
Die Deutsche Bahn und das ZDF liegen wegen der Dokumentation „Am Puls mit Dunja Hayali – Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ miteinander im Clinch. Die Bahn wirft dem ZDF gravierende Fehler vor. Das ZDF weist die Kritik zurück, korrigiert sich aber in zwei nicht unwichtigen Punkten.
Der Film, schrieb die Deutsche Bahn nach der Ausstrahlung am vergangenen Dienstag, basiere „in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen“ und klammere „entscheidende Fakten bewusst aus“. 43 Minuten lang werde „einseitig die angebliche Realität der Deutschen Bahn gezeigt: jede Schwäche, keinen Fortschritt. Jedes Problem, keine Lösung. Die Leistungen der Mitarbeitenden im Bahnbetrieb – in keiner Weise gewürdigt.“ So entstehe ein „Zerrbild“.
„Kirschen mit Kürbissen verglichen“
Konkret bemängelt die Deutsche Bahn den Pünktlichkeitsvergleich zwischen der Bahn in Belgien und der in Deutschland und meint, hier würden „Kirschen mit Kürbissen“ verglichen. Die vom ZDF genannte belgische Quote von rund 92 Prozent Pünktlichkeit umfasse „sämtliche Zugverkehre“. Dabei handele es sich überwiegend um Nahverkehrszüge. Der direkte Vergleich – des Personenverkehrs insgesamt – zeige, dass die Deutsche Bahn hier mit 88 Prozent fast gleichauf sei. Diesen Vergleich aber habe es im ZDF nicht gegeben, dort sei für Deutschland nur die Pünktlichkeitsquote für den Fernverkehr vom 60,1 Prozent angegeben worden. Dass die Pünktlichkeit im deutschen Regionalverkehr bei 88,7 Prozent liege, habe man in der ZDF-Doku nicht erfahren. Der Belgien-Vergleich im ZDF sei „in hohem Maße unseriös“.
„Faktisch falsch“ sei die Angabe, dass die Deutsche Bahn über „kein einziges aktuelles Stellwerk“ verfüge. Tatsächlich seien es zurzeit drei, zudem gebe es zwanzig Stellwerke mit digitalen Elementen.
Das ZDF hat auf die Kritik der Deutschen Bahn auf zweierlei Weise reagiert – mit Korrekturen und dem Verweis, ansonsten sei alles zutreffend. Die Grafik, welche die Zahl der digitalen Stellwerke der Deutschen Bahn mit „0“ angab, habe man korrigiert. Richtig sei, dass die Deutsche Bahn drei vollständig digitale Stellwerke betreibe. Im Titel der Grafik zur Pünktlichkeit der belgischen Bahn habe man das Wort „Fernverkehr“ in „Personenverkehr“ geändert, da sich die Passage auf das gesamte Streckennetz beziehe.
In diesen beiden Punkten gibt das ZDF der Deutschen Bahn also recht. Ansonsten weise man die Kritik an einer angeblich verzerrenden Darstellung zurück. Die Dokumentation sei „journalistisch sorgfältig recherchiert“ und bilde „verschiedene Perspektiven umfassend ab“. Zahlreiche Mitarbeiter schilderten ihre Erfahrungen, und auch die Vorstandschefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, habe „ausführlich Gelegenheit zur Stellungnahme“ gehabt. Die „aktuell im ZDF-Streaming-Portal abrufbare Fassung“ der Dokumentation mit Dunja Hayali – unter der sich der Korrekturhinweis findet – , weise „keine inhaltlichen Mängel auf“.
