vorbereitung für ein neues großes Flugzeugprogramm: Während Boeing gerade die Markteinführung eines möglichen Nachfolgers seines 737-Bestsellers nach hinten verschoben hat, hält Airbus daran fest, einen Nachfolger der A320 Mitte der 2030er-Jahre auf den Markt zu bringen.
„Wir haben immer gesagt, dass der Starttermin gegen Ende dieses Jahrzehnts liegt, die Indienststellung erfolgt normalerweise sieben, acht Jahre danach, also in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts“, hatte der Airbus- Zivilflugzeugchef Lars Wagner kürzlich der F.A.Z. gesagt. Der A320-Nachfolger müsse ein „Gamechanger“ sein, nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit mit 20 bis 30 Prozent weniger Treibstoffverbrauch, sondern auch in Sachen Wartungsfreundlichkeit, Langlebigkeit und Konnektivität.
