Der Bundestag ist in der Sommerpause. Die Abgeordneten sind weg aus Berlin, Richtung Wahlkreis oder gleich in den Urlaub. Die Straßen im Regierungsviertel sind plötzlich leerer als sonst, weil mit den Politikern auch die Heerscharen von Mitarbeitern, Beratern und Lobbyisten Pause machen. Nur die Politik geht weiter. Wie der Fall Jens Spahn zeigt.
Wer Floskeln liebt, wie es viele Hauptstadtjournalisten tun, könnte sogar sagen: Ein politisches Beben hat Berlin erschüttert. Allerdings sind auch viele Journalisten im Urlaub, wo sie sich unter anderem von ihren Floskeln erholen. Doch anders als bei den Abgeordneten halten Kollegen die Stellung im Regierungsviertel, erstens, weil Zeitungen, Magazine und Liveticker immer gelesen werden, und zweitens, weil auch dann viel Politisches passiert, wenn gerade keine Plenardebatten und Pressekonferenzen für einen stets sprudelnden Quell von Zitaten und Konflikten sorgen.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
So sitzen auch im Parlamentsbüro der F.A.Z. fünf Korrespondenten zusammen, als sich abzeichnet, dass an diesem Mittwoch neue Bewegung in die Frage kommt, wer Jens Spahn als Chef der Unionsfraktion nachfolgen könnte. Jemand hat Kuchen mitgebracht, wie hin und wieder mal, das hat nichts mit Spahn zu tun, passt aber gut. Denn die bisherige Tagesplanung kann angesichts der neuen Nachrichtenlage über den Haufen geworfen werden. Da hilft Zucker, erst recht in Streusel- oder Apfelkuchenform.
Ein paar Stunden vorher hatte es noch so ausgesehen, als könnte die Personaldebatte bis zum Wochenende weitergehen. Was sprach für Thorsten Frei als Fraktionschef, was für Alexander Dobrindt? Welche Rolle könnten Nina Warken und Carsten Linnemann spielen? Jeder hatte irgendetwas gehört; am meisten natürlich die Kollegen, die für die CDU zuständig sind, seit Tagen mit Abgeordneten telefonierten und SMS schrieben, auch abends und am Wochenende. Immerhin: Auch ihr Sommerurlaub steht kurz bevor.

Ein Vorteil von Korrespondenten gegenüber Unionsabgeordneten ist, dass sie ihren Sommerurlaub nicht unterbrechen müssen, wenn am Mittwoch der neue Fraktionsvorsitzende von CDU und CSU gewählt wird. Bitte alle nach Berlin kommen, so die Ansage des Kanzlers. Ob aus dem heimischen Garten oder dem Urlaub im Ausland, ist egal. Die Kosten soll dem Vernehmen nach jeder Abgeordnete selbst tragen, was nicht gerade zum Erholungseffekt der Ferien beitragen dürfte. Andererseits: Wenn anschließend alle zusammen ein Eis essen gingen, wäre das eine gute Teambuilding-Maßnahme.
Oder halt ein Stück Kuchen. Die Bäckereien in Berlin-Mitte haben auch im Juli und August offen. Und vielleicht trifft man ja da sogar jemanden, der auch noch keine Ferien hat oder schon zurück ist und was Interessantes gehört hat.
