Frau Toutchkov, wie konnte sich das Feuer an der französischen Atlantikküste so schnell ausbreiten und bis auf das Ballungsgebiet von Bordeaux vorrücken?
Der wichtigste Faktor ist das Wetter. Wir erleben einen außergewöhnlichen Hitzesommer, der alle Rekorde bricht. Die Vegetation ist völlig ausgedörrt und bietet idealen Brennstoff. Die globale Erwärmung schreitet schneller voran als die Anpassungsfähigkeit der Wälder.
Aber gibt es nicht auch Versäumnisse beim Brandschutz?
Wir erleben seit Ende Juni eine ungewöhnliche Trockenheit. Unsere Messungen haben ergeben, dass die Bäume lange vor dem Herbst bereits im Herbst-Modus sind. Der Brandschutz ist seit dem Flächenbrand bei La Teste-de-Buch am Becken von Arcachon 2022 weiter verbessert worden. Aber dennoch ist der Seekiefernwald an der Atlantikküste besonders gefährdet.
Warum ist der Wald gefährdet? Liegt es an der Monokultur?
Wir sprechen über einen Nutzwald, der einen echten wirtschaftlichen Faktor für die Region darstellt. Deshalb ist jeder Hektar für die Eigentümer wichtig. Das erklärt, warum nicht so große Brandschneisen wie etwa an der Côte d’Azur durch die Wälder geschlagen wurden. Zudem handelt es sich um eine sehr große Ausdehnung der Waldfläche, die nicht wie anderswo durch landwirtschaftliche Nutzflächen oder Industriegebiete unterbrochen wird. Die Monokultur ist nicht das Problem. Auf dem sandigen Boden der einst sumpfigen Küstenlandschaft wachsen kaum andere Baumarten.

Aber wie gut steht es wirklich um den Brandschutz?
Der Seekiefernwald ist gut ausgestattet, mit vielen Wasserzisternen und einem ausgewiesenen Netz von Brandschneisen. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass die Brandursache vermutlich auf Reinigungsarbeiten im Unterholz zurückzuführen ist. Dabei soll es zu einem Funkensprung durch die Maschinen gekommen sein. Für die Holz- und Papierwirtschaft ist der Brandschutz und damit auch die Reinigung des Unterholzes ein enorm wichtiges Anliegen.
Ist der Wald jetzt für die Nutzung verloren?
Nein, denn das Feuer galoppiert ziemlich schnell durch. Die Flammen schwärzen die Rinde der lebenden Bäume, die weiter mit Saft versorgt werden. Der Stamm der Seekiefern ist feucht, was das Holz schützt. Das heißt, das Holz kann verkauft werden, wenn auch mit Abschlägen, denn die holzverarbeitenden Betriebe arbeiten nicht gern mit Brandholz. Aber es ist klar, dass unter den gefällten Bäumen viele sein werden, die ihr Wachstum nicht beendet hatten. Für die Waldbesitzer wird es immer schwieriger werden, ihren Baumbestand zu versichern.
Wie können Flächenbrände wie der derzeitige künftig verhindert werden?
Gegen Klimaphänomene wie die Rekordtrockenheit derzeit helfen die besten Präventionsmaßnahmen nicht. Das heißt aber nicht, dass wir untätig wären. Seit den Großbränden im Jahr 2022 ist unsere Forstbehörde auf dem gesamten Staatsgebiet im Einsatz. Die Prävention beginnt im Winter mit der Entbuschung in Risikogebieten. Im Sommer versuchen wir, die Bevölkerung für den Brandschutz zu sensibilisieren. Viele Waldgebiete müssen aber für Wanderer und Radfahrer gesperrt werden. Vor Ort patrouillieren meine Kollegen. Sie verfügen über Pick-ups, die mit Wassertank und Löschlanzen ausgestattet sind, falls Brände ausbrechen sollten.
Die staatliche Waldbeobachtungsstelle in Frankreich schreibt in ihrem jüngsten Bericht, die Zahl der Brandflächen habe sich zwischen 2000 und 2024 halbiert. Wie passt das mit dem Eindruck zusammen, dass es immer mehr Waldbrände gibt?
Es wurden echte Fortschritte bei der Prävention und bei der Brandbekämpfung erzielt. Leider bildet der Hitzesommer 2026 eine traurige Ausnahme. Der Klimawandel ist einfach schneller als wir Waldschützer.
