Den ersten Fehler haben Beobachter schon nach fünf Sekunden entdeckt. Da fahren Autos durch die Stadt, und es hat den Anschein, als müssten sie gleich ineinanderkrachen. Doch da kommt schon der Schnitt, und wir schauen in das Gesicht eines Reporters, der von der düstersten Geschichte berichtet, die er je recherchiert hat: Die US-Armee reanimiert gefallene Soldaten und macht aus ihnen Kampfzombies.
Frankenstein lässt grüßen, beziehungsweise der südafrikanische Regisseur Neill Blomkamp, der mit seinem dreizehn Minuten langen Film „Nightborne“ zeigen will, was Künstliche Intelligenz im Film inzwischen leisten kann. Was man auf Youtube zu sehen bekommt, ist nur ein Vorgeschmack. Als Nächstes will Blomkamp einen Langfilm komplett mit KI produzieren.
Trotz Schwächen, der Vormarsch der KI erscheint unausweichlich
Schaut man auf die vierstellige Zahl von Kommentaren, die sich unter Blomkamps Film bei Youtube finden, sollte er das lieber lassen. Da gibt es Anschlussfehler und Unschärfen im Bild, eine Wunde wandert von der einen Seite des Kopfes auf die andere, Ausrüstungsgegenstände der Soldaten sind von einer Sekunde auf die andere weg, und dann wäre da noch die Mimik der Protagonisten. Ihr Mienenspiel hat mitunter sekundenkurze Sprünge, das Lächeln wirkt aufgesetzt, und dann erscheinen einzelne Figuren oder Sequenzen wieder so gestochen scharf, dass sie wie aus einem Videospiel entnommen und als das wirken, was sie sind: künstlich.

Und doch sehen wir in diesem Kurzfilm, wie bei einigen anderen, die im KI-Filmrennen gerade auf den Markt kommen, dass der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz unausweichlich ist. Für die herkömmliche Inszenierung der Actionszenen in „Nightborne“ hätte Blomkamp Millionen ausgeben müssen, so aber brauchte er nur ein versiertes Prompt-Team.
Wirklicher Schrott indes, und das lässt KI-Kritiker hoffen, ist die Geschichte, die Blomkamp auftischt. Eingangs sehen wir einen Reporter, dann einen Wissenschaftler und dann eine Hubschrauberpilotin, die bei einem Kampfeinsatz – ein mächtiges Geballer – scheinbar tödlich verletzt wird. In Wahrheit wird sie weggeschafft, und ihr werden Implantate eingesetzt, die sie zu einer tödlichen Kampfmaschine machen. Ihr Mann glaubt die Story nicht, die ihm die US-Armee über den Tod seiner Frau erzählt. Und die hat, trotz Hightechumbau im Hirn, dann doch, mitten im Gemetzel, eine menschliche Regung und erinnert sich an ihren Mann und ihren Sohn.
Das ist herzzerreißend stupide und der lahmste Aufguss der Geschichten, mit denen Blomkamp bekannt wurde, der hochgelobten Dystopie „District 9“ etwa, „Elysium“, „Chappie“ oder „Gran Turismo“. Doch ist es kein Wunder, dass der Regisseur auf KI zusteuert. Seinem zwischen Sci Fi und Videospielästhetik oszillierenden Œuvre, zu dem eine gescheiterte Verfilmung des Spiels „Halo“ (stattdessen ließ ihn der Produzent Peter Jackson dann „District 9“ machen) und das gescheiterte Projekt „Alien 5“ zählen, ist die Technikfaszination eingeschrieben.
Bei „Nightborne“ hat er die KI „Seedance 2.0“ und die Gesichter und Stimmen von 32 realen Personen eingesetzt. Das sorgt bei den Actionszenen durchaus für eine fotorealistische Anmutung und dafür, dass Blomkamps Figuren auf den ersten Blick menschlich erscheinen. Auf den zweiten jedoch wirkt an dem Film alles gepromptet, nicht erzählt. Man merkt, dass jede Szene auf Textbefehlen beruht, von Erzählfluss keine Spur. Das hält Blomkamp, der für seine KI-Filmerei die Produktionsfirma Barley Studios gegründet hat, aber nicht davon ab, mit Künstlicher Intelligenz auf die lange Strecke zu gehen.
