
Am Ende war es wie fast immer im Jahr 2026. Auch gegen Bayer Leverkusen musste die Frankfurter Eintracht drei Gegentore hinnehmen, auch am Samstag blieb sie sieglos. Dennoch verband sich mit dem 1:3 gegen die Werkself ein kleiner Hoffnungsschimmer. Im vierten und letzten Spiel unter Interimstrainer Dennis Schmitt und seinem Assistenten Alex Meier erinnerten die Frankfurter nach Wochen der Depression wenigstens in einer Spielphase an bessere Zeiten, als sie als Kandidat für die Europacup-Plätze gehandelt wurden.
Nach Kochs Treffer zum 1:2-Zwischenstand in der 50. Minute verwickelte die Eintracht die Werkself in einen offenen Schlagabtausch, setzte sie sogar unter Druck und kam zu Ausgleichschancen. Aber zwei Aussetzer von Ellyes Skhiri beendeten nach 20 Minuten dieses Zwischenhoch. Der Tunesier wurde innerhalb von 90 Sekunden zweimal wegen groben Foulspiels verwarnt und musste mit Gelb-Rot den Platz verlassen.
Auch in Unterzahl kämpften die Frankfurter unverdrossen und erfolgreicher als in den vergangenen Wochen, hatten in der Schlussphase sogar durch Kopfbälle von Koch und Amenda nach Standardsituationen noch die Gelegenheit zum 2:2. Aber in Überzahl kontrollierten die Leverkusener doch weitgehend das Geschehen und erhöhten durch Garcia in der Nachspielzeit noch auf 3:1.
Am Sonntag betreut Riera noch NK Cele
Trainer Schmitt machte seinem Team in seiner Abschieds-Pressekonferenz ein großes Kompliment. „Die Jungs haben in der zweiten Halbzeit gezeigt, was in ihnen steckt. Wir haben uns das, was wir in der zweiten Halbzeit spielten, schon in der ersten Halbzeit vorgenommen. Aber wir waren zu passiv.“
Das Signal der Mannschaft an den neuen Trainer Albert Riera, der am Montag in Frankfurt seine Arbeit aufnehmen wird, war: Wir leben noch. Dennoch ist die Aufgabe für den 43 Jahre alten Spanier eine sehr schwere. In einem fremden Land, in einer fremden Liga, eine Mannschaft aufzurichten, die seit acht Spielen sieglos ist und dabei fünfmal verloren und 21 Gegentore hingenommen hat, dazu bedarf es großer Expertise und Überzeugungskraft. Dazu muss Riera, der am Sonntag noch ein letztes Mal seinen Klub NK Cele in der slowenischen Liga betreute, wieder offensive Abläufe einschleifen. Unter Interimstrainer Schmitt agierte die Eintracht zuletzt wieder etwas kompakter, fand aber in Ballbesitz keine Lösungen mehr, um zu Torchancen zu kommen.
Sportvorstand Markus Krösche sieht Riera gefordert: „Er muss wieder die Überzeugung in die eigene Stärke in die Gruppe hineinbringen.“ Die Arbeit des Interimstrainer-Gespanns kommentierte er so: „Dennis Schmitt und Alexander Meier haben es gut gemacht, ergebnistechnisch hat es aber nicht funktioniert.“ Die beiden Trainer werden wieder zu ihren Aufgaben bei der U21 und U19 der Eintracht zurückkehren, nachdem sie das erste Mal Profiluft als Trainer geschnuppert haben.
Die erste Halbzeit stellte für Krösche keinen Fortschritt dar, obwohl die Eintracht die Werkself 26 Minuten lang mit großem läuferischem Aufwand vom eigenen Strafraum weggehalten hatte. Aber wie so oft in den vergangenen Wochen führten die ersten gelungenen Angriffe des Gegners zum Rückstand. Arthur (26. Minute) und Tillman (33.) vollstreckten nach schönen Spielzügen. Danach folgte eine Phase Frankfurter Hoffnungslosigkeit bis zum Pausenpfiff. „Wir haben die ersten 45 Minuten verschlafen und zu einfache Gegentore bekommen“, so Krösche.
Eine große Torchance hatte die Eintracht in der ersten Halbzeit durch den VAR, der Schiedsrichter Robert Schröder auf ein Foul an Kalimuendo im Strafraum aufmerksam gemacht hatte. Aber auch auf den zweiten Blick am Videoschirm blieb Schröder bei seiner Meinung, dass Andrichs Tritt nicht elfmeterreif gewesen sei.
Die zweite Halbzeit gefiel dem Sportvorstand besser, bis auf Skhiris Platzverweis: „Da muss er sich in dieser Situation cleverer verhalten, nachdem er gerade erst verwarnt worden war“, sagte Krösche zum zweiten Foul des Tunesiers. Die Fehleinschätzung des erfahrenen tunesischen Nationalspielers zeigt: Die Eintracht-Spieler sind nach einer Serie von Misserfolgen verunsichert und haben ihre Mitte verloren. Von den Ansprüchen auf einen Platz in einem der nächsten europäischen Wettbewerbe sind sie meilenweit entfernt. Im momentanen Zustand kann der Blick in der Tabelle nur nach unten gehen. Es sei denn, dem neuen Trainer gelingt ein kleines Fußball-Wunder. Mittelfeldspieler Oscar Hojlund sagte nach dem Abpfiff in einem Eintracht-Fantalk: „Wir freuen uns jetzt auf den neuen Trainer.“ Ziele mochte der Däne nicht ausgeben: „Wir müssen als Gruppe zusammenstehen und von Spiel zu Spiel denken.“
