Bauen war in der DDR die Sache kollektiver Projektierungs- und volkseigener Baubetriebe. Die individuelle architektonische Schöpfungsleistung verschwand in der „Vergesellschaftung der Entwurfsleistung“. Erst in der späteren DDR konnten sich Architekten mit ihren Entwürfen einen Namen machen. Roland Korn, 1973 bis 1989 Chefarchitekt Ostberlins, war einer der bedeutendsten von ihnen. 1930 im thüringischen Saalfeld geboren, studierte er nach einer Maurerlehre Bauingenieurwesen und arbeitete anschließend beim VEB Projektierung in Berlin und bis 1955 beim Generalprojektanten an der „ersten sozialistischen Stadt“ Stalinstadt, 1961 in Eisenhüttenstadt umbenannt.

Ab 1961 bekam er die Möglichkeit, bedeutende Bauvorhaben in Berlin zu planen, darunter das Staatsratsgebäude (heute die private Hochschule ESMT) sowie von 1965 bis 1970 das Interhotel Stadt Berlin (heute „Park Inn“) und 1968 bis 1971 das Haus des Reisens am Alexanderplatz. Derlei „Gesellschaftsbauten“ konnten nur bedingt mit den gängigen industriellen Bausystemen realisiert werden und boten deshalb die Möglichkeit individueller Gestaltung.
Sie sind es auch, die man heute als Ostmoderne bezeichnet, ein Begriff, der im Nachhinein die bis zur Wende verkannte Entwurfs- und Gestaltungsleistung der Architektur im DDR-Regime würdigt. Deren Protagonisten sollten sich offiziell an Moskau orientieren, blickten aber immer auch über die Schulter nach Westen. Die Einflüsse waren zwar eine Einbahnstraße von West nach Ost, doch die Ostmoderne, so das Credo heute, hat respektable Bauten hervorgebracht, von denen einige, wie die Roland Korns, zu Recht bereits unter Denkmalschutz stehen.

Als Stadtarchitekt organisierte er den Bau der Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf, beendete aber auch, im Hinblick auf das in beiden Stadthälften groß gefeierte Schinkel-Jubiläum 1981, die Doktrin des Abrisses historischer Quartiere zugunsten schematischer Plattenbauphalanxen. So entstand das weitgehend auf dem historischen Straßennetz neu aufgebaute Nikolaiviertel mit einigen erhaltenen Altbauten, das als ein Stück neue Altstadt in Berlins Mitte fungiert. In diesem Sinn hat Korn von 1985 bis 1987 auch das Dom-Hotel gebaut (heute „Hilton“), das mit seiner in Barockformen schwelgenden Fertigteilfassade die Südseite des Gendarmenmarkts abschließt.
Nach der Wende verblieb Roland Korn in der Senatsverwaltung von Berlin, wo der streitbare Planer und Vordenker sich aber nicht am richtigen Platz fühlte. Er quittierte den Dienst und arbeitete noch bis ins Jahr 2000 als freier Architekt. In seiner Wahlheimat Gera starb er am 20. Juli im Alter von 96 Jahren
