Kommt die CDU nun ihrem lange verfehlten Anspruch näher, „eine moderne und zukunftsorientierte Volkspartei zu sein, in der Frauen und Männer gleichermaßen Verantwortung übernehmen“, wie es im jüngsten Gleichstellungsbericht der Partei heißt? Schließlich installiert Friedrich Merz zwei Frauen an einflussreichen Positionen in seiner Regierung und seiner Partei: Nina Warken – die auch Bundesvorsitzende der Frauen-Union ist – wird Kanzleramtschefin und Franziska Hoppermann CDU-Generalsekretärin. Angesichts des Unmuts in der Partei über die Personalveränderungen: Kann der Kanzler zumindest das auf der Habenseite verbuchen?
Nach der Bundestagswahl lag der Frauenanteil der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bei 23 Prozent, was nur von der AfD unterboten wird (11,8 Prozent). Merz holte dann vier Frauen und sechs Männer aus der Union ins Kabinett, Julia Klöckner (CDU) war zur Bundestagspräsidentin aufgestiegen. Die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Mechthild Heil, zeigte sich damit damals einigermaßen zufrieden, auch wenn die Gruppe der Frauen zuvor gefordert hatte, jedes zweite Spitzenamt mit einer Frau zu besetzen. Im unmittelbaren Umfeld des Kanzlers waren auf Schlüsselpositionen allerdings nur Männer zu sehen, allen voran Thorsten Frei als Kanzleramtschef und Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender.
Mit Blick auf den aktuellen großen Personalumbau begrüßt Mechthild Heil nun zwar grundsätzlich, dass Merz zwei Toppositionen an Frauen vergeben hat. „Ich freue mich darüber, dass Nina Warken jetzt Kanzleramtsministerin wird und Franziska Hoppermann Generalsekretärin“, sagt sie der F.A.Z.
Den entscheidenden Durchbruch scheint sie darin nicht zu sehen. Denn auf die Frage, ob die CDU nun weiblicher wird, antwortet sie: „Das kann man eigentlich nicht behaupten.“ Wenn sie das gesamte Tableau im Kabinett betrachte, habe es lediglich Verschiebungen gegeben. „Es wäre eine Gelegenheit gewesen, eine weitere Frau in ein Ministeramt zu bringen, aber das ist nicht passiert.“

Seit Juli vergangenen Jahres gilt: Von der Kreisverbandsebene aufwärts wird bei Wahlen von Parteiämtern eine Frauenquote von 50 Prozent angestrebt. Und bei der Aufstellung von Listen für Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen sowie Wahlen zum Europäischen Parlament soll unter drei aufeinanderfolgenden Plätzen jeweils mindestens eine Frau vorgeschlagen werden. Zusätzlich sollen unter den ersten zehn Listenplätzen mindestens zwei weitere Frauen vorgeschlagen werden.
In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Frauenanteil in der Partei nur leicht von 25,2 Prozent (2004) auf 26,6 Prozent (2025) gestiegen, wie aus dem Gleichstellungsbericht hervorgeht. An der Spitze der Partei sieht es anders aus. Im vergangenen Jahr betrug der Frauenanteil im Präsidium laut Gleichstellungsbericht 50 Prozent (2004: 28,6 Prozent) und im wesentlich größeren Bundesvorstand 45 Prozent (2004: 40 Prozent). In den Landesvorständen sei die Quote nahezu überall erreicht worden. „Gleichzeitig bleibt viel zu tun. In kommunalen Spitzenämtern sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert“, heißt es im Bericht. Aussagekräftig für die Lage an der Basis ist besonders diese Zahl: Von den 324 Kreisvorsitzenden waren im vergangenen Jahr nur 54 Frauen.
„Bei uns sind nach wie vor die Männernetzwerke stärker“
Serap Güler zählt zu den CDU-Frauen, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich Karriere in Partei und Regierungen machen konnten. Seit 2012 gehört sie Gremien der Bundes-CDU an. In Nordrhein-Westfalen war sie unter Ministerpräsident Armin Laschet von 2017 an Integrationsstaatssekretärin. Im Mai 2025 machte sie Kanzler Friedrich Merz zur Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Kurz davor übernahm Güler das Amt der Kölner CDU-Chefin – sie zählt also zu den wenigen Frauen, die an der Spitze eines CDU-Kreisverbands stehen. Dass es vor allem auch auf kommunaler Ebene so wenige CDU-Frauen gibt, erklärt sich Güler im Gespräch mit der F.A.Z. damit, dass Frauen ihre Prioritäten anders setzen und „zu wenige sich nach vorne“ trauen. „Und machen wir uns nichts vor: Bei uns sind nach wie vor die Männernetzwerke stärker.“
Umso mehr freut sich Güler über Merz’ jüngste Entscheidungen. „Es ist gut und es wurde Zeit, dass mehr Frauen in der ersten Reihe stehen und somit sichtbarer werden“, sagt die Staatsministerin und weist auf einen aus ihrer Sicht weiteren wichtigen Aspekt hin: Mit Nina Warken und Franziska Hoppermann „sind jetzt auch zwei Frauen im Koalitionsausschuss vertreten, die den Blick in dieser Runde weiten und ihre volle Kompetenz einbringen können“.
Auch Ina Scharrenbach, die Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Frauen-Union und nordrhein-westfälische Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung ist, begrüßt die jüngsten Berufungen. Die Frauen-Union sei immer eine starke Kraft in der CDU gewesen. Mit der neuen Kanzleramtsministerin und der neuen Generalsekretärin werde das nun noch sichtbarer. „Frauen sind unverzichtbare Impulsgeberinnen in unserer Partei, und ohne Frauen ist Politik immer nur die Hälfte wert“, sagt Scharrenbach der F.A.Z.
Auch sie findet: Es bleibt noch viel zu tun. „Gerade auf kommunaler Ebene brauchen wir mehr Frauen in den Räten, an der Spitze der Verwaltungen und in den Bürgermeisterämtern.“ Dafür müssten Frauen gezielt ermutigt, ihnen müsse der Weg in politische Verantwortung erleichtert und die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt weiter verbessert werden. „Gleichstellung ist kein Selbstläufer, sondern eine dauerhafte Aufgabe für Partei und Regierung.“
