In diesen Disziplinen hat Hannover gute Siegchancen: ankommen, losbummeln und schnell staunen. Niedersachsens Landeshauptstadt will als Gastgeber der Finals 2026 beweisen, wie wertvoll kurze Wege zum Ziel sind. Ein roter Faden – aufgemalt auf Bürgersteigen – führt Gäste vom Hauptbahnhof quer durch die Stadt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten – und damit entlang vieler Sportstätten, in denen bis Sonntag Könner und Meister in 24 Sportarten ermittelt werden.
„Das Konzept ist genial. Die Finals bringen den Sport dorthin, wo die Menschen sind“, sagt Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes Niedersachsen. Er traut Hannover zu, einer breiten Öffentlichkeit bundesweit zeigen zu können, was im Spitzensport möglich ist und wie er bewegt.
Ameisenhaufen und Sandkörner
Bis kurz vor der Eröffnung der sechsten Finals-Auflage glich der Innenstadtbereich von Hannover einem Ameisenhaufen mit regem Treiben. Vor dem historischen Opernhaus wurde der Sand im Beachvolleyball-Stadion mit Liebe zum Detail verteilt. Eine schwimmende Bühne auf dem zentral gelegenen Maschsee dient als Plattform für die mediale Aufmerksamkeit eines Multi-Sportevents, das ARD und ZDF in ihrem TV-Hauptprogramm live übertragen und vielfältig streamen.
„Breaking im Foyer des Rathauses: Das wird mit einer wirklich coolen Atmosphäre bestimmt etwas ganz Besonderes“, meint Hagen Boßdorf. Der Geschäftsführer der Finals GmbH will nach Berlin, der Rhein-Ruhr-Region und Dresden auch in Hannover zeigen, dass Sportarten wie Ju-Jutsu, Siebener-Rugby oder Trampolinturnen Aufmerksamkeit verdienen. Viele olympische Sportarten und Trends sind vertreten. Lediglich die Leichtathletik muss aus logistischen Gründen einen Umweg um Hannover machen. Sie trägt ihre Titelkämpfe in Bochum-Wattenscheid aus.

Das letzte große Sport-Event, das Hannover überregionale bis internationale Aufmerksamkeit beschert hat, liegt zwei Jahrzehnte zurück. 2006 gehörte die Stadt, die häufig Witze über ihre Neigung zu Langeweile ertragen muss, zu den Austragungsorten der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. „Wir wollen langfristig unsere Position auf der sportpolitischen Landkarte stärken“, sagt Susanne Blasberg-Bense, Hannovers Dezernentin für Jugend, Familie und Sport.
Um dieses Ziel zu erreichen, gehen die Gastgeber einen forschen Weg. Parallel zu den Finals lockt das Maschseefest pro Tag mehr als 100.000 Gäste an, die Hunger und Durst sowie Lust aufs Feiern mitbringen. Vor allem an den Ufern des 2,6 Kilometer langen, künstlich angelegten Sees treffen Feierlaune und Bestleistungen in zentraler Lage aufeinander.
Sause am Maschsee bis tief in die Nacht
Beißt es sich, wenn das Partyvolk dem Spitzensport zujubelt? „Unsere Primetime ist anders als die des Maschseefest“, versichert Finals-Erfinder Boßdorf. Tagsüber wird es um insgesamt 143 Meistertitel gehen. Abends bis nachts folgt die Sause am Maschsee und soll den Finals Zuschauerrekorde bescheren.
Welche Sportarten haben die besten Chancen, Zuschauer in ihren Bann zu ziehen? Coastal Rowing, Segeln, Triathlon und Windsurfen auf dem Steinhuder Meer versprechen eine wunderbare Kulisse. 3×3-Basketball vor dem Neuen Rathaus wird dank olympischer Erfolge der deutschen Frauen ein Publikumsmagnet sein. Und dass im Foyer eines Rathauses beim Breaking zu sehen sein wird, wie dynamisch Tanzsport sein kann, dürfte vor allem ein junges Publikum anlocken.
Die Mehrheit der Veranstaltungen im Rahmen der Finals kann ohne Eintrittskarte besucht werden. Deshalb gilt neben der langen Flaniermeile zwischen Rathaus und Maschsee mit vielen Mitmachaktionen eine Sportart als Geheimtipp. Direkt vor dem Opernhaus werden Deutschlands beste Speed-Kletterer in wenigen Sekunden eine 15 Meter hohe Steilwand erklimmen. Wettbewerbe wie diese ermöglichen vermeintlich kleineren Sportarten, die sonst selten bundesweit aufhorchen lassen, große Auftritte.
