Die Nutzung von Elektrorollern ist künftig in Griechenland nur noch ab einem Mindestalter von 17 Jahren erlaubt. Das sieht ein neues Gesetz vor, das die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis verabschiedet hat. Zudem müssen Nutzer sowie Fahrzeuge in Zukunft versichert und die Roller in einer digitalen staatlichen Datenbank registriert sein.
Diese Neuerung soll unter anderem das Vorgehen gegen das verkehrswidrige Parken von Geräten erleichtern, das ähnlich wie in Deutschland auch in griechischen Städten immer wieder für Ärger sorgt. Auch höhere Strafen für die Nutzung der Roller auf dafür nicht freigegebenen Schnellstraßen wurden eingeführt. Bereits früher geltende Bestimmungen wie die Helmpflicht und das Verbot der Nutzung von Mobiltelefonen oder Kopfhörern während der Fahrt bleiben in Kraft.
Das Kind geriet in den Gegenverkehr
Die verschärften Regelungen sind eine Reaktion des Staates auf mehrere tödliche und zahlreiche weitere Unfälle von minderjährigen E-Scooter-Nutzern in den vergangenen Monaten. Im Juni mussten ein 13 Jahre alter Teenager und eine Sechzehnjährige auf der Insel Kreta nach Unfällen mit Elektrorollern in lebensbedrohlichem Zustand intensivmedizinisch behandelt werden.
Ende Mai kam ein zwölf Jahre alter Junge in die Intensivstation eines Kinderkrankenhauses, nachdem er in einem Athener Vorort ein Stoppschild überfahren hatte und von einem Auto angefahren worden war. Er soll ohne Helm unterwegs gewesen sein und beim Fahren sein Mobiltelefon benutzt haben, berichteten griechische Medien über den Vorfall.
Besonders viel Aufmerksamkeit erregte der Unfalltod eines 13 Jahre alten Jungen in einem Ort auf der nordwestlichen Peloponnes im April. Das Kind soll einem geparkten Fahrzeug ausgewichen, dabei in den Gegenverkehr geraten und überfahren worden sein. Der Verband griechischer Kinderärzte warnte unlängst, allein im vergangenen Jahr habe man mehr als 100 Minderjährige nach Unfällen mit Elektrorollern behandelt. Nach anderen Statistiken soll es im vergangenen Jahr insgesamt sogar mehr als 400 Unfälle Minderjähriger mit Elektrorollern gegeben haben.
Ungelöste Frage: Wer zahlt bei Unfällen?
Bürgerschutzminister Michalis Chrysochoidis hatte schon vor Wochen gesagt, das geplante Gesetz müsse unter anderem versicherungsrechtliche Fragen lösen, damit klar sei, wer die Behandlungskosten nach Unfällen trage. Die Regierung wolle sich dafür auch ansehen, wie andere europäische Metropolen solche Fragen regulieren, so Chrysochoidis.
Zugleich machte der Minister deutlich, dass die Regierung die Nutzung der Verkehrsmittel zwar regulieren und sicherer machen, aber keinesfalls verbieten wolle. Ein Verbot wäre wohl auch höchst unpopulär bei einem Teil der Bevölkerung, denn viele Menschen in der von schweren Verkehrsrhythmusstörungen geplagten griechischen Hauptstadt und ihrem Großraum von mehr als fünf Millionen Einwohnern nutzen die praktischen Roller täglich.

Zwar gibt es in Athen eine U-Bahn, doch die hat nur wenige Linien und ist zu Stoßzeiten überfrequentiert. Auf den Straßen staut sich der Verkehr zu diesen Zeiten erst recht, und wer in der Innenstadt jenseits der teuren Parkhäuser nach Parkplätzen sucht, kann auch gleich Lotto spielen.
Helmpflicht wird oft ignoriert
Angesichts solcher Zustände bieten Elektroroller eine willkommene Erleichterung für viele Pendler, teilweise auch als Teillösung: Die Leute fahren aus der Innenstadt zu einem etwas außerhalb gelegenen Parkplatz und von dort mit dem Auto weiter. Nur kamen mit der Lösung auch neue Probleme. In Griechenland gilt für Elektroroller ein Tempolimit von sechs Stundenkilometern in Fußgängerzonen oder auf Bürgersteigen sowie von 25 Kilometern auf Straßen.
Diese Beschränkungen werden jedoch oft nicht eingehalten. Auch die Helmpflicht wird oft missachtet. Bei viertägigen verstärkten Kontrollen im Mai registrierte die Verkehrspolizei im Großraum Athen mehr als 200 Verstöße. Landesweite Kontrollen Anfang Juli brachten ein ähnliches Ergebnis. Mehr als 750 Fahrer von Elektrorollern mussten Strafen zahlen, weil sie ohne Helm unterwegs waren.
Wer künftig gegen die Altersbeschränkungen bei der Nutzung verstößt, soll ein Bußgeld von 150 Euro zahlen müssen. Die Nutzung von Rollern ohne vorgeschriebene Versicherung soll 250 Euro Strafe kosten. Verleiher, die über die App nicht sicherstellen, dass Nutzer das Mindestalter erreicht haben, kann das noch teurer zu stehen kommen: 1000 Euro Bußgeld sind vorgesehen. Auch ein Entzug oder eine Aussetzung von Lizenzen bei wiederholten Verstößen durch Verleiher war Teil der Debatte der vergangenen Wochen. Darin ging es auch um die Idee, dass Gemeinden festgelegte Parkplätze für Roller ausweisen können und Verleiher verpflichtet werden, falsch abgestellte Fahrzeuge noch am gleichen Tag zu entfernen.
Der Verband griechischer Fahrlehrer fordert zudem, dass Schulen stärker auf Verkehrserziehung achten und den Umgang mit Elektrorollern dabei einbeziehen sollen. Dreizehnjährige seien ohne vorherige Ausbildung mit der Komplexität großstädtischen Straßenverkehrs oft überfordert. Angeregt wurde unter anderem eine Art „Mobilitätslizenz“, eine Art Vorstufe zum Führerschein, für minderjährige Verkehrsteilnehmer als Voraussetzung für die Nutzung von Elektrorollern.
