Trotz drückender Hitze bei hochsommerlichen Temperaturen hat Para-Ruderin Kathrin Marchand allen Grund für ein cooles Lächeln gehabt. Gemeinsam mit ihrem Partner Valentin Luz erkämpfte sie sich am Samstagmittag im Para-Mixed-Zweier die Goldmedaille bei den Finals in Hannover. „Ich finde, die Finals sind eine tolle Veranstaltung, und es war auch sehr gut, dass wir daran teilnehmen“, sagte Marchand nach dem 350 Meter langen Sprintrennen auf dem Maschsee. „Es hat echt viel Spaß gemacht, und es war auch gut, wieder Präsenz zu zeigen.“
Nach dem erfolgreichen Ruder-Comeback mit Gold beim Weltcup in Luzern vor rund einem Monat unterstrich die Fünfunddreißigjährige, die zusätzlich auch bei den vergangenen Winterparalympics in Italien im März nur knapp im Para-Langlauf Bronze verpasste, ihre Ambitionen für Los Angeles. 2028 will das erfolgreiche Multitalent bei den Sommer-Paralympics nämlich endlich das lang ersehnte Edelmetall in den Händen halten.
Viel Reichweite als Para-Sportinfluencerin
Auch außerhalb des Sports sorgt Marchand, die 2021 einen Schlaganfall überlebte und seitdem mit den Folgen kämpft, für reichlich Aufsehen. Über ihren Instagram-Account, dem mittlerweile mehr als 19.000 Menschen folgen, informiert sie über ihre Behinderung sowie den Alltag als Para-Athletin und Medizinerin. Ihre Beiträge, in denen sie unter anderem auch mangelnde Sportförderung oder Unterstützung für Menschen mit Behinderung kritisiert, bringen Marchand allerdings nicht nur digitale Zustimmung. Denn mit dem Bekanntheitsgrad steige auch die Anfeindung.
„Ich lade Videos hoch, bei denen ich weiß, dass das viel diskutiert wird“, sagte Marchand. „Was aber trotzdem ein Unding ist, sind solche Kommentare, in denen mir jemand meine Behinderung abspricht, weil man mir die Folgen nicht direkt ansieht, oder mich beleidigt, weil ich aktuelle Zustände kritisiere.“ Unterkriegen lässt sich Marchand von den mittlerweile zahlreichen ableistischen oder sexistischen Kommentaren aber nicht.
Einen Beitrag, bei dem ihr ein Follower gar dazu riet, Selbstmord zu begehen, brachte Marchand schließlich zur Anzeige. „Ja, ich gebe auch Kontra“, sagte Marchand. „Es liegt liegt nicht in meiner Natur, mir Dinge einfach so gefallen zu lassen. Das war schon als Kind so. Wenn mir jemand meinen Erfolg abspricht, dann kann ich solche Menschen ohnehin kaum ernst nehmen.“
Digitaler Raum ist kein rechtsfreier Raum
Dennoch dürfe der digitale Raum kein rechtsfreier Raum werden. Wer in der Anonymität des Internets die Würde anderer verletze, müsse auch mit Konsequenzen rechnen. Kraft und Motivation findet Marchand hingegen auch in ihrer neu entdeckten Doppelfunktion als Vorbild für Sportbegeisterte und Menschen mit Behinderung gleichermaßen. „Jetzt bei den Finals kamen auch viele Leute zu mir, die mir auf Instagram folgen und mit mir reden wollten und auch gesagt haben, dass ich so weitermachen soll“, sagte sie.
„Das war sehr schön, so ein Feedback zu bekommen.“ Viel Zeit zum Durchatmen bekommt Marchand indes nicht, denn bereits am kommenden Wochenende folgt für sie nach den Winterparalympics von Mailand und Cortina eine Rückkehr in den italienischen Norden. Vom 31. Juli an finden dort in Varese die Europameisterschaften statt. Auch mit Abkühlung ist nicht zu rechnen. Fast 40 Grad Celsius sind für die Wettkämpfe angesagt. „Bei den Winterparalympics im März war es mit 15 Grad zu warm“, sagte Marchand. „Aber diese Temperaturen wären jetzt perfekt.“
