
Wenn Peter Wörner sich selbst beschreibt, klingt das so: Er ist ein Tierfreund, der die Natur liebt. Und er bevorzugt es, Zeit draußen und möglichst weit weg von anderen Menschen zu verbringen. Ein Menschenfeind sei er aber nicht, sondern sehr hilfsbereit, sagt der Angeklagte. Auch sein Liebesleben spiele für ihn eine wichtige Rolle, so sehr, dass er sich eine Zeit lang Tipps von einem vermeintlichen Hellseher und einer Astrologin holte. Letztere habe ihm prophezeit: 2025 lerne er die Liebe seines Lebens kennen, 2026 heirate er sie.
Nun sitzt Peter Wörner, der ehemalige Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) und „Survival Trainer“, allerdings seit fast drei Jahren in Untersuchungshaft und seit Mai 2024 vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt. Bewahrheitet hat sich die Vorhersage des Hellsehers also nicht. Seit mehr als zwei Jahren verhandelt der Staatsschutzsenat gegen Wörner und acht weitere Angeklagte. Hochverrat und die Gründung einer terroristischen Vereinigung werden ihnen vorgeworfen. In den ersten Wochen des Prozesses hatte Wörner sich bereits „zur Person“ geäußert, also seinen Lebenslauf nachskizziert und persönliche Angaben gemacht. Nun will er auch zu den Vorwürfen, die ihm die Anklage macht, Stellung beziehen.
Die Aussage, die der Achtundfünfzigjährige an diesem Verhandlungstag vorliest, ist zugleich eine Antwort in Richtung München. Denn neben dem Prozess in Frankfurt führen auch ein Gericht in Stuttgart und eben eines in München Prozesse gegen weitere Angeklagte, die laut Bundesanwaltschaft an Umsturzplänen der Gruppe beteiligt waren. Und in München war Wörner zuletzt belastet worden.
Die Angeklagten haben nur helfen wollen, sagt Wörner
Denn wenn andere über Peter Wörner sprechen, klingt das anders als bei ihm selbst. Thomas T., einst Wörners Hellseher des Vertrauens, sagte am Münchner Oberlandesgericht, er habe dem früheren Elitesoldaten zugetraut, bei der Planung eigene Wege zu gehen. Wörners Gewaltphantasien hätten ihn alarmiert. Er habe die Möglichkeit, dass Wörner Gewalt anwenden würde, deshalb in gewissem Maße in Kauf genommen. Für Wörner ist diese Aussage „eine böse Unterstellung“, wie er am Dienstag vor Gericht sagt. Vielmehr sei T. die „graue Eminenz“ der Gruppe.
Für Wörner gibt es in dem Verfahrenskomplex drei Hauptschuldige: Thomas T., die bereits verstorbene Astrologin Hildegard L., beide in München angeklagt, und den in Stuttgart vor Gericht stehenden Marco v. H. Die ersten beiden Angeklagten bezeichnete er als „Rasputin“, Marco v. H. als „Lügenbaron von Münchhausen“. Die Angeklagten in Frankfurt hingegen hätten alle nur helfen wollen: „Wir haben ihnen geglaubt, das war unser Verbrechen.“
Wörners Aussage nach haben vor allem die drei Lügen verbreitet, die die Gruppe immer mehr an ein bevorstehendes Eingreifen einer ominösen Allianz glauben ließen. Thomas T. habe dabei von Eingebungen von militärischen Einsätzen am Reichstagsgebäude berichtet, in denen auch Maximilian Eder und Peter Wörner vorgekommen sein sollen. Da Thomas T. unter anderem eine Liebesbeziehung Wörners vorhergesehen habe, sei er von dessen Fähigkeiten überzeugt gewesen. Heute sieht er das anders.
Wörner glaubte an das Eingreifen einer „Allianz“
Auch für ein Video, das Wörner im Mai 2021 auf Youtube hochgeladen hatte, sollen T.s Vorhersagen der Auslöser gewesen sein. In dem Video sagt Wörner, dass „diese verbrecherische Clique in Bund und Ländern abtreten“ müsse. Es komme etwas „völlig Neues“, voraussichtlich werde ein Rat entstehen, der vom Militär gestützt werde. Gemeint habe er damit das Eingreifen einer militärischen „Allianz“, von dem er aufgrund der Prognosen fest ausgegangen sei.
Das Video „war dazu gedacht, Leuten Mut zu machen“, sagt Wörner nun vor Gericht. „Die Leute hatten Angst vor Zwangsimpfungen und Repressalien.“ Er habe dieses Eingreifen der „Allianz“ als plausibel eingeschätzt. Seine Begründung dafür: „Weil wir keine volle Souveränität haben, wird das irgendwann vorbei sein. Dann werden wir eine Verfassung kriegen und die volle Souveränität.“ Ein typisches Reichsbürgernarrativ.
Alles in allem weist Wörner an diesem Tag die Anklagevorwürfe zurück. Man habe zwar über eine „militärische Aktion“ am Bundestag gesprochen, aber auch ihm zufolge war klar: Es finde ein Eingreifen durch die Initiative der „Allianz“ statt. Die Führung durch den Bundestag, die die Angeklagte und frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann stets als „touristische Aktion“ bezeichnet hatte, habe auch vor dem Hintergrund dieses Plans stattgefunden. Das habe auch Malsack-Winkemann gewusst, beide hätten darüber im Vorfeld gesprochen. Der früheren AfD-Politikerin sei von Hildegard L. zuvor gesagt worden, dass sie in einem „neuen Deutschland“ die Rolle der Justizministerin einnehmen werde. Die Angeklagte selbst hatte dies immer bestritten.
Es sei auch klar gewesen, dass bei dieser „militärischen Aktion“ Waffen eingesetzt werden sollten, sagt Wörner. Dass jemand dabei ums Leben kommen könnte, will er aber nicht angenommen haben. Thomas T. habe auch dazu eine Voraussagung gehabt: Ihm zufolge falle bei der Aktion kein Schuss. Die Aussage von Peter Wörner wird fortgesetzt.
