Die Spekulationen begannen kurz nachdem sein Management die Los Angeles Lakers über seine Entscheidung informiert und das Team ihm öffentlich für insgesamt acht Dienstjahre gedankt hatte. Denn sicher war zu jenem Zeitpunkt nur: LeBron James wollte nicht mit 41 Jahren sang- und klanglos seine NBA-Karriere und seine Nike-Kicks an den Nagel hängen. Er hatte nämlich seinem Agenten den Auftrag gegeben, mit jeder Mannschaftsführung zu reden, die an einem Ausnahmebasketballer wie ihm trotz seines fortgeschrittenen Alters Interesse bekundete.
Als erste heiße Aspiranten wurden die Golden State Warriors gehandelt, wofür einige vorhandene Mosaiksteine sprachen. Darunter die Erfolgsgeschichte mit vier Meisterschaften zwischen 2015 und 2022 und die guten Beziehungen zum formidablen Distanzschützen Stephen Curry und zu Trainer Steve Kerr, mit denen zusammen James 2024 in Paris olympisches Gold gewonnen hatte.
Brodelnde Gerüchteküche um James
Kurz darauf kochte in der Gerüchteküche allerdings der Name der New York Knicks hoch. Und das nicht nur, weil mit einem veritablen Superstar im Kader die Aufgabe etwas leichter sein dürfte, den soeben gewonnenen Titel zu verteidigen. Die Millionenmetropole ist Amerikas intensivster Durchlauferhitzer für die Selbstvermarktung eines jeden Entertainers, egal, in welchem Zweig der Branche er beschäftigt ist.
Aber das Team ließ die Avancen von LeBrons Manager offensichtlich abtropfen. „New York weiß zu schätzen, was es hat“, lautete das Feedback, das irgendwann aus dem Madison Square Garden durchsickerte. Die Spieler um Kapitän Jalen Brunson, die in der letzten Saison auf überzeugende Weise zusammengewachsen waren, haben, solange sich niemand verletzt, keine ernsthaften Schwachstellen.
So sprach zwischendurch auf einmal auch sehr viel für eine abermalige Rückkehr in die alte Heimat Ohio, wo der aus Akron stammende James im nahen Cleveland bereits zweimal alles gegeben hatte. In der ersten Phase von 2003 bis 2010 hatte es für den erfolgreichsten Korbschützen in der Geschichte der NBA nur zu einer einzigen Finalteilnahme gereicht. Im zweiten Anlauf kamen zwischen 2015 und 2018 immerhin vier Endspielserien dazu. Sowie ein Meisterschaftserfolg (2016).
Neues Team mit einer bescheidenen Bezahlung
Aber die Sehnsucht war wohl nicht groß genug. Und so landete er vor wenigen Tagen bei den Philadelphia 76ers und ließ sich für einen Zwei-Jahres-Vertrag mit einem für seine Verhältnisse geradezu bescheidenen Salär von insgesamt acht Millionen Dollar anheuern (rund sieben Millionen Euro).
Das Rätselraten geht seitdem allerdings weiter: Was genau sind die Pluspunkte einer Mannschaft, deren letzter Meisterschaftserfolg von 1983 datiert und die 2001 zum letzten Mal in der Finalserie stand? Sind es die Play-offs der letzten Jahre, in denen es die Mannschaft relativ stabil bis unter die letzten acht schaffte und demonstrierte, dass es nur noch an wenig Schubkraft mangelt, um sich bis nach ganz oben durchzukämpfen?
Oder war es etwa der Spielertausch, bei dem Philadelphia wenige Tage nach Beginn der Jobsuche von James den erstklassigen Jaylen Brown bei den Boston Celtics losgeeist hatte und damit die 76ers eindeutig stärker gemacht hat? Nur so viel ist klar: James hatte keine Lust mehr auf die Western Conference, wo zwei starke junge Teams noch einige Jahre ein Abonnement auf die Tabellenspitze haben dürften: die Oklahoma City Thunder und die San Antonio Spurs.
Vierter Umzug in 23 Jahren
Obendrein ist die Distanz zwischen Philadelphia sowie der Trainingshalle des Teams in Camden (New Jersey) zu New York, wo man in luxuriösen Penthouses hoch im Himmel über dem geschäftigen Gewusel wohnen kann und eine hervorragende Aussicht genießt, nicht unbedingt der Rede wert. Man braucht mit dem Helikopter keine Stunde für die Strecke.

Der Umzug zu seinem vierten Team in den 23 Jahren seiner NBA-Karriere, in denen er viermal Meister wurde, zehnmal in der Finalserie stand, 22-mal in die All-Star-Auswahl berufen wurde und die meisten NBA-Begegnungen in der Geschichte der Liga auf dem Platz stand (1622 in der regulären Saison und 302 in den Play-offs), fand naturgemäß weniger Beachtung als die Wechsel in der Vergangenheit.
Er klärt allerdings für alle anderen an einem Team-Umbau interessierten Mannschaften das Tableau ihrer Möglichkeiten. Ein Spiel hinter den Kulissen, zu dem bereits der Transfer von Giannis Antetokounmpo von den Milwaukee Bucks zu den Miami Heat und der von Brown zu den 76ers beigetragen hatten. So können sich etwa die Cavaliers (mit James Harden) oder die Warriors (mit Draymond Green) vertraglich mit ihren Leistungsträgern beschäftigen, anstatt sie als Pokerchip für eine etwaige Tauschaktion zu betrachten.
Zukunft von Bronny ist ebenfalls gesichert
Auch für LeBron Jr., genannt Bronny, ist die Zukunft bis auf Weiteres gesichert. Der älteste Sohn der James-Familie hat bei den Lakers einen Vertrag, der frühestens Ende der kommenden Saison ausläuft.
Nur eine Mannschaft weiß bis auf Weiteres überhaupt nicht, woran sie ist: die Toronto Raptors. Die Kanadier hatten sich mit den Los Angeles Clippers auf eine Rückkehr von Kawhi Leonard verständigt, der sie 2019 zu ihrem bislang einzigen Titel geführt hatte. Doch wenige Tage nachdem das Arrangement bekannt wurde, stoppte die Liga den Vollzug, solange nicht das Ergebnis der NBA-Untersuchung vorliegt, bei der geprüft wird, ob die Los Angeles Clippers und Leonard gegen die Salary-Cap-Regeln verstoßen haben.
Die NBA hatte sich gezwungen gesehen, im September eigene Ermittlungen anzustreben, nachdem der Investigativjournalist und Podcaster Pablo Torre erstmals über einen Werbevertrag im Wert von 28 Millionen Dollar zwischen Leonard und der Firma Aspiration Fund Adviser LLC berichtet hatte. Leonard droht aufgrund der zahllosen Indizien eine längere Sperre. Auch die Clippers müssen mit Sanktionen rechnen.
