
Noch bleibt Zeit, um ungeklärte Fragen zu beantworten. Denn auf dem Grundstück des Gutenberg-Museums, auf dem bis vor Kurzem noch der inzwischen niedergelegte „Schellbau“ stand, dürfen sich jetzt erst einmal die Archäologen umsehen. Schließlich könnte das mitten in der Altstadt und keinen Steinwurf vom 1000 Jahre alten Martinsdom entfernt liegende Gelände eine „Schatzkiste“ sein. Zumindest für jene, die sich von Berufs wegen und mit Passion durch die Stadtgeschichte graben.
Wodurch Planer und Politiker, die für den Neubau des Weltmuseums der Druckkunst verantwortlich zeichnen, noch ein paar Monate Zeit gewinnen. In denen können sie sich eingehend mit den bisher zwischen 80 und 110 Millionen Euro schwankenden Kostenschätzungen für das Mainzer Großprojekt beschäftigen und festlegen, worauf womöglich verzichtet werden kann respektive was es auf alle Fälle geben soll.
„Tief besorgt“ über Streichliste
Unabhängig voneinander, aber mit ähnlichen Worten haben Vertreter von FDP und Freien Wählern auf die vom parteilosen Oberbürgermeister Nino Haase und dem neuen Baudezernenten Ludwig Holle (CDU) vor wenigen Tagen vorgestellte Streichliste mit circa 30 Positionen reagiert. Es bestünden Zweifel, ob sich beide „der kulturellen Bedeutung des Gutenberg-Museums überhaupt bewusst sind“, sagte etwa Friedrich Hofmann, der kulturpolitische Sprecher der Stadtratsfraktion der Liberalen.
Der angekündigte Verzicht auf die ursprünglich vorgesehene Dachterrasse, die ebenfalls geplante Reduzierung des für Veranstaltungen gedachten Forums, der Wegfall eines Restaurants zugunsten eines Cafés und weitere funktionale Einschränkungen etwa bei den Aufzügen: All das sind laut FDP Kostensenkungsvorschläge, die einen „tief besorgt“ zurückließen.
Dass es bei dem schon seit Langem diskutierten Um- und Neubau des zuletzt jährlich von bis zu 140.000 Gästen besuchten Weltmuseums der Druckkunst nicht nur um die Baukosten, sondern vor allem um eine gesicherte Finanzierung des laufenden Betriebs gehe, ist ein Punkt, den die Freien Wähler angemahnt haben. Die Frage, ob und inwieweit sich beispielsweise das Land Rheinland-Pfalz von der Kommune in ein neues Trägerschaftsmodell einbinden lasse, bleibe weiterhin offen.
Der Stadtspitze sei das Bemühen um mehr Transparenz und Kostenkontrolle zwar nicht abzusprechen, urteilte Stadtratsmitglied Erwin Stufler von den Freien Wählern. Doch trotz der Streichliste wisse man immer noch nicht, „was das Gutenberg-Museum am Ende tatsächlich kostet“. Und wer die Betriebskosten übernehme, die auf Dauer zu einer Belastung für den städtischen Haushalt werden könnten.
