
Der mutmaßliche Attentäter, der am Rande des CSD mindestens eine Frau getötet und mehrere Menschen schwer verletzt haben soll, war seit einiger Zeit im Visier von Staatsschutz und Polizei, Gerichten und Justiz. Er war wegen seines radikalisierten Islamismus in Verbindung mit der Vorbereitung terroristischer Straftaten aufgefallen. Nach Angaben der Polizei war der Tatverdächtige ihr bekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet. Mehrere Medien berichteten von Sympathien für die Terrormiliz „Islamischer Staat”.
Nach Angaben von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) liegt eine Verurteilung zu einer Haftstrafe auf Bewährung vor, die aber nicht rechtskräftig ist. Der Beschuldigte Abdul Ballout, dessen vollen Namen Dobrindt nannte, sei zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dagegen habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Schon in der Vergangenheit sei der Tatverdächtige „auffällig“ geworden, „durch ein hohes Maß an Straftaten“, sagte Dobrindt.
Der Verdächtige sollte sich deradikalisieren
Noch im Mai hatte sich Ballout in Justizgewahrsam befunden. Auch soll er sich im Vorlauf zu einem Deradikalisierungsprogramm befunden haben und dabei bereits zwei Termine mit Experten für Extremismusprävention absolviert haben, ohne dass dabei Pläne für einen Anschlag zur Sprache kamen, hieß es.
NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichteten, der Tatverdächtige sei bereits im Alter von 16 Jahren aufgefallen. Im Mai soll er wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden sein. Unter der Auflage, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen, soll er auf Vorbewährung freigekommen sein.
Mehrere Medien berichteten, Ballout habe an zwei Gesprächen mit der Organisation Violence Prevention Networks teilgenommen. Die Mitarbeiter hätten aber Zweifel gehabt, ob sie ihn als Beratungsfall annehmen sollten. Der „Focus“ zitiert den Geschäftsführer der Organisation mit der Einschätzung, Ballout habe in den Gesprächen „Zweckantworten“ gegeben. Erst nach einem weiteren Gespräch an diesem Montag hätte über eine weitere Zusammenarbeit entschieden werden sollen.
Medienberichten zufolge wurde der mutmaßliche Täter zeitweise observiert, auch sein Telefon soll überwacht worden sein. Er soll auch schon versucht haben, sich in Syrien dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. Wie es ihm gelingen konnte, trotz dieser Umstände unerkannt Tatvorbereitungen zu treffen, gehört zu den Fragen, die sich nun stellen. Am Sonntagabend wurde Ballout bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau erschossen.
