Als Sohn eines Talmud-Gelehrten hatte auch Saul Leiter zunächst das Ziel, Rabbiner zu werden. Doch verließ er 1946 im Alter von 23 Jahren das theologische Seminar in Cleveland und zog nach New York, um sich fortan der Bildenden Kunst zu widmen. Als sein Medium sollte sich dann aber nicht die Leinwand, sondern die Kamera erweisen, nachdem ihn ein Bekannter, der Maler Richard Pousette-Dart, für die Fotografie interessiert hatte.

Leiter begann mit einer 35-Millimeter-Kamera zu experimentieren, zunächst noch in Schwarz-Weiß, doch schon bald in Farbe, obwohl die Farbfotografie in den Fünfzigerjahren vielen Puristen noch als „vulgär“ galt. Leiters eher malerischer als dokumentarischer Bildstil erhob sich aber von Beginn an über dieses Vorurteil. Mit Soft-Focus-Effekten, Spiegelungen oder Verzerrungen schuf er nachgerade traumhafte Ansichten, mit denen er Maßstäbe in der Street Photography setzte. Seine Straßenszenen in New York oder auch in Paris wirken wie aus dem Augenwinkel wahrgenommene Impressionen, in denen sich urbane Geschäftigkeit und Momente des Innehaltens vereinen.
Heute gilt der 2013 verstorbene Leiter als einer der bedeutendsten Vertreter der sogenannten New York School of Photography, deren Sujet die Stadt oder vielmehr das Stadtbild selbst waren. Leiters Interesse galt aber nicht nur der Straße. Auch als Mode- und Porträtfotograf machte er sich einen Namen, arbeitete für Zeitschriften wie „Esquire“, „Harper’s Bazaar“, die britische „Vogue“ und „Elle“.
Obwohl einige Arbeiten von ihm schon in den Fünfzigerjahren in die Sammlung des Museum of Modern Art aufgenommen worden waren, dauerte es bis in die Nullerjahre, bevor Leiters Werk auch in großen Ausstellungen Würdigung fand. Eine exquisite Auswahl von mehr als 70 Fotoarbeiten dieses Pioniers der lyrischen Farbfotografie ist noch bis 26. August in der Leica Galerie, Großer Hirschgraben 15, in Frankfurt zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr sowie samstags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
